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60 Jahre Élysée-Vertrag
Der Jahrhundertvertrag der Aussöhnung

Autor: Wilken Hustert

Der Élysée-Vertrag feiert sein 60-jähriges Jubiläum. Das Datum des 22. Januars erinnert an die Unterzeichnung des Vertrages, der eine neue Ära der deutsch-französischen Beziehungen einleitete. Nach Jahrzehnten der Rivalität und destruktiver Kriege zwischen Frankreich und Deutschland war durch ihn ein starkes Zeichen der Versöhnung gesetzt und der Grundstein für die europäische Integration gelegt. Ein historischer Augenblick von immenser Bedeutung für beide Länder wie für Europa.

60 Jahre Élysée-Vertrag – Herausforderungen für eine europäische Erfolgsgeschichte

Am Sonntag, den 22. Januar 2023, jährte sich die Unterzeichnung des historischen Freundschaftsvertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich zum 60. Mal.

Die Hanns-Seidel-Stiftung organisiert zu diesem Anlass am 31. Januar eine Veranstaltung, welche die Erfolgsgeschichte des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages nachzeichnet und seine Auswirkungen auf die Staaten und ihre Gesellschaften bis in die Gegenwart diskutiert.

Hier geht es zur Anmeldung: https://www.hss.de/veranstaltungen/60-jahre-elysee-vertrag-herausforderungen-fuer-eine-europaeische-erfolgsgeschichte-3230306132/ 

Ein Vertrag mit historischer Wirkung

Der Élysée-Vertrag, der am 22. Januar 1963 von der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich unterzeichnet wurde, ist ein bedeutender Meilenstein der Geschichte beider Länder. 18 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges symbolisierte der „Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik über die deutsch-französische Zusammenarbeit“ eine Wiederannährung ehemaliger Feinde und erbitterter Kriegsgegner. Eine Versöhnung, die schließlich zu einer festen Freundschaft und zum Antriebsmotor der Europäischen Einigung werden sollte. Nach jahrhundertelangen Konflikten zwischen den Ländern und ihren Völkern sollten künftige Auseinandersetzungen, durch eine intensivere Zusammenarbeit abgeschwächt und beigelegt werden. 

Der Élysée-Vertrag entstand als Ergebnis einer Annäherung, die nach 1950 schrittweise begonnen hatte: Zunächst mit der Gründung der Montanunion 1951 und die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, die als Vorläufer der späteren Zusammenarbeit gelten dürfen. Aber nicht nur wirtschaftliche Interessen standen hinter der deutsch-französischen Aussöhnung. Auch der Wille einen dauerhaften und nachhaltigen Frieden in Europa zu gewährleisten war ein wichtiger Grund, beide Nationen zusammenzuführen. Die Unterzeichner unterstrichen in einer gemeinsamen Erklärung, dass „die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern ein unverzichtbarer Schritt auf dem Weg zu einem vereinten Europa ist, das das Ziel beider Völker sei“.

Zwei treibende Kräfte: Konrad Adenauer und Charles de Gaulle

Hier fand auch das persönliche Engagement von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und dem französischen Präsidenten Charles de Gaulle eine große Bedeutung: Beide Männer waren stark von den Kriegsjahren geprägt worden und setzten sich während ihrer Amtszeit maßgeblich für eine intensivere Annäherung Frankreichs und Deutschland ein. Der Vertrag war also auch das historische Werk zweier Staatsmänner. Sie wollten mit diesem rapprochement eine dauerhafte institutionelle und systematische Bindung beider Nationen aneinander erreichen, die auch innenpolitische Veränderungen überdauern sollte. Es ging darum, beide Völker zusammenzubringen und die Basis für künftige verehrende zwischenstaatliche Konflikte dauerhaft auszuschalten.

Der Élysée-Vertrag war aus das Werk zweier Staatsmännder: dem französischen Präsidenten Charles de Gaulle und dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenaur.

Der Élysée-Vertrag war aus das Werk zweier Staatsmännder: dem französischen Präsidenten Charles de Gaulle und dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenaur.

Bundesregierung; Bundesregierung

Deutsch-Französische Komplementarität

Mit der Unterzeichnung war der Grundstein für eine engere bilaterale und komplementäre Zusammenarbeit gelegt. Ab 1963 trafen sich die Staats- und Regierungschefs sowie die Minister beider Länder regelmäßig und häufiger um sich über bestimmte gemeinsame Vorgehensweisen abzustimmen. Der Vertag schuf einen ständigen und konstruktiven Dialog auf allen politischen und auf vielen kulturellen Ebenen. Es entstanden früh bi-nationale Gremien im Bereich der Wirtschaft, der Umwelt, der Kultur und der Sicherheit. Diese systematische Zusammenarbeit ermöglichte eine Bewältigung von Problemen aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Die gemeinsam getroffenen Entscheidungen verstärkten so einerseits die deutsch-französische Beziehung in den kommenden Jahrzehnten, anderseits waren sie der Antrieb für den europäischen Integrationsprozess, der sich nach der Unterzeichnung des Vertrages beschleunigte. Man spricht deshalb auch von dem Motor der Europäischen Einigung, den Deutschland und Frankreich zusammen bildeten. Alle größeren Projekte der Europäischen Gemeinschaft und später der Europäischen Union, ergingen aus der Grundlage eines deutsch-französischen Vorschlags oder eines Kompromisses zwischen den Regierungen beider Länder (wenn auch nicht ohne Widerstände und vorhergehenden Diskussionen). So zum Beispiel die Gründung des Euros, die Osterweiterung der EU, der Vertrag von Lissabon und die Klima-Resolution der Europäischen Union.

Einbindung der Jugend

Aus dem Élysée-Vertrag ging zugleich auch das Deutsch-Französische Jugendwerk hervor, das den Austausch zwischen jungen Deutschen und Franzosen intensivieren sollte. Diese sollten sich treffen und kennenlernen können. Die Unterzeichner des Vertrags wollten damit garantieren, dass die Jugend beider Nationen „eine entscheidende Rolle bei der Festigung der deutsch-französischen Freundschaft“ spielen würde – mit Erfolg: Seit 1963 nahmen neun Millionen junge Menschen aus Deutschland und Frankreich an etwa 360.000 Austauschprogrammen des Jugendwerks teil.

Die Versöhnung Deutschlands und Frankreichs führte auch zu einer Verstärkung des europäischen Einigungsprozesses.

Die Versöhnung Deutschlands und Frankreichs führte auch zu einer Verstärkung des europäischen Einigungsprozesses.

HSS; Canva

Eine Hoffnung für Europa

Zwar waren die deutsch-französischen Beziehungen seit 1963 nicht ohne Spannungen oder Meinungsverschiedenheiten, dennoch hat die vom Élysée-Vertrag eingeleitete Neuordnung des Verhältnisses zwischen Frankreich und Deutschland die Voraussetzung für die politische Einigung Europas hervorgebracht. Die Kooperation beider Staaten ist auch heute, angesichts der Zeitenwende, weiterhin gefragt und von fortwährender Bedeutung für die Stabilität und Sicherheit des europäischen Kontinents.

Der Vorsitzende der HSS, Markus Ferber, MdEP, zum 60-jährigem Jubiläum des Élysée-Vertrages

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Der Élsée-Vertraf war ein historischer Augenblick von immenser Bedeutung für beide Länder und auch für Europa, erklärt unser Vorsitzender Markus Ferber, MdEP.

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