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Tadschikistan
Erfolgreiche Ausbildungsoffensive für Frauen im öffentlichen Dienst

Seit der Unabhängigkeit Tadschikistans nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat sich das Land verändert. Die Tendenz geht zur landesspezifischen Kultur und Tradition. Vor allem Frauen sind davon betroffen. Sie stehen wieder in einer patriarchalischen Familienstruktur und dem Zwang einer frühen Ehe. Das wirkt sich auch auf ihre Berufstätigkeit aus.

  • Regionale Ausbildung für Frauen
  • Erste erfolgreiche Ausbildungsgänge
  • Beispiele der erfolgreichen Qualifizierung

Langsam aber stetig nahm der Anteil von Frauen in der tadschikischen öffentlichen Verwaltung ab, in 30 Jahren von 40 auf 35 Prozent. Oft schlagen Familien den Wunsch ihrer Töchter ab, eine öffentlich Bedienstete zu werden. Davon waren auch die HSS und die nationale tadschikische Verwaltungsakademie als deren langjähriger Partner in dem zentralasiatischen Land betroffen. Die seit dem Jahre 2009 angebotenen einjährigen Vollzeit-Ausbildungskurse für junge öffentliche Bedienstete in der Hauptstadt Duschanbe hatten einen immer niedrigeren Frauenanteil. Eine Analyse der Stiftung brachte als wichtiges Ergebnis, dass viele junge Frauen zwar immer noch Interesse an einer Ausbildung für den öffentlichen Dienst haben, aber von ihrem Ehemann oder ihren Familien nicht die Erlaubnis für die Teilnahme an einem von zu Hause weit entfernten einjährigen Ausbildungskurs bekommen.

Für die Stiftung und ihren tadschikischen Partner war klar, dass die Ausbildung für die Frauen nun vor Ort stattfinden muss.

Im Sommer 2020 erhielten in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe die ersten Absolventinnen des neuen Ausbildungsgangs für öffentlich Bedienstete aus den Regierungsbezirken Sughd und Chatlon ihre Urkunden. Zu dieser Zeit galt Tadschikistan offiziell noch als frei von Corona. Trotzdem hat das HSS-Büro in Duschanbe bei Projektmaßnahmen umfassende Sicherheitsvorkehrungen gegen COVID-19 getroffen: Einsatz von Desinfektionsmitteln, Tragen von Masken außerhalb der Räumlichkeiten für die Diplomzeremonien, Verteilung von Masken auf freiwilliger Basis und nach Möglichkeit Abstandhalten.

Im Sommer 2020 erhielten in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe die ersten Absolventinnen des neuen Ausbildungsgangs für öffentlich Bedienstete aus den Regierungsbezirken Sughd und Chatlon ihre Urkunden. Zu dieser Zeit galt Tadschikistan offiziell noch als frei von Corona. Trotzdem hat das HSS-Büro in Duschanbe bei Projektmaßnahmen umfassende Sicherheitsvorkehrungen gegen COVID-19 getroffen: Einsatz von Desinfektionsmitteln, Tragen von Masken außerhalb der Räumlichkeiten für die Diplomzeremonien, Verteilung von Masken auf freiwilliger Basis und nach Möglichkeit Abstandhalten.

HSS Zentralasien

Regionales Ausbildungsprogramm

Nach zweijähriger Vorbereitung konnte die Hanns-Seidel-Stiftung zusammen mit der nationalen tadschikischen Verwaltungsakademie, ihrem tadschikischen Partner, am 2. Juli 2019 im nord-tadschikischen Regierungsbezirk Sughd das neue regionale Ausbildungsprogramm für 25 junge Frauen in der öffentlichen Verwaltung starten. 300 Unterrichtstunden werden in vier Lernblöcken angeboten. Am Ende des Ausbildungskurses steht ein staatlich anerkanntes berufsspezifisches Diplom.

Am 20. Juli 2020 wurde in der Hauptstadt Duschanbe die Diplomzeremonie für die ersten 54 Absolventinnen des neuen Ausbildungsgangs für öffentlich Bedienstete aus den Regierungsbezirken Sughd und Chatlon organisiert. Unter reger Teilnahme von Vertretern des öffentlichen Sektors (z. B. Präsidialamt, Erziehungsministerium, nationale Frauenagentur, nationale Jugendagentur) und der tadschikischen Medien konnten die jungen, jetzt doch sehr selbstbewusst wirkenden Frauen trotz aller Corona-Beschränkungen diesen Tag gebührend begehen.

Schon während dieser Zeremonie kam der Ruf nach den nächsten Ausbildungskursen für Frauen in der öffentlichen Verwaltung, dieses Mal aus dem Regierungsbezirk Berg-Badachschan im Osten des Landes an der Grenze zu Afghanistan und aus den „der Republik unterstellten Gebieten um die Hauptstadt Duschanbe“ (4. Regierungsbezirk des Landes). Wiederum 50 Absolventinnen konnten hier im Mai 2021 nach Abschluss ihrer Ausbildung feierlich ihr Diplom in den Räumen der tadschikischen Verwaltungsakademie in Duschanbe entgegennehmen.

