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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
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Gerechtigkeit - nur eine Theorie?

Prof. Dr. Paul-Ludwig Weinacht, Universität Würzburg, referierte in Wildbad Kreuth vor ca. 30 Teilnehmern
Prof. Dr. Paul-Ludwig Weinacht, Universität Würzburg, referierte in Wildbad Kreuth vor ca. 30 Teilnehmern

Seminar zur Ideengeschichte in Wildbad Kreuth
34 Teilnehmer, vom 17-jährigen Schüler bis zur Rentnerin, dachten vom 1. bis 3. Juni in Wildbad Kreuth über eine gerechte Gesellschaftsordnung nach. Im Rahmen der Seminare des Bildungswerks zur Ideengeschichte lautete das Thema "Gerechtigkeit - nur eine Theorie?".

Eröffnet wurde das Seminar von Prof. Dr. Paul-Ludwig Weinacht von der Universität Würzburg, der die Teilnehmer sehr profund durch 2500 Jahre Ideengeschichte führte. Platons Buch "politeia" ist ja eigentlich ein Buch über die Gerechtigkeit, nämlich eine gerechte Ordnung der Gesellschaft, die Aristoteles noch weiterentwickelte. Die antike Vorstellung einer Verteilungsgerechtigkeit ("Jedem das Seine") wurde von Augustinus und Thomas von Aquin mit der christlichen Vorstellung von Gerechtigkeit ergänzt. An der Schwelle zur Neuzeit entwickelte Thomas Hobbes in seinem Buch "Leviathan" eine Gesellschaft, bei der Gerechtigkeit dann herrscht, wenn die Bürger gesetzesgehorsam sind. Diese verschiedenen Gerechtigkeitsvorstellungen werden im 20. Jahrhundert von John Rawls in seinem Fairnesskonzept für die moderne Welt weiterentwickelt. Sein theoretisches Konzept geht von folgender Annahme aus: Die Chancengleichheit in Form von gleichen Rechten für alle wird ergänzt durch das Differenzprinzip. Alle Ungleichheiten müssen sich für die Benachteiligsten am positivsten auswirken, so dass die gesellschaftliche Schere nicht zu weit auseinander driftet.

Georg Fahrenschon, MdB und stellv. Vorsitzender der CSU-Grundsatzkommission
Georg Fahrenschon, MdB und stellv. Vorsitzender der CSU-Grundsatzkommission

Am Samstagabend war dann die spannende Frage an den Bundestagsabgeordneten und stellvertretenden Vorsitzenden der CSU-Grundsatzkommission, Georg Fahrenschon, wie Politik diese Ideen der Gerechtigkeit umsetzen will. Das neue CSU-Grundsatzprogramm geht vom christlichen Menschbild aus, das die drei unverzichtbaren Elemente der Personalität, Solidarität und Subsidiarität enthält. Unter Anerkennung der Ungleichheit der Menschen steht deshalb nicht die Verteilungsgerechtigkeit, sondern die Chancengerechtigkeit im Vordergrund. "Chancen für alle" ist deshalb das Ziel der CSU. Jeder muss die Möglichkeit haben, seine Talente optimal zu nutzen. Angesichts der demographischen Entwicklung ist die Generationengerechtigkeit ein weiterer Schwerpunkt dieses Programms. Die lebhafte Diskussion der Teilnehmer zeigte viel Zustimmung für dieses Konzept, wenngleich auch deutlich wurde, dass sich die CSU an der konkreten Umsetzung wird messen lassen müssen. Besonderer Schwerpunkt war dabei die Frage der Familien- und Bildungspolitik.

Martin Lampert, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Christliche Sozialwissenschaft der Universität Erfurt
Martin Lampert, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Christliche Sozialwissenschaft der Universität Erfurt

Zum Abschluss stellte Martin Lampert, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Christliche Sozialwissenschaft der Universität Erfurt, die Sicht der katholischen Theologie dar. In der Tradition der katholischen Soziallehre und beeinflusst von der südamerikanischen Befreiungstheologie, wird der Ausgleich zwischen Leistungerechtigkeit und Verteilungsgerechtigkeit gesucht. Hier entzündete sich dann ein leidenschaftliche Debatte über die konkrete Ausgestaltung unseres Sozialstaates.