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Erster mongolischer Ideenwettbewerb
Mit Schafwolle in eine bessere Zukunft

Autor: Dr. Isabelle Harbrecht

Berlin, Stockholm, Chemnitz, Ulan Bator – sie kamen aus allen Ecken Deutschlands, zahlreichen Nachbarländern und teilweise direkt aus der Mongolei bis nach München, um am 1. Februar 2020 gemeinsam im Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung zu diskutieren, wie das Leben und die Entwicklung in ihrer Heimat, der Mongolei, verbessert werden kann.

Das Gruppenfoto zeigt alle mongolischen Teilnehmer - als als 100 - die sich für den ersten mongolischen Ideenwettbewerb interessiert hatten oder mit eigenen Beiträgen daran teilgenommen haben

© André Adomeit

  • IWettbewerb „Entwicklung der Mongolei – Strategie und Konzeption“
  • Innovative Vorschläge und Ansätze 
  • Auszeichnung von drei jungen Mongolen

Unter der Schirmherrschaft des Staatspräsidenten Battulga Khaltmaa, organisierten die Studentenvereinigung „Die Junge Union der Mongolen“, die Hanns-Seidel-Stiftung und die Otgonbayar Stiftung gemeinsam den ersten Ideenwettbewerb „Entwicklung der Mongolei – Strategie und Konzeption“ und luden alle mongolischen Studierenden in Deutschland und Europa ein mitzureden.

Hochkarätige Juroren

Dr. Ganbat Damba, Botschafter der Mongolei in der Bundesrepublik Deutschland, war eigens aus Berlin angereist, um die 135 Gäste zu begrüßen und als Mitglied der Jury die eingereichten Projektvorschläge zu bewerten. Ebenfalls in der Jury waren Tegshjargal Tumen, der außenpolitische Berater des Staatspräsidenten, Dr. Erdembayar Damdinsuren, orthopädischer Facharzt aus Berlin, und Dr. Uranchimeg Tudevdagva, eine Computerwissenschaftlerin der TU Chemnitz. Ein Jurist, ein Experte für Evaluation und eine Neurowissenschaftlerin ergänzten die Jury, die mit ihrer breiten Expertise die Projekte der jungen Mongolen bewerteten.

Ein Herr im dunklen Anzug steht an einem Redepult mit der mongolischen und deutschen Flagge und spricht vor einem Mikrofon. Im Hintergrund befindet sich ein Roll-Up der Hanns-Seidel-Stiftung

Der Botschafter der Mongolei in der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Ganbat Damba, sprach bei dem ersten mongolischen Ideenwettbewerb ein Grußwort. Er gehörte auch dem Gremium an, das die Präsentationen bewertete

© André Adomeit

Vorschläge und Ansätze

Die Verbesserung von Infrastruktur und Handel, Grundlagenforschung im Bereich Bodenschätze und Seltene Erden oder doch eher eine Verbesserung im Bereich Familienrecht – die Themen und Ansätze waren vielseitig und die Zuhörer hatte nach jedem Vortrag zahlreiche Fragen. Welche Datengrundlage gibt es, welche Vorarbeit wurde bereits geleistet, mit welchen Partnern kann das Projekt umgesetzt werden?  Die Ansprüche von Publikum und Jury an die Qualität der Projekte waren hoch, und ebenso groß waren auch das Interesse und die Begeisterung. Zehn Stunden wurde zugehört und diskutiert. Dazwischen sorgten verschiedene musikalische Beiträge für Abwechslung und mit der Meringer Faschingsgarde hielt ein bisschen bayerische Karnevalstradition Einzug in die mongolisch geprägte Veranstaltung.

In einem Gruppenbild präsentieren drei Personen überdimensionale Glückwunschschreiben dem Publikum und im Hintergrund zu sehen sind der mongolische Botschafter in Deutschland, Dr. Ganbat Damba, eine Hauptorganisatorin des Wettbewerbs und der außenpolitische Berater des Präsidenten, Tegshjargal

Die drei Preisträger erhielten ein persönliches Glückwunschschreiben des mongolischen Staatspräsidenten. Zu sehen sind außerdem der mongolische Botschafter Dr. Ganbat Damba, Solongo Treml, eine Hauptorganisatorin und der außenpolitische Berater des Präsidenten, Tegshjargal

© André Adomeit

Die Preisträger

Am Ende des Tages wurden drei Projekte ausgezeichnet. Den ersten Preis bekam Dolgion Erdenebat für seine Idee Schafswolle zur Dämmung von Wohngebäuden zu nutzen. Während Ziegenwolle in der Mongolei zu Kaschmir verarbeitet und exportiert wird, bleibt insbesondere Schafswolle schlechterer Qualität oft völlig ungenutzt. Im Internet stieß Dolgion Erdenebat auf ein Unternehmen in Österreich, das Schafswolle zu Dämmstoff weiterverarbeitet. Warum sollte nicht auch die ganze ungenutzte Wolle in der Mongolei verwendet werden, um besser über den kalten Winter zu kommen? Eine berechtigte Frage, fand die Jury, und verlieh ihm den ersten Preis, einen Flug in die Mongolei. Auch dem zweiten Preisträger, Munkhshatar Ganbold, ging es um die Frage, wie der hohe und umweltschädliche Kohleverbrauch in der Mongolei reduziert werden kann. Seine Berechnungen zeigten, dass im Winter in Ulan Bator mit Solarzellen auf dem Dach ein signifikanter Teil der Kohleheizöfen kalt bleiben könnte. Diese Idee verdiene den zweiten Preis, so die Jury, und zeichnete Munkhshatar Ganbold mit 300 Euro aus. Baigali Sukhbaatar hatte einen ganz anderen Vorschlag: Sie analysierte die verfügbaren statistischen Daten und kam zu dem Schluss, dass eine psychologische Betreuung in der Schlichtungsphase vor einer offiziellen Scheidung vielen Paaren hilft wieder zueinander zu finden. Ihre Forderung deshalb: die gesetzlich vorgeschriebene Schlichtungsphase sollte verlängert und in dieser Zeit eine entsprechende Betreuung der Paare gewährleistet werden. Sie bekam den dritten Preis in Höhe von 200 Euro.

Für die Zukunft

Die Mongolei ist eine der ganz wenigen Demokratien in der Region und sie hat seit der demokratischen Wende 1990 ihre Werte verteidigt und den Rechtsstaat weiterentwickelt. Die Veranstaltung mit der Hanns-Seidel-Stiftung hat deutlich gezeigt, dass die junge Generation der Mongolen sich einbringt, mitdenkt und sich für eine bessere Zukunft engagiert. Die ganztägige Anwesenheit des Botschafters der Mongolei und die Glückwunschschreiben, die der Staatspräsident durch seinen Berater an die Preisträger überreichen ließ, zeigen, dass auch die politische Elite des Landes ihre junge, aktive Generation schätzt und respektiert. Die Hanns-Seidel-Stiftung, die bereits seit 25 Jahren die Reformen im Rechtsbereich unterstützt, hat mit dieser Veranstaltung einen Beitrag für die weitere Entwicklung der Mongolei geleistet.

Kontakt
Referat V/6: Nordost- und Zentralasien
Leiterin:  Dr. Isabelle Harbrecht
Telefon: 089 1258 326
Fax: 089 1258 359
Projektleitung: Prof. Dr. Tserenbaltavyn Sarantuya
Mongolei
Projektleitung:  Prof. Dr. Tserenbaltavyn Sarantuya
Beraterin des Verfassungsgerichts der Mongolei,
Professorin am Rechtsinstitut der Staatsuniversität der Mongolei