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Referat III/1 Politisches Management und Kommunikation, Medien und Innovation
Karl Heinz Keil
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Verkehrssystem Luftfahrt - Chancen und Herausforderungen

- Die Experten des 6. Luftfahrt-Podiums
6. Luftfahrt-Podium im Konferenzzentrum München
Der Luftverkehr zählt zu den globalen Wachstumsbranchen. Die Prognosen zur weltweiten Verkehrsentwicklung bestätigen den Trend. Die Passagierzahlen werden weiter ansteigen. Internationale Luftverkehrsverbände, wie z.B. die IATA (International Air Transport Association - Weltverband der Fluggesellschaften) sowie namhafte Flugzeughersteller (Airbus, Boeing), gehen von einem jährlichen Wachstum zwischen 3,5 und 5,8 Prozent bis zum Jahr 2020 aus. Die generelle Nachfrage nach Mobilität übersteigt bereits heute in einigen Bereichen die Leistungsfähigkeit von Infrastruktur und Verkehrsdienstleistern. Dies gilt auch für die Luftfahrt. So ist der bedarfsgerechte Ausbau der Flughafeninfrastruktur ebenso eine Herausforderung, wie viele andere Aufgaben, die auf den Luftverkehr warten. Als Stichworte seien genannt: Luftverkehrsallianzen, "Safety and Security", Verkehrsanbindung, Umweltverträglichkeit, neue Technologien oder auch Single European Sky (SES). Über diese und andere Herausforderungen im "Verkehrssystem Luftfahrt" diskutierten am 13. November 2007 im Konferenzzentrum München Experten auf dem 6. Luftfahrt-Podium der Hanns-Seidel-Stiftung.

- Stephan Klar, Lufthansa AG
Stephan Klar, Leiter "Commercial Airport Relations" bei der Deutschen Lufthansa, legte in seinem Statement zunächst einige Zahlen seines Unternehmens dar und ging dabei besonders auf die Bedeutung Münchens ein: ca. 8000 Mitarbeiter und knapp 130 Flugzeuge zeigen die Relevanz des Münchner Flughafens für die Lufthansa, der eng mit der Drehkreuzfunktion zusammen hängt. Schon heute sind über 50 Prozent der Lufthansa-Fluggäste, die in München starten und landen, Umsteiger. Die Chance seines Unternehmens bestehe in weiterem Wachstum, da die Branche auch generell weiter wachsen werde. Dabei gelte es die verschiedenen Herausforderungen zu meistern: für München heißt das unter anderem Steigerung des interkontinentalen Verkehrs. Dazu bedarf es eines nachfragegerechten Ausbaus der Infrastruktur und einer verbesserten landseitigen Anbindung des Flughafens. Der Wettbewerb werde zudem immer mehr zum Wettbewerb der Systeme. "Die Marktstellung entscheidet sich nicht an Bord, sondern am Boden", so Klar. Hier müssen Airline, Flughafen und Flugsicherung als ein ineinander greifendes System funktionieren. Weitere Herausforderungen der Zukunft seien die Konkurrenz mit den Billigfliegern, das Thema Sicherheit ("safety and security") sowie selbstverständlich die Reduzierung der Treibstoffkosten durch technische und organisatorische Maßnahmen.

- Prof. Dr.-Ing. Horst Baier, TU München
Dr. Christian Kelders von Bauhaus Luftfahrt e.V., einem 2005 gegründeten Verein, der die interdisziplinäre Luftfahrt-Forschung in den Bereichen Wirtschaft, Technik und Design fördert und von verschiedenen Industrieunternehmen gegründet wurde, griff unmittelbar den Aspekt der Treibstoffreduzierung in seinen Ausführungen auf und definierte die Ressourcenproblematik als wesentliche Herausforderung der Luftfahrt. Die politische Reaktion darauf, Nachfrage mittels Steuern (z.B. Ökosteuer) reduzieren zu wollen, sei dabei aber ein wenig geeignetes Instrumentarium. Vielmehr gelte es die Extraktion von Rohstoffen zu verlangsamen. Dabei kann die Menge durch Emissionsrechte und Emissionshandel direkt reguliert werden. Wichtig dabei sei, dass das Emissionssystem umfassend im Sinne von Ländern und Regionen sowie der Klimagasemittenten sei, so Dr. Kelders. Auch aus der Sicht des Flughafen Münchens, seien diese Umweltaspekte zu berücksichtigen. Gertrud Seidenspinner, Leiterin der Konzernstrategie bei der Flughafen München GmbH, sprach in diesem Zusammenhang von nachhaltigem Wirtschaften als eine wesentliche Managementherausforderung der Zukunft. Konkret, so Seidenspinner, gehe es primär darum, das Wachstum am Flughafen und in der Region zu gewährleisten. Als Maßnahmen erwähnte sie dabei u.a. den Bau der Dritten Bahn und die Ausweitung der Interkontinentalverbindungen.
Auch Prof. Dr.-Ing. Horst Baier, Lehrstuhlinhaber für Leichtbau und für Luftfahrttechnik an der Technischen Universität München bestätigte die ökonomischen Rahmendaten der Branche und verdeutlichte insbesondere die Bedeutung der Luftfahrtindustrie für Bayern. Im Freistaat seien Firmen und Institutionen in allen Arten von Flugsystemen involviert. Er warnte aber gleichzeitig auch vor der Gefahr einer Schwächung der Branche. Darüber hinaus ging Baier in seinen Ausführungen auf technische Möglichkeiten ein, den triebwerkbedingten Lärm, der primär beim Start auftritt, zu reduzieren. Auch der neue Airbus A 380 schaffe verbesserte Verbrauchs- und Umweltdaten pro Passagier und sei daher positiv mit Blick auf die ökologischen Fragen der Luftfahrt zu bewerten.

- Prof. Werner Toepel, Ministerialrat a.D. und Sachverständiger für Flugplätze
Prof. Werner Toepel, Ministerialrat a.D. und Sachverständiger für Flugplätze, legte seinen Fokus auf die wesentlichen Aspekte im Bereich der Allgemeinen Luftfahrt und im Regionalluftverkehr, die sich in vielen Fragen wie Umwelt oder Sicherheit nicht von den generellen Herausforderungen der Luftfahrt unterscheiden. Toepel warb aber im Speziellen dafür, die wirtschafts- und verkehrspolitische Bedeutung von Regionalflugplätzen und der Allgemeinen Luftfahrt gesellschaftlich besser anzuerkennen. In diesem Sinne vertrat er die Auffassung, dass es nicht zu viele geeignete Flugplätze für die Allgemeine Luftfahrt gebe, sondern zu wenige. Viele der "Minijets" machen Geschäftsreisen wieder planbar, da die Nutzer unabhängig von hochbelasteten Bodenverkehrswegen und Hubflughäfen sind, so Toepel.

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