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Artenschutz in Korea
Der Wald als Lebensraum

Mit verschiedenen Projekten setzt sich die Hanns-Seidel-Stiftung für den Artenschutz und Biodiversität ein. In Nordkorea beispielsweise führt die Hanns-Seidel-Stiftung seit 2008 Projekte zur nachhaltigen Waldwirtschaft durch. Was haben diese Maßnahmen bisher bewirkt?

  • Entwaldung und Aufforstung
  • Folgen für den Artenschutz
  • Waldwirtschaft in Nordkorea
  • Habitate in Südkorea

Die Hanns-Seidel-Stiftung trägt in ihrer weltweiten Arbeit auf vielfältige Weise zum Ziel des Schutzes der Arten und der Biodiversität bei, und in vielen Projekten, wie in der DR Kongo und in Korea, auch speziell zum Schutz der Wälder als Grundlage der Artenvielfalt.

Jedes Jahr am 3. März wird der Welttag des Artenschutzes (World Wildlife Day) begangen, der an die Unterzeichnung des Washingtoner Artenschutzabkommens vom 3. März 1973 erinnert. In diesem Jahr 2021 stand der Tag unter dem Motto „Forests and Livelihoods: Sustaining People and Planet“ - Forsten und Lebensgrundlage: für den Erhalt von Menschen und der Erde.

Entwaldung und Aufforstung

In Korea ist dies ein besonders wichtiges Thema, weil mehr als siebzig Prozent Südkoreas und achtzig Prozent Nordkoreas ursprünglich bewaldet waren. Allerdings haben jahrhundertelange Übernutzung der oft im Gemeineigentum befindlichen Wälder, Kolonialisierung und der Koreakrieg dazu geführt, dass die Wälder in einem äußerst schlechten Zustand waren und oft, vor allem in den westlichen Hügellandschaften, ganz verschwanden.

In Südkorea hat dann von den 1960er bis in die 1980er Jahre eine breite Aufforstungskampagne stattgefunden, die dazu geführt hat, dass heute wieder alle Berge bewaldet sind.

In Nordkorea dagegen waren die Wälder durch die wirtschaftliche Notlage und Hungersnot der 1990er Jahre sehr bedroht. Bäume wurden als Brennholz gebraucht und an vielen Stellen wurden Berghänge als private, illegale, aber geduldete Felder genutzt. Wenn auch genaue Daten von Nordkorea nicht bekanntgegeben werden, schätzt man anhand von Satellitenaufnahmen, dass etwa die Hälfte der Wälder entweder verschwunden oder stark degradiert sind. Dies führt zu den jährlich wiederkehrenden Erdrutschen und Überschwemmungen, die Hunderte von Menschenleben kosten.

Im innerkoreanischen Grenzgebiet wurde ein neues Winterquartier des seltenen Schuppensägers entdeckt.

Im innerkoreanischen Grenzgebiet wurde ein neues Winterquartier des seltenen Schuppensägers entdeckt.

@Dr. Bernhard Seliger

Folgen für den Artenschutz

Wie wirkte sich die Entwaldung und Wiederaufforstung auf den Artenschutz auf? Wir denken bei der Frage des Artenschutzes oft an Küsten und Felder, Zugvögel wie Kraniche und Gänse, und weniger an Arten des Waldes. Auch der Wald enthält große Biodiversität, egal ob es um Vögel, Amphibien, Reptilien, Säugetiere oder Insekten und natürlich Pflanzen geht. In Südkorea etwa hat die Wiederaufforstung zu einer starken Zunahme waldtypischer Arten geführt, etwa von Spechten, Kleibern und bestimmten Eulen, wie dem Uhu. Für manche, etwa den nur in Korea vorkommenden Weißbauchspecht, kam die Aufforstung möglicherweise schon zu spät. Er ist seit Jahrzehnten nicht mehr gesichtet worden und die Gegenden, in denen er zuletzt noch in Nordkorea mit wenigen Paaren brütete, sind vermutlich jetzt entforstet.

