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Politische Stiftungen - Schulen demokratischen Denkens und Handelns

Eine Demokratie lebt von Demokraten. Diese Lehre aus dem Scheitern der ersten deutschen Republik der Weimarer Zeit führte in der Bundesrepublik Deutschland zur Etablierung von Politischen Stiftungen. Als wichtiger Teil der politischen Kultur sollten sie fortan für eine dauerhafte und tiefgreifende Verankerung eines demokratischen Bewusstseins in unserem Land sorgen. Zutreffend bezeichnete sie der frühere Bundespräsident Roman Herzog denn auch als „Schulen demokratischen Denkens und Handelns, Übungsfelder für Zivilcourage und Gemeinsinn, die ethische Grundlagen vermitteln sollen, ohne die unser politisches System nicht funktionieren kann“.

50 Jahre Hanns-Seidel-Stiftung

Die geschichtliche Entwicklung seit den sechziger Jahren bis heute hat auch eine Einrichtung wie die Hanns-Seidel-Stiftung immer wieder vor eine Reihe von Herausforderungen gestellt. Was die Gründungsväter 1967 als Fundament gelegt hatten, gilt bis heute als Kompass der kontinuierlichen Weiterentwicklung. Die Hanns-Seidel-Stiftung besitzt ihre Keimzelle in Bayern, ist aber auch deutschlandweit aktiv und wirkt heute weltweit in über 60 Ländern. Die weltweiten politischen und gesellschaftlichen Veränderungen stellen für die Hanns-Seidel-Stiftung eine ständige Herausforderung dar. Aktuell sind dies z.B. die Anforderungen der Wissensgesellschaft, die Bewältigung von Asyl, Flucht und Migration, die demographische Entwicklung, der Wertewandel, der Wandel im digitalen Zeitalter, die Auswirkungen der Globalisierung u.v.m. Innovatives Denken, laufende Anpassung der Strukturen oder die Formulierung von Schwerpunktthemen sind hierzu notwendig. 

Der Vorstand der Hanns-Seidel-Stiftung beschließt jährlich Schwerpunktthemen, die im Rahmen der Arbeit der Abteilungen umzusetzen sind.

Thematische Schwerpunkte seit Gründung der Stiftung

„Bildungswesen und Beschäftigungssystem in Einklang bringen“, war im November 1976 Gegenstand einer deutsch-französischen Fachtagung in Wildbad Kreuth. Im Juli 1983 beschäftigte sich eine internationale Fachtagung in Berlin mit „Asylrecht und Ausländerproblematik“. Mitte der achtziger Jahre wurden Privatfunk und Fernsehen in Deutschland eingeführt, Satellitendirektempfang setzte neue Maßstäbe. Medienexperten trafen sich im Dezember 1986 in Malaga zur Fachtagung „Von Satelliten und Buschtrommeln“. Diskutiert wurden Probleme der Medienordnung weltweit mit dem Ziel einer europäischen Rundfunk- und Fernsehordnung. Wenige Jahre später veränderte der Fall des Kommunismus die Weltarchitektur. Der „Eiserne Vorhang“ war Vergangenheit, die Wiedervereinigung veränderte Deutschland grundlegend: „Westbindung des vereinten Deutschlands“ war Gegenstand eines Expertengesprächs 1991, gleichzeitig beteiligte man sich an der Debatte „Zukunft des Grundgesetzes – braucht Deutschland eine neue Verfassung?“. Außenpolitisch waren der Golfkrieg und der zunehmende Verfall der Sowjetunion ein Thema.

Mit Veranstaltungen zu Themen der Europapolitik („Der Euro kommt“), der Sicherheitspolitik („Frauen in der Bundeswehr“) oder der Kommunalpolitik „(AGENDA 21 – Umsetzung für die Kommunen“) war die Hanns-Seidel-Stiftung 1997 am Puls der Zeit. Zur Jahrtausendwende erörterte man Themen wie „Zuwanderung und nationale Identität“ oder „Der europäische Gedanke – Hintergrund und Finalität“.

Die Zeit nach der Jahrtausendwende war thematisch nicht minder spannend. Ein bürgernaher Bundesstaat, die europäische Integration und Verfassung oder die EU-Osterweiterung, die Auswirkungen der demographischen Entwicklungen auf die Kommunen in Bayern wurden mit interessierten Kreisen und Betroffenen erörtert. Mit “Habemus papam“ - ein bayerischer Papst in Rom - wurde das religiöse Profil der Stiftung gestärkt. Die Zukunft der transatlantischen Beziehungen oder Energiefragen vor und nach dem Atomausstieg beschäftigten Politik und Wissenschaft gleichermaßen. In regelmäßigen Abständen untersucht die Hanns-Seidel-Stiftung im Rahmen der Generationenstudien Einstellungen der Bevölkerung zu gesellschaftpolitischen Fragestellungen. Ein neu eingeführtes Internationales Strategiesymposium lenkt den Blick auf Deutschlands neue Rolle in der Welt, der neu geschaffene Medienpolitische Arbeitskreis diskutiert mit Medienschaffenden die Zukunftsperspektiven verschiedener Medien im Zeitalter der digitalen Revolution. Islamistischer Terrorismus, die Innere Sicherheit oder die Debatte um die sichere Rente sind Themen, die heute aus vielerlei Perspektiven das Interesse von politisch Interessierten wecken, die als Teilnehmer zur Hanns-Seidel-Stiftung kommen, sei es als Zuhörer oder auch als Diskutant.

