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#HSSnachhaltig vor Ort
Nachhaltige Forstwirtschaft in Namibia

Wenn Sie an Namibia denken, kommen den wenigsten die Trockenwälder in der Kavango-Sambesi-Region im Nordosten des Landes in den Sinn. Weil der Waldanteil so gering ist, kommt diesem Ökosystem im Wüstenland Namibia eine besondere Bedeutung zu. Um Herausforderungen wie der illegalen Abholzung zu begegnen, implementiert die HSS zusammen mit ihrem lokalen Partner Desert Research Foundation of Namibia (DRFN) seit Oktober 2020 ein von der EU finanziertes Projekt. Es sensibilisiert für nachhaltige Waldbewirtschaftung.

Worum es in dem Projekt geht

HSS Namibia

Seit Oktober 2020 führt die HSS Namibia das Projekt ‘Promoting Sustainable Forest Management in the Kavango-Zambezi Region in Namibia’ durch. Insbesondere im Norden sowie Nord-Osten des Landes ist der Waldbestand deutlich zurückgegangen. Der Klimawandel, vor allem aber der Raubbau durch chinesische Unternehmer, haben den Waldanteil von 8,8 Millionen auf 6,6 Millionen Hektar reduziert. Damit geht nicht nur eine wichtige Ressource für die lokale Bevölkerung verloren, sondern auch ein wichtiger Wasser- und CO2-Speicher. Auch die Tier- und Pflanzenwelt verliert zunehmend ihren Lebensraum. Mithilfe eines aktiven Multi-Stakeholder-Dialogs soll das Bewusstsein der Menschen für die Vorteile einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung gestärkt werden. Es wird aus Mitteln der EU sowie des BMZ ermöglicht.

Die Geschichte hinter dem Projekt

HSS Namibia

Im April 2021 haben die Projektmitarbeiter der HSS Namibia eine Reise in die drei Zielregionen Kavango West, Kavango Ost und Sambesi unternommen, um das Projekt vorzustellen und um das Interesse an geplanten Aktivitäten mit den Zielgruppen zu prüfen. Neben Treffen mit regionalen Regierungsvertretern und regionalen Mitarbeitern der Forstbehörde stand vor allem das Gespräch mit den lokalen Vertretern der sog. Community Forests (Gemeindewälder) im Vordergrund. Um dorthin zu gelangen, mussten zum Teil lange Strecken durch unwegsames Gelände und über wenig befahrene kleine Waldwege zurücklegt werden. Die holprigen Autofahrten zahlten sich aber aus, konnte man doch einen guten Einblick in die täglichen Herausforderungen der Menschen vor Ort gewinnen. In den meisten Fällen fehlt es an Wissen über das Potential einer nachhaltigen Nutzung der Wälder. Der Großteil der dörflichen Gemeinschaften hadert mit dem Konzept der Community Forests, denn die wenigsten dürfen wirtschaftlich genutzt werden. Dies setzt nämlich eine aktuelle Waldinventur und einen dazugehörigen Forstmanagementplan voraus. Weil aber das Einkommen fehlt, um diese Planungsinstrumente zu erstellen, bleiben die Wälder im forstwirtschaftlichen Sinne ungenutzt und tragen damit nicht zur Entwicklung der Region bei. Dabei wäre der Bedarf an grundlegender Versorgung, wie Strom und sauberes Trinkwasser, und gut ausgestatteten Bildungseinrichtungen riesig.

So sieht die Arbeit vor Ort aus

HSS Namibia

Das Projekt führen wir vor Ort zusammen mit unserem lokalen Partner „Desert Research Foundation of Namibia (DRFN)“ durch. Gemeinsam organisieren und koordinieren wir verschiedene Dialog- und Bildungsveranstaltungen mit Vertretern der Zivilgesellschaft und der forstwirtschaftlichen Verwaltung, Politikern der nationalen, regionalen und lokalen Ebene, Entscheidungsträgern und lokalen Mitgliedern der Community Forests, sowohl in der Hauptstadt Windhuk als auch in den drei Zielregionen im Nordosten des Landes. Hierzu gehören u.a. öffentliche Diskussionsreihen, Konferenzen, Studienreisen, Workshops und Seminare, zu denen verschiedene lokale sowie regionale Experten eingeladen werden. Darüber hinaus wird eine Informationskampagne (TH!NK Namibia; zu finden auf Facebook, Instagram & Twitter sowie unter www.thinknamibia.org.na) durchgeführt, die zu Themen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung sowie über Projektaktivitäten informiert. Im Rahmen der TH!NK Namibia-Kampagne werden des Weiteren Lehr- und Bildungsmaterialien sowie Publikationen durch externe Berater erstellt. Ein besonderes Augenmerk bei der Durchführung aller Aktivitäten liegt auf einer guten Beziehung zu den Menschen vor Ort; der örtliche Projektassistent stammt selbst aus der Sambesi-Region und steht in einem engen Kontakt mit allen regionalen Zielgruppen, damit sich die Projektaktivitäten individuell auf die Zielgruppen anpassen lassen.

Worin der Nutzen liegt

Der größte Nutzen vor Ort liegt darin, dass durch nachhaltige Forstwirtschaft der Wald auch noch für die zukünftigen Generationen erlebbar sein wird und diese nicht um ihre Lebensgrundlage beraubt werden. Gerade die Kavango- und Sambesi-Regionen gehören zu den strukturschwächsten Regionen Namibias. Der Wald dient der lokalen Bevölkerung als Quelle für Nahrungsmittel und traditionelle Medizin, er liefert ihnen Baumaterialien und bietet ihren Tieren Weideflächen. Darüber hinaus können durch eine Erweiterung der Wertschöpfungskette Holz Arbeitsplätze geschaffen und somit Armut verringert sowie die Wirtschaft des gesamten Landes gestärkt werden. Auch die Sicherstellung der Ökosystemdienstleistungen ist von besonderer Bedeutung. Gerade für ein Halbwüstenland wie Namibia spielt der Zusammenhang zwischen Wald und Niederschlagsmenge eine elementare Rolle. Dort, wo es Bäume gibt, fällt durchschnittlich mehr Regen. Das wiederum ist wichtig für die Nahrungsmittelsicherheit der Kleinbauern, die Landwirtschaft nur für den Eigenbedarf betreiben und vom Regen abhängig sind. Global betrachtet ist der wichtigste Aspekt die Fähigkeit des Waldes Kohlenstoff zu speichern; Bäume nehmen somit eine zentrale Rolle in der Abschwächung des Klimawandels ein.

Autor: Clemens von Doderer

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Projektleitung Dr. Clemens von Doderer
Namibia
Projektleitung:  Dr. Clemens von Doderer