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Schulen in der Krise
Corona führt zu weltweitem Bildungsdefizit

In Deutschlands Schulen wird über den Umgang mit der Corona-Krise heftig gerungen. Blicken wir in andere Länder, zeigt sich, dass Homeschooling, Maskenpflicht und Schulschließungen auch dort an der Tagesordnung sind – oftmals mit weitreichenden Konsequenzen für die Bildung der Kinder. Wir haben nachgefragt, wie die Situation an Schulen in anderen Ländern dieser Welt ist. Unsere Auslandsexperten und Auslandsmitarbeiter erklären, warum sich Schülerscharen vor amerikanischen Cafés sammeln, warum in Russland Homeschooling seit Jahren möglich ist, und warum man in China ohne Handy nicht in die Schulen darf.

  • Jordaniens Kinder und Mütter sind betroffen
  • Homeschooling in Russland
  • Maske, Lüften, kleine Klassen in Algerien
  • Handyortung in China
  • Corona wird zur Bildungskrise in Israel
  • Fernunterricht über TV in Tunesien
  • Hunger in Südafrika ohne Schulspeisung
  • Bildungskrise für Arme und Flüchtlinge in Libyen
  • Die Bildungskrise spaltet in den USA die Gesellschaft weiter
  • Kürzung der Bildungsausgaben in Ecuador
  • Korea: Im Süden hilft die Technik, im Norden schützt man die Elite
  • Indien: Unterricht auf Online-Plattformen
  • Fazit - Der Coronakrise folgt eine Krise auf dem Arbeitsmarkt

Die Covid-19-Pandemie macht keinen Halt vor Schulen. Derzeit laufen weltweit zahlreiche Studien darüber, wie gefährlich es ist, Schulen in dieser Situation offen zu halten. Bislang erscheinen die Bildungseinrichtungen nicht als Superspreader-Hotspots, aber auch nicht als virusfreie Zonen. Nichtsdestotrotz müssen die Schüler in vielen Ländern zu Hause bleiben. Eine Vorsichtsmaßnahme, die nicht nur umstritten ist, sondern vor allem auch die Bildungsgerechtigkeit für eine bestimmte Gruppe untergräbt, nämlich für diejenigen Schüler aus armen Familien.

Die Öffnung von Schulen in Jordanien folgt seit Beginn der Corona-Pandemie einem reaktiven Schema. Aktuell sind alle Schulen im Land bis mindestens Ende des Jahres geschlossen. Kinder nehmen, wo möglich, über Computer am Online-Unterricht teil. Allerdings ist die Verfügbarkeit von internetfähigen Endgeräten in Jordanien keineswegs flächendeckend gegeben. Teilweise werden Unterrichtsinhalte daher über Fernsehsender vermittelt. Kinderreichen Familien ist auch hiermit in der Regel nicht geholfen. Und selbst in Haushalten mit den erforderlichen Ressourcen hat diese Situation massive Auswirkungen auf die Familien. In einem Land mit einer ohnehin sehr niedrigen Erwerbsquote von Frauen verringert der Ausfall von Präsenzunterricht diese Quote zusätzlich, da insbesondere Mütter aufgrund patriarchaler Muster für die Erziehung und Betreuung der Kinder zuständig sind.

Auch die psychosozialen Folgen für Kinder sind in Zeiten von Homeschooling und wiederkehrenden Ausgangssperren nicht zu unterschätzen. Neben dem Wegfall eines direkten sozialen Austauschs entstehen, abhängig von Bildungsgrad und Einkommen der Eltern, teilweise nicht mehr auszugleichende Rückstände in der Schulbildung. Vor allem außerhalb der städtischen Ballungszentren findet Schulunterricht mangels Infrastruktur teilweise seit Monaten überhaupt nicht mehr statt. Im urbanen Raum hingegen muss zwischen der sozioökonomischen Situation der lokalen Bevölkerung, sowie zwischen privaten und öffentlichen Bildungseinrichtungen differenziert werden. Massive Qualitätsunterschiede sind auf allen Ebenen festzustellen, ebenso die Ansätze zur Vermittlung von Lehrinhalten. Viele Lehrer sind völlig überlastet und Lernerfolge liegen einzig am Engagement der Eltern.

Das jordanische Bildungsministerium hatte mit Blick auf diese Entwicklungen im Anschluss an die Sommerferien damit experimentiert, zunächst alle Schulen wieder zu öffnen, sodann wenigstens die Klassen 1 und 2 sowie die Abiturklassen offenzuhalten. Nachdem sich das Infektionsgeschehen graduell weiter verschlechtert hatte, wurde auch hiervon Abstand genommen. Die geplante Schließung von Kindergärten wurde nach massiven Protesten im Internet innerhalb von 24 Stunden wieder rückgängig gemacht. Die fortdauernde Verschärfung des Infektionsgeschehens in Jordanien mit weniger als 2 000 bestätigten Infektionen Anfang September bis zu aktuell knapp 180 000 lässt eine baldige Lösung der Probleme und damit eine Rückkehr in die Schulen unwahrscheinlich erscheinen. Die im Oktober neu eingesetzte Regierung des Landes arbeitet zwar mit Hochdruck an Lösungen, doch zahlreiche wirtschaftliche wie politische Unwägbarkeiten erschweren deren Umsetzung. Unter dieser Unsicherheit leiden werden am nachhaltigsten die Kinder – und ihre Mütter.

Autorin: Maryam Schmidt, Leiterin des Referats Naher Osten, Nordafrika im Institut für Internationale Zusammenarbeit in der HSS-Zentrale.

Ein Geburtstag mit Masken in Russland. Die Deutsche Schule in Moskau feiert ihr 30-jähriges Jubiläum.

