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Ajja im Westjordanland
Vision einer umweltfreundlichen Gemeinde

Autor: Julia Obermeier

Die Gemeinde Ajja im Norden des Westjordanlands will die erste umweltfreundliche Kommune in den Palästinensischen Gebieten werden. Mit Photovoltaik- und Biogasanlagen hat sie bereits erste Meilensteine gelegt. Vor Ort unterstützt sie die ökologische Landwirtschaft und will vermehrt den Ökotourismus fördern, Nun reisten ein palästinensischer Bürgermeister, ein Hotelier, ein Naturschutzexperte sowie ein kommunaler Investor nach Bayern, um hier Anregungen für ihr Vorhaben zu finden.

Der Technische Leiter des Müllheizkraftwerks Geisebullach, Dipl.-Ing. Johannes Brühl, erklärt fünf Menschen mit roten Helmen, wie Restmüll aus den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck verheizt wird und so Strom und Fernwärme produziert werden. Sie befinden sich in einem freien Gelände, links im Hintergrund ein Werkgebäude und eine flache Werkhalle.

Der Technische Leiter des Müllheizkraftwerks Geisebullach, Dipl.-Ing. Johannes Brühl, erklärt der Delegation, wie Restmüll aus den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck verheizt wird und so Strom und Fernwärme produziert werden.

HSS

Angesichts der konfliktreichen politischen Situation in den Palästinensischen Gebieten (PG) standen Umwelterziehung und Umweltschutz bisher kaum auf der politischen Agenda. Entsprechend ist das Umweltbewusstsein der Bevölkerung wenig ausgeprägt. Effiziente Entsorgungs- und Recyclingsysteme fehlen, das Bewusstsein für Müll ist gering und so landet dieser zuhauf in der freien Natur. Nachhaltigkeit ist bisher für die meisten Entscheidungsträger nicht maßgebend. Auch Konzepte zum lokalen Ökotourismus befinden sich noch in den Anfängen.

Ein palästinensischer Bürgermeister, ein Hotelier, ein Naturschutzexperte und ein kommunaler Investor haben dies erkannt. Die Vision einer umweltbewussten und nachhaltigen Gemeindeverwaltung in Ajja führte sie auf Einladung der Hanns-Seidel-Stiftung Ende Juli 2019 nach Bayern. Die Besucher wollten sich informieren über die technischen Möglichkeiten von Müllverbrennungsanlagen in Deutschland. Best-Practice Beispiele aus der Umwelterziehung und nachhaltigem Tourismus sollten sie inspirieren für ihre Arbeit vor Ort.

Bürgermeister Ahmad Battah hatte schon Seminare der HSS besucht und bereits die Vision entwickelt, seine Gemeinde Ajja zur ersten umweltfreundlichen Gemeinde in den PG zu gestalten. Das HSS Projektbüro in Jerusalem unterstützt dies und arbeitet gemeinsam mit Ajja und anderen Gemeinden aus dem Westjordanland an der Entwicklung und Umsetzung kommunaler Konzepte für Ökotourismus und Nachhaltigkeit. Ahmad Battah ist auch die treibende Kraft der Idee, die landesweit erste Müllverbrennungsanlage im Westjordanland zu bauen. Zusammen mit der Vertreterin der HSS vor Ort, Julia Obermeier, hatte der Bürgermeister im Mai 2019 mit dem Ministerpräsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Dr. Stayyeh, ein Gespräch darüber geführt und sich dessen Unterstützung gesichert.

Was tun mit dem Müll?

Zwei Müllheizkraftwerke lernten die interessierten und motivierten Gäste kennen: die Anlage des Müllheizkraftwerkes des Gemeinsamen Kommunalunternehmens für Abfallwirtschaft Gfa in Geiselbullach und das Heizkraftwerk Nord der Stadtwerke München (SWM). Auch ein Wertstoffhof im Landkreis Fürstenfeldbruck wurde besichtigt. Experten des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz gaben den Gästen aus dem Nahen Osten einen Überblick über bewährte Verfahren des Müllmanagements in Bayern. Darüber hinaus besuchte die Delegation das Umweltbildungszentrum "Haus der Berge" sowie das preisgekrönte umweltfreundliche "Berghotel Rehlegg".

Ein besonderer Höhepunkt ihrer Reise war für die Gäste der Gesprächsaustausch mit dem Generalsekretär der HSS, Oliver Jörg. Ihre erste Reise nach Bayern empfanden sie äußerst informativ. Nun werden sie ihre neuen Erkenntnisse in ihrer Gemeinde Ajja umsetzen und den Ökotourismus ausbauen. Auch werden sie ihre Bestrebungen, vor Ort die erste Müllverbrennungslage zu errichten, nun intensiv weiterverfolgen.

 

Kontakt
Leiterin: Maryam Schmidt
Referat V/2: Naher Osten, Nordafrika
Leiterin:  Maryam Schmidt
Telefon: 089 1258-290
Fax: 089 1258-359
E-Mail: schmidtm@hss.de
Israel/Palästinensische Gebiete
Projektleitung:  Julia Obermeier