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Interview mit Wahlhelferin Sofia Cerri
Europa leben

Autor: Andreas von Delhaes-Guenther

Sofia Cerri studiert Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität im sechsten Semester. Geboren in der schönen italienischen Hauptstadt Rom, kam sie vor fünf Jahren zum Studieren nach München. Seit August 2023 unterstützt sie außerdem die Abteilung Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung. 

Im Rahmen der Europawahl vom 6. bis 9. Juni hat Sofia als Helferin schon am Freitag und Samstag die Möglichkeit, die Wahl der Italiener aus nächster Nähe zu begleiten. In Deutschland wird nur am 9. Juni gewählt.
Im Interview erzählt sie, wie sie zu diesem Job gekommen ist und was die Europäische Union für sie persönlich und für ihre Heimat bedeutet.

"Diese ehrenamtliche Arbeit gibt mir die Chance, aktiv an einem wichtigen gesellschaftlichen Prozess teilzunehmen."

"Diese ehrenamtliche Arbeit gibt mir die Chance, aktiv an einem wichtigen gesellschaftlichen Prozess teilzunehmen."

©HSS; ©Jessica Dancs

HSS: Du bist Wahlhelferin für die Europawahl im italienischen Generalkonsulat in München. Wie bist du an den Job gekommen?

Ich bin an die Arbeit gekommen, nachdem ich letztes Jahr ein Praktikum im Generalkonsulat hier in München absolviert habe. Während des Praktikums habe ich wertvolle Kontakte sowohl mit dem Generalkonsul als auch mit den Mitarbeitern des Konsulats geknüpft, die ich auch nach dem Praktikum beibehalten habe. Als ich dann hörte, dass für die Europawahl Unterstützung benötigt wird, habe ich mich sofort für die Zusammenarbeit entschieden.

HSS: Was genau musst Du als Wahlhelferin machen?

Als stellvertretende Wahlvorsteherin und Schriftführerin - auf Italienisch besser gesagt „Segretario“ - im italienischen Konsulat in München sorge ich dafür, dass der Wahlprozess korrekt und ordnungsgemäß abläuft. Zu meinen Aufgaben gehört hauptsächlich die Überwachung der Einhaltung der Wahlvorschriften und die Unterstützung des Wahlleiters in allen Vorgängen im Wahllokal. Nicht zuletzt erstelle ich das Wahlprotokoll und dokumentiere die Tätigkeiten des Wahlbüros, einschließlich der Wahlniederschrift.

HSS: Warum machst Du diese Arbeit?

Ich engagiere mich, weil ich fest daran glaube, dass faire und transparente Wahlen das Fundament einer demokratischen Gesellschaft bilden. Diese ehrenamtliche Arbeit gibt mir die Chance, aktiv an einem wichtigen gesellschaftlichen Prozess teilzunehmen. Sie ermöglicht mir nicht nur, soziale Verantwortung zu übernehmen, sondern bietet auch für meine Zukunft eine wertvolle Erfahrung auf vielen Ebenen und dient der Erweiterung meines Netzwerks. Die Beteiligung an einem so stark demokratischen Prozess ist für mich aber auch eine Ehre.

HSS: Wie hat Deine Heimat von der EU profitiert?

Die EU ist für Italien von sehr großer Bedeutung, und für mich persönlich ist sie eine Quelle von Chancen und Vorteilen. Als EU-Mitgliedstaat hat Italien Zugang zu einem riesigen Binnenmarkt, der den freien Austausch von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräften ermöglicht. Dies hat nicht nur zu unserem Wirtschaftswachstum beigetragen, sondern auch zu engeren politischen und menschlichen Beziehungen mit anderen europäischen Ländern wie Deutschland geführt.
Insgesamt hat die EU für mich und für viele Italiener viele Möglichkeiten geboten, unsere Gesellschaft voranzubringen, unsere Wirtschaft zu stärken und uns als Teil einer größeren europäischen Gemeinschaft zu positionieren. Ich denke, dass die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft wie der Europäischen Union fast nur Vorteile bringen kann.

HSS: Und was hat die EU konkret für Dich getan?

Ich erlebe die EU in meinem Alltag. Besonders hat sie mir dabei geholfen, mich problemlos an der Universität zu bewerben und hier in München zu studieren und zu leben. Dank der EU-Regelungen zur Freizügigkeit innerhalb der EU kann ich meinen akademischen Zielen folgen, ohne mich um bürokratische Schwierigkeiten oder Visabestimmungen kümmern zu müssen. Außerdem erlaubt mir die EU, neben meinem Studium hier bei der Hanns-Seidel-Stiftung zu arbeiten und die politische Bildungsarbeit zu unterstützen.
Insgesamt hat die EU mein Leben als italienische Studentin in München sehr erleichtert und mir Möglichkeiten eröffnet, die ich mir vorher nie hätte vorstellen können.

In München lebten im Jahr 2023 rund 28.600, in Bayern rund 108.200 Italiener. Alle Italiener über 18 Jahre sind bei der Europawahl wahlberechtigt. Sie könne ihre Stimme auch im italienischen Konsulat abgeben. In aktuellen Umfragen liegt derzeit mit rund 27 Prozent die rechte Partei „Fratelli d’Italia“ von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni vor der sozialdemokratischen Partei „Partito Democratico“ (PD, 21 Prozent). Auf Platz drei folgt mit 15,5 Prozent die EU-skeptische Fünf-Sterne-Bewegung „Movimento 5 Stelle“, dahinter mit Abstand die „Lega“ und die „Forza Italia“ (jeweils um die 8,5 Prozent).

Beitrag über die Stimmung in Italien vor der Europawahl

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Die Hanns-Seidel-Stiftung in Italien

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