Ein Geburtstag mit Masken in Russland. Die Deutsche Schule in Moskau feiert ihr 30-jähriges Jubiläum.

Deutsche Schule Moskau (DSM)

Die allgemeine Situation sowohl in Moskau als auch in ganz Russland ist nach wie vor kritisch, die Sterbezahlen sind außergewöhnlich hoch. In Moskau stagniert derzeit die Zahl der Corona-Neuinfektionen auf hohem Niveau. Deswegen sind die Schutzmaßnahmen bis 15. Januar 2021 verlängert worden. Das bedeutet, dass Moskauer im Alter von über 65 Jahren sowie Menschen mit chronischen Krankheiten weiterhin zu Hause bleiben müssen. Zudem müssen mindestens 30 Prozent der Mitarbeiter in einem Unternehmen bzw. in einer Organisation im Homeoffice arbeiten (gilt auch für unser Moskauer HSS-Büro) und seit November sind staatliche Freizeiteinrichtungen für Kinder geschlossen.

Kindergärten und Grundschulen bleiben hingegen geöffnet. Maskenpflicht besteht nur für Lehrpersonal und Schulangestellte bis zum Betreten beziehungsweise ab dem Verlassen der Klassenräume. Eine Maskenpflicht für Schüler wäre der Bevölkerung nicht vermittelbar, da das Tragen einer Maske bei Kindern höchst umstritten ist. Viele Eltern zweifeln an der Wirkung der Masken und befürchten eine gesundheitliche Beeinträchtigung ihrer Kinder. Die Jahrgangsstufen 5 bis 12 lernen von zuhause aus. Homeschooling ist in Russland seit Jahren gesetzlich geregelt und war schon vor der Corona-Krise möglich. Wegen der teilweise sehr langen Schulwege gab es bereits vor Jahren die Forderung nach Homeschooling von Seiten der Eltern, dabei hängt der Erfolg auch hier von der technischen Ausstattung der Schulen und der Schüler ab. Die staatliche Kontrolle des Lernerfolgs wird dadurch sichergestellt, dass die Schüler an ihrer Schule regelmäßig Prüfungen ablegen müssen.

Autor: Jan Dresel, Leiter des Auslandsbüros Moskau der HSS.

Am 25. Februar 2020 meldete Algerien seinen ersten bestätigten Coronafall. Bereits am 12. März kündigte die Regierung die Schließung aller Bildungseinrichtungen und den Umstieg auf Homeschooling an. Aktuell bestimmen die zuständigen Behörden der einzelnen Gouvernorate, ob der Schulbetrieb vor Ort oder von zu Hause aus online stattfinden soll. Generell gelten Maskenpflicht sowie Quarantäneverordnungen für Schulklassen bei bestätigten Infektionsfällen. Das Lycée Internationale Alexandre Dumas (liad) in Algir empfiehlt Eltern beispielweise, vor dem Schulbesuch die Temperatur der Kinder zu messen. Neben dem obligatorischen Desinfizieren der Hände vor dem Betreten der Klassenräume ist zudem die Anzahl von Unterrichtsteilnehmern, die sich gleichzeitig in den Räumlichkeiten aufhalten dürfen, auf 15 beschränkt. Aus diesem Grund haben einige Schulen ein Rotationssystem für den Unterricht und die einzelnen Klassen eingeführt. Weitere Maßnahmen umfassen regelmäßiges Lüften und professionelle Reinigungen der Einrichtungen.

Autorin: Maryam Schmidt, Leiterin des Referats Naher Osten, Nordafrika im Institut für Internationale Zusammenarbeit in der HSS-Zentrale.

Am Eingang einer Schule in Shanghai wird Fieber gemessen.

Am Eingang einer Schule in Shanghai wird Fieber gemessen.

© Georg Stadler / HSS

In China hat sich das Leben bereits wieder normalisiert. Nur in einigen Städten gibt es noch vereinzelte Covid-19-Fälle. Sobald ein lokaler Übertragungsfall auftritt, werden von der zuständigen Regierungsbehörde sofort strenge Maßnahmen ergriffen, um die Ausbereitung der Epidemie regional einzudämmen. Zusätzlich zu Quarantänemaßnahmen wird das betreffende Stadtgebiet abgeriegelt und die Menschen dort müssen sich einem Nukleinsäure-Test unterziehen.

Beim Schulbetrieb in China gibt es ortsabhängig große Unterschiede. So sind die Schulen in Shanghai, wo die HSS eine Vertretung unterhält, alle wieder geöffnet. Alle Schüler und Lehrer müssen am Eingang einen Temperaturtest machen. Ist diese erhöht, wird die betreffende Person genauer auf ihren Gesundheitszustand hin untersucht. Zusätzlich müssen Lehrer wie Schüler täglich ein Handy-Formular ausfüllen, in dem sie bestätigen, dass sie gesund sind und sich im Zeitraum von 14 Tagen nicht in einer Risikoregion aufgehalten hatten. Auch für Besucher gibt es Auflagen: Sie müssen jederzeit einen „grünen Code“, der über die App WeChat oder die App Ali Pay generiert wird, auf dem Handy vorzeigen können. Grundlage dafür sind die Bewegungsdaten, welche automatisch über das Handy von dieser App gespeichert werden. Hat jemand sich in einer Risikoregion aufgehalten, in der es Übertragungen des Krankheitserregers gegeben hat, dann ist der Code rot und man muss 14 Tage in Quarantäne verbringen, bevor das Schulgelände wieder betreten werden darf.

Im Unterricht und im Freien kann man sich auf dem Schulgelände ohne Maske bewegen. Der Unterricht findet in der gewohnten Klassengröße statt. Online Unterricht gibt es momentan nicht. Um die Corona-Pandemie unter Kontrolle zu bringen, hat die Schulleitung Präventionsmaterialien wie Masken und Desinfektionsmittel für die Lehrkräfte und die Schüler beschafft. Die Schulräume werden ebenfalls regelmäßig desinfiziert.

