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Stichwahl in Chile
Klarer Sieg für Piñera

Ersteller: Prof. Dr. Klaus G. Binder

Die Stichwahl hat für Chile die Entscheidung gebracht. Sebastián Piñera, Kandidat des konservativ-liberalen Bündnisses Chile Vamos ist der neue Präsident von Chile. In seinem Wahlprogramm kündigte er umfangreiche Reformen an.

Der konservative Sebastián Piñera wird als neuer Präsident in den Regierungspalast La Moneda einziehen.

Der konservative Sebastián Piñera wird als neuer Präsident in den Regierungspalast La Moneda einziehen.

HSS

Der konservative Sebastián Piñera hat klar vor dem Sozialdemokraten Alejandro Guillier gewonnen und wird erneut Chile für vier Jahre führen. Piñera, der das südliche Land bereits von 2010 bis 2014 regierte, erreichte 54,5% der Stimmen, sein Kontrahent Guillier 45,4%.
Sowohl die noch amtierende Staatspräsidentin Michelle Bachelet als auch Guillier gratulierten Piñera zu dessen tadellosem und solidem Triumph.

Piñera gab sich unmittelbar nach der Wahl am 17. Dezember 2017 sehr moderat.  Immer wieder rief er der Menge zu:

"Lebt den Unterschied, lebt den Pluralismus der Ideen, werdet niemals zu Feinden, wir können Gegner sein, aber keine Feinde"

 

Guillier gelang es nicht, die heterogenen Mitte-links-Parteien hinter sich zu einen. So empfahl die Präsidentschaftskandidatin der Frente Amplio aus der ersten Runde, Beatriz Sánchez, ihren Anhängern nicht, bei der Stichwahl zugunsten von Guillier zu votieren. Sie betonte:

"Es sind die Wähler, die über ihre Stimmen verfügen, nicht ich"


Ungefähr eine halbe Million Wähler, die vorher für den unabhängigen und ultrarechten José Antonio Kast waren, entschieden sich nun auf dessen Empfehlung zugunsten von Piñera. Insgesamt entfielen auf Piñera ca. 1,3 Millionen Stimmen mehr als in der ersten Wahlrunde.

Moderate Änderungen zu erwarten

Mit Guillier an der Spitze des Staates wären die progressiven Reformen Bachelets weiter vorangetrieben worden, mit Piñera werden diese wohl gestoppt werden. Es ist aber kaum vorstellbar, dass Piñera das Rad der Geschichte zurückdrehen wird, nicht einmal hinsichtlich eines so umstrittenen Gesetzes wie der teilweisen Entkriminalisierung der Abtreibung.
Er wird in erster Linie Maßnahmen zugunsten der chilenischen Wirtschaft ergreifen, um diese anzukurbeln. Chile hat im lateinamerikanischen Kontext beneidenswerte makroökonomische Kennzahlen vorzuweisen, die sich jedoch noch verbessern lassen.

Piñera, der im Parlament über keine Mehrheit verfügt, ist auf die gemäßigten Abgeordneten des Mitte-links-Spektrums angewiesen, will er seine politischen Ideen durchsetzen. Deshalb wird es wohl kaum zu schnellen und radikalen Veränderungen kommen, ein langsamer und behutsamer Wandel ist so gut wie garantiert.

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