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Referat II/4 Bildung und Erziehung
Paula Bodensteiner
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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
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Bildung in Bestform - Welche Schule braucht Bayern?

Die Expertenrunde
Die Expertenrunde

Die Veranstaltung vom 25. Januar 2007 über das bayerische, mehrgliedrige Schulsystem mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Presse und  Bildungsforschung sowie Pädagogen und Elternvertretern stieß allgemein auf großes Interesse.

Hintergrund dieser Kooperationsveranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung mit dem Bayerischen Realschullehrerverband und dem Deutschen Verband der Realschulen waren die, in den letzten Jahren wieder deutlich zunehmenden Strukturdebatten über unser Schulsystem. Nicht selten wird die Meinung verbreitet, dass das mehrgliedrige Schulsystem nicht mehr zeitgemäß, überholt und dass die Chancengerechtigkeit nicht gegeben sei.

Anton Huber, Dr. Hans Zehetmair, Dr. Wolfgang Heubisch und Prof. Fritz-Dietrich Neumann
Anton Huber, Dr. Hans Zehetmair, Dr. Wolfgang Heubisch und Prof. Fritz-Dietrich Neumann

In seiner Begrüßungsrede unterstrich der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Staatsminister a.D. Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair, dass es sich beim mehrgliedrigen Schulsystem in Bayern um eine gewachsene Schulstruktur mit langer Tradition handle, dass man damit erfolgreich sei, was auch PISA eindeutig bewiesen hätte. Dieses System sei auch in der Lage, den unterschiedlichen Begabungen verschiedene Angebote zu machen. Um erfolgreich zu bleiben, müsse jedoch immer an Verbesserungen gearbeitet werden. Die Bayerische Staatsregierung habe erst kürzlich wichtige Beschlüsse (z.B. Einführung der Ganztagesbetreuung an den Hauptschulen) gefasst. Anton Huber, Vorsitzender des Realschullehrerverbandes, betonte, dass man in Bayern die Schule und die Bildungserfolge immer ernst genommen und man nie die Leistungsbereitschaft und Leistungsziele aus dem Blickwinkel verloren habe. Die Vermittlung von Tugenden und Werten sei in Bayern schon immer in der ganzen schulischen Erziehung ausschlaggebend gewesen. Disziplin sei nicht Ziel sondern Voraussetzung für guten Unterricht. Prof. Dr. Fritz-Dietrich Neumann aus Lüneburg am Lehrstuhl für "Ideengeschichte der Pädagogik und evolutionäre Anthropologie" gab mit seinem Vortrag "Das gegliederte Schulwesen aus anthropologischer Sicht" eine umfassende wissenschaftliche Begründung für unser Bild vom Menschen und dessen Folgerungen für die Schule.

Eine erfolgreiche Schule kann aber nur gelingen, wenn sie in ihren wichtigsten Grundlagen breite Zustimmung findet und wenn sie hohe gesellschaftliche Akzeptanz erfährt. Bei einer Podiumsdiskussion, welche Werner Siebeck, Bayerischer Rundfunk moderierte, wurde Vertretern verschiedener Interessengruppen die Gelegenheit gegeben, zu den Themen Leistungsfähigkeit, Chancengerechtigkeit, Durchlässigkeit, individuelle Förderung und zum Schülerrückgang zu referieren.

Siegfried Schneider, Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus betonte, dass eine Strukturdebatte der völlig falsche Ansatz sei, man müsse im und mit dem bestehenden System arbeiten, und es dürfe keinen Abschluss ohne Anschluss geben. Die Bayerische Staatsregierung setze alles daran, dass die Durchlässigkeit im bestehenden Schulsystem weiter ausgebaut werde. Wichtig in diesem Zusammenhang sei u.a. die Einführung der 13. Klasse in der Fachoberschule, die nach erfolgreichem Abschluss zu einem Studium befähige.

Ingrid Ritt, Landesvorsitzende des Landeselternverbandes Bayerischer Realschulen e.V., betonte, dass sich die Schule von innen verändern müsse und nicht die Struktur. Einen weiteren Diskussionspunkt sah sie in der Ganztagesbetreuung, Ganztagesschule, gebunden oder offen, und der Anwesenheit des Lehrpersonals ganztägig in der Schule. Dem Vorschlag der Ganztagespräsenz der Lehrkräfte, mit der eine sinnvolle Ganztagesbetreuung der Schüler besser zu verwirklichen sei, schloss sich auch Dr. Dirk Walter, Münchner Merkur, Bayernredaktion an. Des Weiteren sah er Verbesserungsmöglichkeiten durch geringere Klassenstärken, und in der Einführung von Kurzpausen, jedoch nicht zu Lasten der Unterrichtseinheiten, zwischen den einzelnen Unterrichtsstunden. Die bayerische Realschule sei einzigartig vielseitig und in den Fähigkeiten stark, wie auch die PISA-Ergebnisse gezeigt hätten. Er sehe die Realschule jedoch unter dem Mainstream der Bildungsdebatte und dem Einfluss des OECD-Bildungsbeauftragten bundesweit unter Druck.

Dr. Wolfgang Heubisch, Vizepräsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V., lobte die bereits geschaffene Durchlässigkeit des bestehenden Schulsystems und sprach von einer "Holschuld", denn die Angebote seien mittlerweile derartig vielfältig, dass jeder der das Abitur machen wolle, auch die Chance habe es zu tun. Verbesserungen sehe er bei der Bildungsgerechtigkeit. Es müssten mehr Kinder aus den sozial weniger privilegierten Schichten eine bessere Förderung bekommen. Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, stellte dem bayerischen Schulsystem ein gutes Zeugnis aus. Wünschen würde er sich sogar noch eine besser gegliederte Schule, also noch mehr Individualisierung und auch mehr Freiraum mit 5% mehr Verfügungsstunden, in denen man sowohl Spitzenschüler, als auch Risikoschüler nachhaltig fördern könne.

Ulrich Sprenger, Vorsitzender des Arbeitskreises Gesamtschule e.V., wandte sich entschieden gegen die Gesamtschule und belegte die Überlegenheit des gegliederten Schulsystems, am Beispiel der Realschulen, anhand verschiedener wissenschaftlichen Untersuchungen, u.a. des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Albert Obert, Bundesvorsitzender des Verbandes Deutscher Realschullehrer, zeigte sich in seinem Schlusswort ebenfalls von der Zukunftsfähigkeit des mehrgliedrigen Schulsystems, gerade auch der Realschulen überzeugt. Bildung müsse möglichst individuell sein, dann sei sie auch chancengerecht.