Autor: Georg Stadler, Auslandsmitarbeiter der HSS in Shanghai, und Yang Qian, Mitarbeiterin im HSS-Büro in Shanghai.

Bereits im März wurden die Schulen während eines ersten Lockdowns – ohne Rücksprache mit Lehrkräften, Schülern und Eltern –  geschlossen, mit dem Ziel, Online-Unterrichtsformate zu etablieren. Leider erwiesen sich für die Umsetzung dieses Plans nicht nur der Mangel an digitaler Ausrüstung (20 Prozent der Schüler leben in Haushalten ohne Computer) oder der fehlende Internetzugang als große Probleme. Auch die fehlende digitale Ausbildung von Lehrern sowie die widersprüchliche Kommunikation der Regierung zum geplanten Beschulungsmodell machten aus der Coronakrise auch eine Bildungskrise. Es wird deshalb befürchtet, dass sich Bildungslücken weiter vergrößern und sich die Schere zwischen guten und schlechten Schülern auch durch ungleiche Bedingungen im Bereich des digitalen Lernens weiter öffnet. Zudem fallen für die für viele Schüler notwendigen, staatlich subventionierten Mahlzeiten in den Schulen weg.

Nach dem ersten Lockdown wurden neue Zusagen gemacht: Der Staat beabsichtigt, 1,2 Milliarden Schekel (302 Millionen Euro) für die Förderung von Kommunikation und Konnektivität im Bildungssystem auszugeben. Er versprach, 144 000 Laptops mit Office und Sim-Karte mit Internet-Unterstützung für Schüler in Städten ohne Internet-Infrastruktur zu kaufen und auch ultra-orthodoxe Schüler im Rahmen der Möglichkeiten für den Fernunterricht innerhalb der Gemeinde, in der Fernsehen, Internet und Mobiltelefone verboten sind, zu versorgen. Bis Ende Oktober wurden jedoch nur 7 000 der versprochenen Laptops verteilt.

Im Herbst kam es zu einem zweiten Lockdown, weshalb die Schulen verspätet ins Schuljahr starteten. Zunächst durften nur die Schüler der ersten bis vierten Klasse – mit Maske – tageweise zurückkehren. An drei Tagen in der Woche findet nun Präsenzunterricht statt, an den anderen beiden Wochentagen wird Fernunterricht abgehalten. Die höheren Klassenstufen sind noch nicht zurückgekehrt an die Schulen. Dabei wird sehr vorsichtig vorgegangen: Social Distancing ist oft nur schwer umsetzbar. Daher werden Schulen mit gemeldeten Fällen geschlossen und umfangreiche Tests durchgeführt. Tausende potenziell gefährdete Schüler und Mitarbeiter werden in diesem Fall vorsorglich in häusliche Isolation geschickt. Das System weist viele Lücken auf, zumal die ultraorthodoxe Gemeinschaft beschloss, dass sie den Anordnungen der Regierung nicht nachkommen werde. Sie öffnete ihre Schulen ohne Einschränkung (keine Masken, keine soziale Distanzierung usw.). So gehen nun fast 300 000 Kinder ohne jeglichen Infektionsschutz zur Schule. Die anderen 1,7 Millionen Schüler sind zu Hause ohne eine langfristige Lösung in Aussicht zu haben.

Autorin: Julia Obermeier, Auslandsmitarbeiterin der HSS in Israel, und Dina Neuburger, Mitarbeiterin im HSS-Büro in Israel

In Tunesien wurden die Schulen bereits im Frühjahr geschlossen und das Schuljahr endete für hunderttausende Schüler frühzeitig. Privatschulen konnten sich schnell anpassen und boten für die rund 150.000 Schüler Online-Angebote an. Für etwa eine Million Schüler an staatlichen Schulen hingegen war dies nicht leicht möglich. Nach einer sechs Monate währenden Schulschließung sollten die Kinder im September unter Hygienemaßnahmen wieder am Unterricht teilnehmen können. Aus Sorge vor einer Massenansteckung riefen die Eltern zu einem Boykott auf. Die tunesische Regierung hat daraufhin die Hygienemaßnahmen verschärft: Schüler müssen regelmäßig Hände waschen, einen Sicherheitsabstand von einem Meter einhalten und ab dem 11. Lebensjahr Maske tragen. Zudem wurden die Klassen geteilt, um die Anzahl der Schüler zur verringern. Dadurch haben sie auch nur jeden zweiten Tag Unterricht. Das Bildungsministerium arbeitet darüber hinaus an einer Reihe von Fernsehkanälen für den Fernunterricht. Dafür werden nämlich weder Computer noch Internet gebraucht.

Autorin: Maryam Schmidt, Leiterin des Referats Naher Osten, Nordafrika im Institut für Internationale Zusammenarbeit in der HSS-Zentrale

Die Covid-19-Pandemie ist für viele afrikanische Länder nicht nur eine gesundheitliche Herausforderung, sondern vor allem eine vielschichtige soziale und wirtschaftliche Krise. Millionen Kinder, die bereits vor Ausbruch der Pandemie nur begrenzten Zugang zu Bildungseinrichtungen hatten, verloren wichtige Monate, in einigen Ländern ein ganzes Jahr an Schulbildung. Für einen Kontinent mit dem stärksten Bevölkerungswachstum und der jüngsten Bevölkerung weltweit ist dies eine enorme Belastung.