Nun war der Ausbildungskurs in allen vier tadschikischen Regierungsbezirken abgeschlossen. 104 Absolventinnen hatten sich qualifiziert.

Für die Stiftung war von großem Interesse, wie sich die qualifizierten Frauen beruflich entwickelten.

Infobox

Die Ergebnisse einer Fragebogenaktion im Mai 2021 nach dem Ziel der Ausbildung:

Auf die Frage, „Welches Wissen und welche Kompetenzen sie aus dem Programm für ihre tägliche Arbeit nutzen würden“, antworteten die Absolventinnen: Professionellerer Umgang mit der gültigen Gesetzgebung und dem offiziellen Schriftverkehr, bessere Präsentationsfähigkeit bei Reden und Ansprachen (an das Personal und an Vorgesetzte), bessere Kommunikation im Umgang mit dem Personal, korrektes Verhalten im Amt sowie Konfliktlösung.

Die Frage, „Welchen persönlichen Nutzen haben Sie aus dem Ausbildungsprogramm gezogen", kamen folgende Antworten: Neben neuem Wissen und neuen Kompetenzen wurden genannt: Die Begegnung mit professionellen Experten/Trainern aus dem Bereich der öffentlichen Verwaltung, mit denen der Austausch beibehalten werden soll, die Netzwerkbildung mit anderen Kursteilnehmerinnen aus dem eigenen Regierungsbezirk (wachsende Kooperation und Solidarität) sowie der Aufbau von Selbstvertrauen für die weitere berufliche Laufbahn, aber auch im privaten Bereich.

Die Antworten auf die Frage, „Welche Veränderungen hätten Sie an sich selbst im Anschluss an den Ausbildungskurs festgestellt“, waren: Die Fähigkeit, auch schwierige Situationen im Berufsleben überlegter zu meistern; das Gefühl, intellektuell und emotional stärker geworden zu sein, berufliche Beförderung sowie aufbauend auf dem Lehrinhalt „Leadership“ die Entwicklung eines neuen Lebensstils.

Beispiele für erfolgreiche Qualifikation

Gulafzo Muchammadieva war als Expertin der Abteilung für wirtschaftliche Entwicklung und Reformen im Handelsbereich in der Landkreisverwaltung Devaschtich tätig. Nach ihrer Weiterqualifikation durch die HSS arbeitet sie jetzt in derselben Abteilung als führende Expertin.

Parvia Tursunova war als führende Expertin der Abteilung für Frauen und Familien in der Stadtverwaltung Isfara tätig. Jetzt nach erfolgreicher Ausbildung arbeitet sie als Leiterin der Stadtteil-Verwaltung Navgilem der Stadt Isfara.

Zulfia Erkaeva arbeitete als führende Expertin der Abteilung für Frauen und Familie in der Stadtverwaltung Istarawschan. Heute ist sie mit ihrer Zusatz-Qualifikation in dieser Abteilung als Hauptexpertin beruflich aktiv.

Was konnte bisher durch das regionale Ausbildungsprojekt konkret erreicht werden?

Wie schon vor zwei Jahren formuliert: Die Teilnehmerinnen können entweder abends zu ihren Familien nach Hause gehen oder sie werden für einige Tage vor Ort in Pensionen untergebracht. Nun haben die Familien keine weiteren Einwände mehr gegen den Wunsch nach Ausbildung ihrer Töchter oder Ehefrauen. So kann mit dieser Ausbildungsvariante die Spannung zwischen Beruf und Familie gelöst werden für tadschikische Frauen, die im öffentlichen Dienst tätig sein möchten.

Die tadschikische öffentliche Verwaltung erhält so überdurchschnittlich gut ausgebildete Mitarbeiterinnen.

Und die hoch motivierten jungen tadschikischen Frauen können sich oftmals endlich ihren „beruflichen Traum erfüllen“.

Im tadschikischen Regierungsbezirk Sughd konnte mittlerweile seit dem 21. Juni 2021 der zweite Ausbildungskurs für 25 Frauen in der öffentlichen Verwaltung begonnen werden.

Autor: Dr. Max Georg Meier, Projektleiter der HSS in Zentralasien

Kontakt
Leiterin: Debora Tydecks-Zhou
Nordost- und Zentralasien
Leiterin:  Debora Tydecks-Zhou
Telefon: 089 1258 326
Fax: 089 1258 359
E-Mail: tydeckszhou@hss.de
Projektleiter Zentralasien: Dr. Max Georg Meier
Kirgisistan
Projektleiter Zentralasien:  Dr. Max Georg Meier