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Kunst im vorpolitischen Raum
Meine Ukraine: Schmerz und Hoffnung

Gerade für junge Ukrainer*innen ist die Zeit der Umbrüche und politischen Umwälzungen ein bedeutender Teil ihres bewussten Lebens. Ihre Kunst ist hochpolitisch, gesellschaftskritisch und bannt das Lebensgefühl der Jugend in einem zerrissenen Land auf Leinwand.

Von Paul Klee stammt der Satz:

"Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar". 

Wer also wäre besser geeignet, um in einer künstlerischen Reflexion die gesellschaftliche und psychosoziale Realität eines Landes exemplarisch darzustellen, als junge Künstlerinnen und Künstler?

Die Künstlerin Zirka Savka ist unter den 16 Gewinnern des Wettbewerbs. Ihre stimmungsreichen, kontrastvollen Gemälde spiegeln ihr Lebensgefühl als junge Ukrainerin wider.

Die Künstlerin Zirka Savka ist unter den 16 Gewinnern des Wettbewerbs. Ihre stimmungsreichen, kontrastvollen Gemälde spiegeln ihr Lebensgefühl als junge Ukrainerin wider.

KünstlerInnen wollen durch ihre Kunst etwas zum Ausdruck bringen, sie haben eine Botschaft, die sie mit ihrem Kunstwerk vermitteln. Oft ist das eine politische Botschaft, eine Kritik an der Gesellschaft oder der Gegenwart. KünstlerInnen sind VordenkerInnen und bilden dadurch auch ein Stück Zukunft ab - sie gehören sowohl ihrer zeitgenössischen Gesellschaft an, als auch der visionären Gesellschaft ihrer Kunst.

Junge KünstlerInnen aus der Ukraine sind dabei in zweierlei Hinsicht Grenzgänger: Sie verarbeiten aktuelle westliche Impulse in die Ukraine und bringen dabei ihre eigene Geschichte und die Prägungen, Erinnerungen und Erfahrungen der postsowjetischen Vergangenheit ein. Gleichzeitig ist ihre Arbeit aber auch durch die zahlreichen Brüche in ihrem Land und ihren Biografien geprägt. Die Ukraine erlebt seit 2014 tiefgreifende politische und gesellschaftliche Umwälzungen -  das ist für  die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler ein bedeutender Teil ihres bewussten Lebens.

Im Workshop "Artists in Residence" der Hanns-Seidel-Stiftung Kiew entstand Kunst, die präzise, sensibel und durch einen geschulten und erlebnisgeschärften Blick pointiert ist. Die 16 ResidenzkünstlerInnen aus der ganzen Ukraine arbeiteten an jeweils zwei Werken, die als Dyptichon die ambivalente Lebensrealität dieser jungen ukrainischen Generation behandeln.

Die KünstlerInnen stellen mit ihren Arbeiten dabei kontroverse Fragen zum Stand und der Entwicklung der ukrainischen Gesellschaft. Obwohl die KünstlerInnen nicht ausdrücklich politische Anliegen thematisiert haben, bilden die im Rahmen der Art-Residence entstandenen Bilder einen Anlass und Einstieg in die Auseinandersetzung mit Werten, Reformen und gesellschaftlichen Veränderungen im Land.

Roman Khrushch malt im Stil des Symbolismus. Links das Werk ?Pain!, rechts ?Hope! "Mit Symbolen erzähle ich eine Geschichte, die den Betrachter an die Grenze des Physischen und Metaphysischen bringt. Jeder Rezipient soll diese Geschichte für sich selber erzählen."

Roman Khrushch malt im Stil des Symbolismus. Links das Werk ?Pain!, rechts ?Hope! "Mit Symbolen erzähle ich eine Geschichte, die den Betrachter an die Grenze des Physischen und Metaphysischen bringt. Jeder Rezipient soll diese Geschichte für sich selber erzählen."

Während der Ausstellung der Werke in der Port-Creative-Hub Galerie  in Kiew entstanden Film- und Bilddokumentationen und ein Ausstellungsverzeichnis. Das Video steht auch mit englischen Untertiteln zur Verfügung.

Reproduktionen der Werke befinden sich seit April 2019 als Dauerausstellung im Zentralen Bürgerbüro (ZNAP) der Stadt Kiew. Dadurch haben Bürger freien Zugang zu den Werken und das Projekt überlässt den Kunstraum unmittelbar den Bürgern. Die Besucher der Ausstellungen sind eingeladen sich durch Fragebögen damit auseinanderzusetzen, welche Werte und Fragestellungen sie im Kontext der aktuellen Transformationsprozesse mit den präsentierten Bildern verbinden.

Auf Grundlage der Ausstellung wurde ein methodisches Handbuch zur Arbeit mit jungen Menschen entwickelt, das Anregungen zu interaktiver Arbeit in Seminaren, Jugendlagern und Sommerschulen enthält. Ziel ist es, die in den Werken ausgedrückten grundlegenden Werte des gesellschaftlichen und sozialen Miteinanders mit den aktuellen Reformen der Ukraine in Beziehung zu setzen und individuelle Handlungsoptionen zu entwickeln.

Kontakt
Leiter: Henning Senger
Referat VI/2 Mitteleuropa, Osteuropa, Russland
Leiter:  Henning Senger
Telefon: 089 1258-440
Fax: 089 1258-359
E-Mail: senger@hss.de
Projektleitung: Daniel Seiberling
Ukraine
Projektleitung:  Daniel Seiberling