Die südafrikanische Regierung reagierte früh und umfangreich auf die Covid-19-Pandemie. Das Land befand sich von Mitte März bis Mitte August in einem umfassenden Lockdown. Südafrika hat derzeit den Vorsitz der Afrikanischen Union (AU) inne und ist damit auch in der kontinentalen Krisenreaktion involviert. Bereits Mitte Februar hatten die Gesundheitsminister der AU eine gemeinsame Strategie vereinbart. Dabei orientierten sie sich an den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und trafen Maßnahmen bevor die Fallzahlen sprunghaft anstiegen. Dazu zählten beispielsweise die Entwicklung einer Tracking-App und die länderübergreifende Beschaffung von Schutzausrüstung für die ärmsten afrikanischen Länder. Dies kann die Afrikanische Union als großen Erfolg für sich verbuchen.

Der Einbruch der Weltwirtschaft, verbunden mit den langen Lockdowns, haben bereits über drei Millionen Südafrikaner den Job gekostet, die Arbeitslosenquote liegt nun bei 45 Prozent. Die ohnehin große Ungleichheit zwischen Arm und Reich hat sich nochmals verschärft – das gilt auch für das Schulsystem.

Nach einer schrittweisen Öffnung der Schulen zwischen Juli und September sind alle Bildungseinrichtungen wieder geöffnet, allerdings unter strengen Vorsichtsmaßnahmen. Dazu gehören Maskenpflicht, Temperaturmessen und Gesundheitschecks beim Betreten des Gebäudes, regelmäßige Desinfektion von Händen und Gegenständen. Allerdings hatten viele der öffentlichen Schulen vor der Covid-19-Pandemie keinen Zugang zu fließendem Wasser. Die Regierung musste große Wassertanks zur Verfügung stellen, damit sich die Schüler überhaupt die Hände waschen können.

Für Schüler aus ärmeren Haushalten ist die Situation besonders schwer. Während die privaten Bildungseinrichtungen im harten Lockdown auf Online-Unterricht umgestellt hatten, war dies bei den öffentlichen Schulen teilweise gar nicht möglich. Viele Kinder an öffentlichen Schulen haben keinen Internetanschluss. In den armen Regionen im Nordwesten des Landes sind es nur 1,6 Prozent der Haushalte. Die Schüler dort waren überwiegend auf Radio- oder Fernsehsendungen angewiesen, um Zugang zu Lerninhalten zu bekommen.

Für Kinder aus ärmeren Haushalten kam der Umstand hinzu, dass viele während des Lockdowns keine Schulmahlzeit erhielten. Für viele Schüler sind die Schulmahlzeiten die einzigen am Tag. Zudem nahm die ohnehin weit verbreitete Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zu.

Im Rahmen der Covid-Reaktionen und als Antwort auf den Ausfall von Bildungsangeboten bot die HSS innerhalb des Projekts Civics Academy Lehrvideos, Podcasts und verschiedene Online-Quiz zum Thema Demokratie an. Das sollte Jugendliche und junge Erwachsene dazu motivieren, sich auch in Zeiten des Lockdowns mit zentralen Themen der politischen Bildung zu beschäftigen. Zudem erstellte die HSS in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium kostenlose Lehrmaterialien für Lehrer an Berufsschulen, deren Anwendung in etwa 15 Online-Treffen besprochen und erklärt wurden.

Autorin: Uta Lehmann, Projektkoordinatorin für politische Bildung, HSS Kapstadt und Hanns Bühler, Auslandsmitarbeiter HSS Südliches Afrika

In Libyen trifft die Corona-Pandemie auf eine anhaltende politische und wirtschaftliche Krise, die vor allem die Schulbildung der Kinder und Jugendlichen erschwert. Laut UNICEF hatten 1,3 Millionen Kinder nur sehr eingeschränkte Lernmöglichkeiten. Die Teilnahme an Online-Unterrichtsangeboten benötigt entsprechende technische Hilfsmittel wie Computer oder Mobiltelefone sowie eine ausreichende Stromversorgung und eine stabile Internetverbindung. Demzufolge treffen die aktuelle Lage und die daraus resultierende Bildungskrise vor allem einkommensschwache Familien sowie schätzungsweise 12.000 Flüchtlingskinder. Die Vereinten Nationen unterstützen Libyen daher bei der Eindämmung der Ausbreitung des Virus und bei der Bereitstellung von Lernmaterialien im Rahmen der UNICEF Kampagne Education Cannot Wait.

Autorin: Maryam Schmidt, Leiterin des Referats Naher Osten, Nordafrika im Institut für Internationale Zusammenarbeit in der HSS-Zentrale

In den USA findet während der Corona-Krise in den Schulen Unterricht im Freien statt wie hier in der Maret-Schule (Privatschule).

In den USA findet während der Corona-Krise in den Schulen Unterricht im Freien statt wie hier in der Maret-Schule (Privatschule).

©Copyright Forstner / HSS

Die Corona-Infektionszahlen in den USA sind seit März anhaltend hoch, so dass kaum verschiedene Wellen auszumachen sind. Es ist eine Welle, die Amerika im Griff hält. Das Krisenmanagement liegt überwiegend in der Zuständigkeit der Bundesstaaten. Diese Kompetenzen überlappen sich mit den schulpolitischen Verantwortlichkeiten, die ebenfalls primär auf regionaler und kommunaler Ebene angesiedelt sind – was zu sehr unterschiedlichen Situationen in den amerikanischen Schulen führt.

Beim Ausbruch der Corona-Krise im März empfahlen die meisten Staaten Schulschließungen oder ordneten diese bis auf Weiteres an. Mit Beginn des neuen Schuljahres im Spätsommer 2020 wurden vereinzelt, wie in New York City, Versuche zum Präsenzunterricht in Angriff genommen. Anhaltend hohe Infektionszahlen sorgten im Herbst für flächendeckende Schulschließungen. Viele Schulen waren ohnehin geschlossen geblieben und hatten keine entsprechenden Pläne verfolgt. Präsenzunterricht gibt es nur in vier Bundesstaaten: Arkansas, Iowa, Texas und Florida. In einigen Bundesstaaten, etwa in der Hauptstadt Washington, D.C., sind seit März verpflichtende Schulschließungen verfügt.