Der thematische Schwerpunkt in den Jahren 2015 und 2016 war Asyl, Flucht und Migration. Dieses Thema wurde teamorientiert und abteilungsübergreifend bearbeitet. Es wurden Lösungsszenarien entwickelt, in der politischen Bildung wurden ausgewählte Zielgruppen angesprochen, darunter Flüchtlingshelfer mit Schulungen und Handreichungen versorgt. Fluchtursachenbekämpfung betreibt die Auslandsabteilung mit Projekten der Entwicklungszusammenarbeit gerade in afrikanischen Ländern. Stipendiaten der Stiftung setzen sich im Rahmen ihrer ideellen Förderung mit Flucht, Asyl, Migration und Integration auseinander. So können vom Vorstand identifizierte Themen, die einen hohen Nutzwert für den gesellschaftspolitischen Dialog darstellen, in einer breit angelegten Strategie gut bearbeitet werden, was der Stiftung in vielen Bereichen Reputation einbringt.

Die Inhalte der Arbeit haben heute andere thematische Akzente als noch in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Stiftung. Die Themen der Veranstaltungen spiegeln die Probleme und Entwicklungen in der Innenpolitik, aber auch in der internationalen Politik wider und versuchen Antworten zu geben auf Fragestellungen, die dringend von der Politik gelöst werden müssen.

20-jähriges Jubiläum der Hanns-Seidel-Stiftung

20-jähriges Jubiläum der Hanns-Seidel-Stiftung

HSS; ACSP, Ph S HSS 53-2

Chronik der Hanns-Seidel-Stiftung

Tag der Hanns-Seidel-Stiftung

Tag der Hanns-Seidel-Stiftung

HSS

Tag der Hanns-Seidel-Stiftung

Die Hanns-Seidel-Stiftung griff zu jeder Zeit die aktuellen Probleme der Gegenwart auf. Unabhängig davon folgte sie ihrem Grundauftrag: die Förderung der „demokratischen und staatsbürgerlichen Bildung des deutschen Volkes auf christlicher Grundlage“ und „internationaler Gesinnung und Völkerverständigung“. Dieser seit vier Jahrzehnten in der Satzung verankerte Auftrag hatte gestern, hat heute und auch in Zukunft Gültigkeit.

Der Erfolg politischer Bildungsarbeit wird mittlerweile mit Instrumenten der Evaluierung gemessen. So können Rückschlüsse auf Wirkungsweisen gezogen werden, die eine Qualitätsverbesserung zum Ziel haben. Dies war in den frühen Jahren der HSS noch nicht möglich. Allein das Institut für Politische Bildung zählt pro Jahr ca. 50.000 Teilnehmer. Dies trägt der Aufgabe – Demokratie muss von jeder Generation neu erlernt werden – besser Rechnung als je zuvor. 

 

Die Hanns-Seidel-Stiftung in fünf Jahrzehnten – Ein Überblick

Einen ausführlichen Gesamtüberblick über die Entwicklung der Hanns-Seidel-Stiftung in den letzten fünf Jahrzehnten
finden Sie hier.

Die politischen Stiftungen in Deutschland

Die politischen Stiftungen sind ein wichtiger Teil des politischen Systems und der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland. Sie leisten für das Gemeinwohl nützliche Arbeit, so die Einschätzung der von Bundespräsident Roman Herzog berufenen Kommission unabhängiger Sachverständiger. Die staatliche Förderung liegt im öffentlichen Interesse und entspricht der Verfassung. Dies hat sinngemäß das Bundesverfassungsgericht in seiner Entscheidung vom 14. Juli 1986 festgestellt. Die Vermittlung politischer Bildung, das Aufgreifen zukunftsrelevanter Fragestellungen sowie die Erarbeitung von Lösungsansätzen, die Erforschung der geschichtlichen Entwicklung der jeweils nahestehenden Partei, die Begabtenförderung und die internationale Zusammenarbeit gehören zum Selbstverständnis der politischen Stiftungen in Deutschland. Dies haben die Vorsitzenden aller parteinahen Stiftungen im Jahr 1998 in einer „Gemeinsamen Erklärung“ einvernehmlich festgelegt. Über das Aufgabenspektrum hinaus sind darin auch die staatliche Finanzierung und die öffentliche Rechenschaftslegung beschrieben.

Die politischen Stiftungen in der Bundesrepublik Deutschland sind rechtlich und organisatorisch selbstständige Einrichtungen. Sie sind unabhängig von den ihnen nahestehenden politischen Parteien, stimmen aber mit deren geistigen Grund- und Wertvorstellungen überein.

Die Bildungsarbeit der Stiftungen, ihre Studienförderung, ihre Angebote und Einrichtungen stehen allen Bürgern offen. Unabhängig voneinander, aber auf einem gemeinsamen Fundament, wirken sie als „Demokratie-Schule“ für den Bürger, als „Denkfabrik“ für Strategen, als Nachwuchsfördereinrichtung für Begabte oder als „Hilfe-zur-Selbsthilfe-Einrichtung“ weltweit in der Entwicklungszusammenarbeit. Sie gewährleisten so ein der pluralistischen Gesellschaft entsprechendes vielfältiges Angebot.