Andere Arten brauchen spezifische Lebensbedingungen im Wald, um erfolgreich zu überleben. Der Schuppensäger etwa, ein vom Aussterben bedrohter Entenvogel, von dem es nur noch etwa 3 000 Tiere gibt, braucht genügend Nistbäume im Süden Sibiriens, in deren Hohlräumen er nisten kann. In Südkorea überwintert er auf schnell fließenden, sauberen Flüssen. Bei einem Survey, den die Hanns-Seidel-Stiftung in Korea zusammen mit ihrem Partner Birds Korea im innerkoreanischen Grenzgebiet durchgeführt hat, konnte im Landkreis Hwacheon ein neues Überwinterungsgebiet für diesen seltenen Vogel festgestellt werden.

Hintergrundinfo
Mitarbeiter der HSS haben privat gespendet, damit für den gefährdeten Schuppensäger künstliche Nistboxen durch Partner in Russland angefertigt und in Korea aufgehängt wurden. So kann man hoffen, dass dieser schöne Vogel auch für künftige Generationen erhalten bleibt.

Heute steht in Sangsori eine kleine Baumschule und ein gesunder Mischwald ist entstanden, der zur Artenvielfalt beiträgt.

Heute steht in Sangsori eine kleine Baumschule und ein gesunder Mischwald ist entstanden, der zur Artenvielfalt beiträgt.

@ Dr. Bernhard Seliger

Waldwirtschaft in Nordkorea

In Nordkorea führt die Hanns-Seidel-Stiftung seit 2008 Projekte zur nachhaltigen Waldwirtschaft durch. Ein Projekt, das die EU gefördert hat, beinhaltete den Aufbau einer Baumschule und Musteraufforstung in den besonders schwer geschädigten westlichen Hügelländern. Auf einem Hügel, auf dem nur noch vereinzelt Erlen aufwuchsen, ist jetzt wieder ein staatlicher Mischwald entstanden mit Rotkiefern, koreanischen Kiefern, mongolischen Eichen, Esskastanien und vielen anderen Baumarten. Dort siedeln sich, vor allem am Rande des Waldes, auch wieder viele Vogelarten an, besonders Singvögel, aber auch Fasane und Raubvögel wie Turmfalken und Bussarde. Im Winter sind solche Waldecken wichtig für überwinternde Ammern und Finken.

Gewinner der Aufforstung in Südkorea sind Spechte wie hier der Große Buntspecht. Sie finden wieder mehr Nistplätze.

Gewinner der Aufforstung in Südkorea sind Spechte wie hier der Große Buntspecht. Sie finden wieder mehr Nistplätze.

@ Dr. Bernhard Seliger

Habitate in Südkorea

In Südkorea geht es vor allem um den Schutz der Habitate bei einem ungeheuren Bevölkerungsdruck – die Bevölkerungsdichte ist dort doppelt so hoch wie in Deutschland. Während die Wälder selber geschützt sind, sind die für die Biodiversität wichtigen Waldränder oft von fortschreitender Industrialisierung im ländlichen Raum bedroht, aber auch durch Vermüllung und Flächenverbrauch aufgrund immer mehr neuer Infrastrukturprojekte.

Südkorea hat vorgemacht, wie aus stark degradierten Wäldern wieder gesunde Forsten entstehen, eine Erfahrung, die auch Deutschland vor etwa 150 Jahren gemacht hat. Nordkorea hat seit Beginn seiner eigenen Aufforstungskampagne 2014 eine ähnliche Strategie eingeschlagen, steht aber erst am Anfang. Waldschutz ist eine immerwährende Aufgabe, und im Moment sind es Herausforderungen durch den Klimawandel, die neue Probleme stellen. Deshalb ist es wichtig, mit Partnern im Land gemeinsam an Strategien zu arbeiten, um die Wälder auch für die Zukunft als Hort der Artenvielfalt zu erhalten.

Autor: Dr Bernhard Seliger

Kontakt
Leiterin: Dr. Isabelle Harbrecht
Nordost- und Zentralasien
Leiterin:  Dr. Isabelle Harbrecht
Telefon: 089 1258 326
Fax: 089 1258 359
E-Mail: Harbrecht-I@hss.de
Repräsentant der Hanns-Seidel Stiftung in Korea:  Dr. habil Bernhard Seliger
E-Mail: seliger@hss.or.kr