Den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden folgend, sind die Schüler angehalten, Masken zu tragen. Bilder aus Texas zeigten, dass die Durchsetzung dieser Regelung bisweilen sehr lax gehandhabt wird.

Die technische Ausstattung der Schüler im Online-Unterricht hängt von den finanziellen Ressourcen im Schulbezirk ab. In finanzkräftigen Gegenden besitzen alle Schüler ein Chromebook und sonstige Geräte, sei es ohnehin im Haushalt oder von der Schule zur Verfügung gestellt. In Kalifornien spendete Google 4 000 Chromebooks. In ländlichen und ärmeren Regionen hingegen ist die Lage prekär. Es mangelt sowohl an technischer Ausstattung als auch an adäquater Internetverbindung. Bilder von Kindern, die in Gruppen vor Starbuck’s Cafes saßen, um freie WLAN-Netze zu nutzen, machten die Runde.

Die Corona-Krise verschärfte die ohnehin gewaltige bildungspolitische Kluft in Amerika. Reiche Regionen stellten erfolgreich auf Online-Lernen um, arme Bezirke fielen weiter zurück. Ein treibender Faktor der bildungspolitischen Disparitäten sind auch die unterschiedlichen Prioritäten auf öffentlichen und privaten Schulen. Nach den Schulschließungen konzentrierten sich öffentliche Schulen häufig nicht auf die Online-Vermittlung von Lerninhalten, sondern auf die Essensversorgung bedürftiger Kinder. Viele Kinder sind auf Schulessen angewiesen. Teure Privatschulen sind dagegen finanziell gut ausgestattet, sie nutzen erfolgreich moderne Online-Methoden und verfügen über größere Schulgebäude mit weniger Schülern, so dass sie hybride Unterrichtsformen oder improvisierten Outdoor-Unterricht in Zelten anbieten können.

Für die meisten Kinder in Amerika ist die Corona-Krise eine bildungspolitisch verlorene Zeit, die sie gegenüber privilegierten Kreisen weiter zurückwerfen wird. Die flächendeckenden Schulschließungen sind Belastungen für alle Eltern, doch vor allem für diejenigen, die ohnehin schon Betreuungsprobleme haben, nicht auf Home-Office umstellen können, beengt wohnen und soziale Unterstützung brauchen.

Autor: Christian Forstner, Leiter des US-Hauptstadtbüros der HSS

Dieser ecuadorianische  Junge wird in einem Sozialprojekt von (Ex-)Stipendiaten der HSS zusätzlich zum Online-Unterricht betreut und gefördert.

Dieser ecuadorianische Junge wird in einem Sozialprojekt von (Ex-)Stipendiaten der HSS zusätzlich zum Online-Unterricht betreut und gefördert.

© Lisbeth Muenala

Die ohnehin schwierige Situation vieler Familien in Ecuador wird durch die Covid-19-Pandemie zusätzlich verschärft, zumal Entlastungen, z.B. durch die bisherige Stundung fälliger Zahlungen für Wasser, Strom und Ausbildung aktuell wieder wegfallen sind. Die zusätzliche Kürzung des Bildungsbudgets führte zu Protestmärschen junger Menschen, die durch die Situation zum Abbruch ihrer Ausbildung gezwungen wurden. Mindestens die Hälfte der Studierenden hat ihr Studium abgebrochen.

Durch Wiedereröffnung der Geschäfte und anderer öffentlicher Räume versucht die Regierung, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Volksfeste und Märkte sind verboten. Es gilt eine sehr strenge Maskenpflicht. Und dennoch: Die Zahl der Neuinfektionen steigt weiter an.

Die Schulen sind aus diesem Grund geschlossen, der Präsenzunterricht ist nach wie vorausgesetzt. Homeschooling wird zwar von einigen Schulen angeboten, kann aber nicht von allen Schülern adäquat genutzt werden, weil nur etwa 45 Prozent der Ecuadorianer über einen Internetanschluss verfügen. In den ländlichen Gebieten sind es sogar nur rund 30 Prozent. Hinzu kommt, dass viele Schulen nicht die Möglichkeit haben, online zu unterrichten, weil es an digitalen Plattformen mangelt sowie an Kompetenz im Umgang mit Computern. Manche Schulen beschränken sich daher auf das Versenden von Hausaufgaben, die während der Woche ohne vorherige Erklärung durch den Lehrer erledigt werden müssen.

Ecuador war nicht darauf vorbereitet, qualitativ hochwertige Bildung online anzubieten. Das Bildungsministerium startet deswegen jetzt einen Pilotplan zur Reaktivierung des Präsenzunterrichts. Es fanden Besprechungen mit den Eltern statt und es wurde eine Umfrage verschickt, um deren Position zu diesem Vorschlag zu eruieren. Dennoch verfügen vor allem die öffentlichen Bildungsanstalten weder über die materiellen noch über die personellen Ressourcen, um in den Präsenzunterricht zurückkehren zu können. Die Kürzung des Bildungsbudgets hatte Entlassungen von Lehrern und die Schließung von Lehrstühlen zur Folge. Eltern müssten nun die vollen Kosten für Reinigung, Desinfektion und den Schülertransport übernehmen. Das Problem dabei ist nicht der mangelnde Wille zur Mitarbeit, sondern die angeschlagene finanzielle Lage der Familien, die sich immer noch nicht stabilisiert hat.

Autoren: Elián Lara und Josselyn Ayuy, HSS-Stipendiaten in Ecuador

Südkorea

Die Republik Korea (Südkorea) war ab Januar 2020 einer der ersten Staaten außerhalb Chinas, der mit der Covid-19-Pandemie zu kämpfen hatte. Doch die Behörden, die bereits seit der MERS-Infektion 2015 Notfallpläne für eine Pandemie ausgearbeitet hatten, reagierten schnell. Durch eine Mischung aus Zurückhaltung der Bürger in der Öffentlichkeit, vor allem durch das Tragen von Masken, Nachverfolgung von Handy-Kontakten, Fiebermessen und der Absage größerer Veranstaltungen gelang es, die Pandemie recht gut unter Kontrolle zu bringen. Erst ab November 2020 setzte wieder eine etwas größere Infektionsbewegung ein, die bis jetzt andauert, aber nicht mit den Masseninfektionen in Europa oder den USA zu vergleichen ist. Die Bürger akzeptieren weitgehend, dass sie überall zum Fiebermessen, und auch beispielsweise in Restaurants ihre Adressen hinterlegen müssen, identifiziert durch einen QR-Code auf dem Handy. Besorgnis wegen des Datenschutzes gibt es kaum, da man sich einig ist, dass die Bekämpfung der Covid-19-Pandemie wichtiger ist. Auch das Maskentragen ist praktisch überall akzeptiert und musste bis weit in den Herbst nicht reguliert werden, da ohnehin auch bereits vor Covid-19, Masken tragen bei Infekten Normalität im Alltag gewesen ist.

Nachdem der traditionelle Schulanfang im März ausgefallen war, blieben die Kinder bis Juni zu Hause und hatten ausschließlich Online-Unterricht. Dabei ist die Technikbegeisterung der Koreaner hilfreich – alle Schulkinder sind schon mit Handys und Computern vertraut und selbst in den ärmeren Haushalten gibt es kaum jemanden ohne Internet-Zugang. Ab dem Spätsommer, als die Infektionszahlen immer deutlich unter 100 pro Tag (bei einer Bevölkerung von über 50 Millionen Einwohnern) lagen, gab es dann verschiedene Regeln, um den Schulbetrieb wieder möglich zu machen: Die 2/3-Regel etwa besagt, dass ab einer bestimmten Gefährdungsstufe (Stufe 2, wenn die Infektionszahlen bei 500 pro Tag für das ganze Land liegen) nur zwei Drittel der Schüler zum Unterricht gehen dürfen. In der Praxis sieht es so aus, dass die Kinder vier Tage lang zur Schule gehen und dann zwei Tage lang Online-Unterricht haben. Damit wird in den Gemeinschaftsräumen, vor allem beim Essen, deutlich weniger Plätze belegt und einer Infektion tendenziell vorgebeugt.

Häufiges Fiebermessen und die Nachverfolgung von Kontakten sind in der Schule selbstverständlich. In den Schulcafeterien (alle Schulen sind Ganztagsschulen) und oft auch in den Klassenräumen trennen Plastikwände die Schüler voneinander. Insbesondere wurden auch die Hagwons kontrolliert, private Nachhilfeinstitute, die fast jedes Kind besucht, um die schwierigen Eingangstests für die Universität zu bestehen. Hier sitzen die Kinder auf engem Raum zusammen und einige dieser Hagwons führten zu Infektionsclustern. Sie zu schließen, war gegen den massiven Widerstand der Eltern nicht möglich, die um die Karrierechancen ihrer Kinder fürchteten.

Wenn meine eigenen Kinder zur Schule gehen (in die 8. bzw. 9. Klasse der Seoul Foreign School), dann müssen wir zunächst morgens Fieber messen. Im Schulbus wird dann nochmals Fieber gemessen, wie auch mindestens einmal während des Unterrichts. In der Cafeteria gilt eine strikte „No mask – no talk”-Politik, das heißt, dass die Kinder schweigend essen müssen. Auch gibt es strenge Einlasskontrollen der Schulen, durch Schüler-, Lehrer- oder Berechtigungsausweise. Kranke Kinder müssen mindestens vier Tage zu Hause bleiben. Wenn ein Corona-Fall in der Familie oder bei einem sozialen Kontakt bekannt wird, soll das Kind sogar in eine vierzehntägige Quarantäne und muss anschließend einen negativen Corona-Test nachweisen.

Am Schwerwiegendsten sind sicherlich die schulischen und sozialen Auswirkungen des Online-Unterrichts. Zwar sind die Koreaner an den häufigen Gebrauch von sozialen Medien gewohnt – aber auch hier ist der Online-Unterricht sehr umstritten. Die Schüler langweilen sich und sitzen stundenlang vor dem PC. Oft sind sie abgelenkt, vor allem dann, wenn statt interaktiver Unterrichtseinheiten nur vorher aufgenommene Videos des Lehrers abgespielt werden. Dann ist die Versuchung groß, nebenbei mit Freunden zu chatten. Den Schülern fehlen die sozialen Kontakte, die traditionell sehr eng sind, weil die Kinder einen Großteil ihres Lebens in Schulen und Hagwons verbringen. Vor allem bei dem ohnehin stark von Frontalunterricht bestimmten Methoden ist die Ablenkung ein Problem. Nach einer Studie des Seoul Education and Research and Information Institute sprachen sich von über 3 850 befragten Eltern 72 Prozent für mehr interaktiven Online-Unterricht aus. Aber nur 27 Prozent von 573 befragten Lehrern waren dafür. Für sie sind die Videoaufzeichnungen einfacher als Online-Unterricht. Dennoch muss man sagen, dass im Vergleich zu Deutschland der Online-Unterricht insgesamt sehr ernst genommen wird. Wie überall sind dabei natürlich die Kinder bildungsbeflissener Eltern im Vorteil gegenüber den bildungsfernen Schichten.

Nordkorea

Und wie sieht es in Nordkorea aus? Nordkorea hat sofort nach Auftreten der Pandemie in China, noch im Januar 2020, einen kompletten Einreisestopp verhängt und für längere Perioden sogar, trotz seiner schwierigen Wirtschaftslage, auf Wareneinfuhren komplett verzichtet. Offiziell verzeichnet Nordkorea keinen einzigen Corona-Fall. Allerdings werden zwar viele Leute als Verdachtsfälle in Quarantäne gesteckt, aber es wird nur minimal getestet (bisher, bei etwa 25 Millionen, nur etwa 12 000 Tests).

Die Schulen waren in diesem Jahr weitgehend geschlossen. Kinder bekommen Hausaufgaben von den Lehrern, aber sie müssen wohl, vor allem auf dem Lande, zu Hause auch in der Landwirtschaft mitarbeiten, die kaum mit Maschinen läuft und die jede Arbeitskraft benötigt.

Inzwischen gibt es eine eigene Produktion von Masken und ständige Warnungen vor dem „Import“ von Corona. Hinzu kommen teilweise stark übertriebene Angaben über die Corona-Situation in anderen Ländern, vor allem im Hinblick auf Südkorea. Gleichzeitig gibt es zumindest in Pjöngjang erste Ansätze von Online-Klassen. Am 20. November berichtete die Zeitung der Arbeiterpartei (Rodong Shinmun), dass das Pädagogische Institut für Grundschulen und weiterführende Schulen Programme entwickelt habe, die auf dem Fernseher oder Computer zu Hause laufen könnten. Einen Fernseh-Kanal, der solche Videos abspielt, gibt es schon seit längerem. Viele Haushalte in Pjöngjang, wo die Elite des Landes wohnt, haben tatsächlich auch schon Computer und können zumindest den vorab aufgenommenen Unterricht abspielen oder sogar über das Intranet online an Vorlesungen teilnehmen. Wie weit verbreitet das ist, ist allerdings unbekannt. Man muss damit rechnen, dass es sich um Modellversuche handelt. Auch sonst ist unklar, wie ernst Nordkorea den Schutz der Schulkinder nimmt. So berichtete die Zeitung der Arbeiterpartei am 29. November, dass in den letzten Jahren Millionen Kinder an Veranstaltungen im Kinderpalast teilgenommen hätten – über eine Pause in diesem Jahr wird nichts berichtet.

Dr. Bernhard Seliger, Auslandsmitarbeiter der HSS in Korea

Ein 5-jähriges indisches Mädchen lernt online.

Ein 5-jähriges indisches Mädchen lernt online.

Rahul, HSS/Indien

Die Schulen in Indien sind seit März 2020 geschlossen und der Unterricht wird online über verschiedene Plattformen wie Zoom, Google Meet, Microsoft Teams, etc. durchgeführt. Dafür haben die Schulen Lehrern und Schülern den Zugang zu zentralen Konten oder Plattformen ermöglicht, um eine einheitliche Durchführung des Unterrichts zu gewährleisten. Der Unterricht wird nach neu erstellten Stundenplänen für jede Altersstufe abgehalten. Zum Beispiel haben Vorschul- und Kindergartenschüler täglich 60-70 Minuten Unterricht, um lange Bildschirmzeiten zu vermeiden. Die Unterrichtsdauer für die Junior- und Senior-Klassen bewegt sich zwischen sechs und sieben Stunden mit häufigen Pausen. Zudem erhalten die Schüler ihre Hausaufgaben und Arbeitsanweisungen per Mail oder über WhatsApp. Sie müssen Fotos oder PDF ihrer erledigten Hausaufgaben schicken, die auch zur Benotung der monatlichen Beurteilung verwendet werden. Sogar Prüfungen und Tests werden online durchgeführt.

Viele Schulen haben zudem schulinterne sowie schulübergreifende Online-Wettbewerbe organisiert, bei denen die Teilnehmer Bilder oder aufgenommene Videos einsenden und im Anschluss digitale Zertifikate erhalten.

In Indien gibt es wenig oder keine Erfahrung mit Heimunterricht. Die Mehrheit der Schüler ist in Schulen eingeschrieben und nimmt an deren angebotenem Online-Unterricht teil. Sogar der Nachhilfeunterricht wird fast ausschließlich online abgehalten.

Die Schließung von Schulen ist eine psychische Belastung für Kinder, Eltern und Lehrer. Da Kinder unter zehn Jahren besonders frustriert sind, weil sie nicht zur Schule gehen oder in Parks spielen können, liegt es jetzt an den Eltern, ihre Kinder bestmöglich zu beschäftigen. Da die Schüler aufgrund des Lockdowns nicht nach draußen gehen und dort spielen können, sind im Stundenplan Zeitfenster für den Sportunterricht vorgesehen. Die Schüler sind verpflichtet, im Rahmen dieser Schulstunden an Übungen oder Yoga teilzunehmen.

Obwohl die Schließung von Schulen und die Durchführung von Unterricht auf Online-Plattformen definitiv notwendig ist, um die Übertragung des Virus innerhalb der Gesellschaft zu verhindern, belastet sie die Menschen mit zusätzlichen Ausgaben für Smartphones und Laptops. Bislang haben die Schüler in erster Linie gemeinsam in einem Klassenzimmer gelernt und Bücher genutzt. Jetzt mussten sie sich auf das Online-Lernen umstellen. Das verursachte nicht nur finanziellen, sondern auch mentalen Stress.

Online- oder E-Learning hängt von der Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Technologie, Strom, Internet und Hardware wie Smartphones, Laptops und PCs ab. Das Fehlen auch nur eines dieser Elemente kann das Lernen beeinträchtigen. Während manche Schüler bestimmter Bevölkerungsgruppen leicht auf E-Learning umsteigen können, verpassen andere aus unterprivilegierten Bevölkerungsgruppen den Zugang zur Bildung. Die Gründe dafür sind der fehlende Zugang zur Technologie oder die mangelnde Anleitung bei deren Bedienung. Zudem gibt es Berichte, dass viele Schüler freiwillig die Schule abbrechen, um ihre Eltern nicht mit den Kosten für ihre Ausbildung zu belasten. Einige Spender und Organisationen helfen zwar, indem sie Laptops oder Smartphones für unterprivilegierte Kinder zur Verfügung stellen, doch dies allein ist nicht genug, da etwa nur ein Viertel der indischen Bevölkerung Zugang zu Smartphones hat und ein noch geringerer Prozentsatz einen Computer besitzt.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Gründe, die viele Kinder daran hindern, ihre Ausbildung fortzusetzen: Aufgrund des Verlustes ihrer Stelle während der Pandemie können sich viele Eltern kein Telefon oder keinen Laptop für ein Kind leisten, geschweige denn für zwei oder mehr Kinder. Da durch den Jobverlust der Eltern oder deren reduzierte Arbeitszeit auch das Haushaltseinkommen gesunken ist, sind etliche Kinder gezwungen, mitzuarbeiten, um die Haushaltskasse zu füllen. Zudem wurden Wanderarbeiter und Menschen, die im informellen Sektoren etwa als Müllsammler oder Lastenträger arbeiten, vertrieben. Sie sind entweder mit ihren Kindern in ihre Heimatstädte oder -dörfer zurückgekehrt oder können kein Geld nach Hause schicken.

Neben den Schülern haben auch die Lehrer mit der Umstellung auf E-Learning zu kämpfen. Viele mussten Laptops oder PCs kaufen, um den Unterricht durchführen zu können. Außerdem sind die meisten Lehrer an konventionelle Lehrmethoden gewöhnt und mussten lernen, wie man die Technologien nutzt.

Neben der Unzugänglichkeit zur Technologie beeinflusst auch das häusliche Umfeld den Zugang zur Bildung. Viele Schüler haben zu Hause oder in ihrer Nachbarschaft nicht die geeignete Umgebung, um Online-Kurse zu besuchen. Und nicht nur Schüler, sondern auch viele Lehrer haben aufgrund ihrer häuslichen Umgebung Schwierigkeiten, den Unterricht abzuhalten.

Im September gab die Zentralregierung Richtlinien heraus und erlaubte grundsätzlich die teilweise Öffnung der Schulen, wobei die endgültige Entscheidung darüber bei den Landesregierungen lag. Nur wenige Bundesstaaten erlaubten, die Schulen für die Klassen 9 bis 12 wieder zu öffnen, damit die Schüler vor den Prüfungen von ihren Lehrern betreut werden konnten. In den Schulen mussten Schüler und Lehrer Regeln, wie Abstandhalten, die Verwendung von Masken, häufiges Händewaschen sowie die Meldung von Krankheitssymptomen an die Schule einhalten.

Quellen: 

https://zeenews.india.com/india/states-uts-can-reopen-schools-colleges-education-institutions-after-october-15-guidelines-here-2313672.html

https://www.news18.com/news/india/schools-educational-institutions-in-assam-to-reopen-on-november-2-amid-strict-covid-19-protocol-2975954.html

Text wurde verfasst von Dakshita Chhabra, HSS Indien

Fazit: Der Coronakrise wird eine weltweite Arbeitsmarktkrise folgen

Die Berichte über die Schulsituation in anderen Ländern in Zeiten der Covid-19-Pandemie zeigen ganz deutlich: Für Schüler aus wohlsituierten Haushalten ist die Umstellung auf Homeschooling oftmals kein großes Problem, wenngleich die sozialen Kontakte fehlen. Am schlimmsten trifft es (wiederum) diejenigen, die auch vor der Pandemie eine ungleich schlechtere Stellung hatten, sei es, weil sich die Eltern keine teuren Schulen und keine adäquate technische Ausstattung leisten können oder weil sie in Gegenden dieser Welt wohnen, in denen der Zugang zu Bildung generell schwierig ist. Die weltweite Coronakrise führt zu einer weltweiten Bildungskrise. Die Pandemie zeigt einmal mehr, wie ungleich die Ressourcen dieser Welt verteilt sind. Zugang zu Bildung ist eine der wichtigsten menschlichen Ressourcen unserer Zeit. Die Hanns-Seidel-Stiftung versucht in vielen Projekten weltweit, dieser ungleichen Verteilung entgegenzuwirken, wie insbesondere das Beispiel aus Südafrika zeigt.

Auch aus demokratietheoretischer Sicht sind die Entwicklungen im Schulalltag kritisch zu betrachten. Demokratische Bildung gerät in den Hintergrund. Dabei wäre es in vielen Ländern dieser Welt notwendig, zu zeigen, dass eine Pandemie nicht nur mit dem weitreichenden Durchgreifen der Exekutive zu bewältigen ist. Demokratisch gefasste Beschlüsse neigen dazu, eine viel größere Bandbreite der Bedürfnisse der Bevölkerung abzubilden.

Die Entwicklungen weltweit lassen ein weiteres Auseinanderklaffen zwischen finanziell starken und gut ausgebildeten Eliten und benachteiligten Familien erwarten. Aus der Corona-Krise und der damit einhergehenden Bildungskrise wird eine weltweite Krise der Arbeitsmärkte werden.   

Autor: Thomas Klotz, HSS

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