Kontakt

Referat III/5 Recht, Geschichte und Kultur
Dr. Birgit Strobl
Tel.: 089 1258-229 | Fax: -338
E-Mail: strobl@hss.de

Publikationen

Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
Schutzgebühr: Keine
Download der Publikation
Diese Publikation bestellen

Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
Schutzgebühr: Keine
Download der Publikation
Diese Publikation bestellen

Aktuelle Veranstaltungen

Dienstag, 22. Januar 2013

Krumbach

Profi mit Handy, Internet und Medienrecht

Dienstag, 22. Januar 2013

München

Eurokrise / Währungskrise

Dienstag, 22. Januar 2013

München, Konferenzzentrum

US Pivot towards Asia? Will Obama´s Second Term Bring New Developments?

Hanns-Seidel-Stiftung im Web 2.0

Meine HSS

Seite hinzufügen
löschen
 

"Der Pfarrer versorgt die Seele und der Wirt den Leib"

Dr. Werner Chrobak in der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg
Dr. Werner Chrobak in der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg

Kirche und Wirtshaus - zwei Institutionen, wie sie auf den ersten Blick wohl verschiedener nicht sein können. Die Zusammengehörigkeit beider Elemente aber ist auf eine lange Tradition zurückzuführen: Neben jeder imposanten Kirche ist auch ein stattliches Wirtshaus zu finden, in welches man früher nach dem sonntäglichen Gottesdienst einkehrte, um beim Frühschoppen in gemütlicher Runde über die täglichen Dinge des Lebens zu diskutieren. Kirche und Wirtshaus bildeten somit den Kern von Gemeinden und Kleinstädten.

Diese Tradition befindet sich allerdings in einer bedrohlichen Umbruchphase: Die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass Kirchenbindung und Glaubenszugehörigkeit der Menschen abnimmt, ebenso ziehen sich die Leute eher in ihre Häuser vor Fernseher und Computer zurück, anstatt zwischenmenschliche Kontakte zu pflegen. Diese Faktoren bedingen maßgeblich Kirchenflucht und Wirtshaussterben gleichermaßen.

Um dieser problematischen Tendenz entgegenzuwirken und die Tradition der Sozialisationspunkte Kirche und Gasthaus zu bewahren, veranstaltet die Hanns-Seidel-Stiftung Seminare zum Thema "Kirche und Wirtshaus". Die Idee zu dieser besonderen Veranstaltungsform stammt von Dr. Werner Chrobak, Heimatpfleger der Stadt Regensburg. Ihn interviewte Nadja Danninger, zurzeit Praktikantin im Bildungswerk der Hanns-Seidel- Stiftung e.V.

Wallfahrtskirche Mariaort bei Regensburg mit Wirtshaus in unmittelbarer Nähe
Wallfahrtskirche Mariaort bei Regensburg mit Wirtshaus in unmittelbarer Nähe

Herr Dr. Chrobak, wieso arbeiten sie gerade mit der Hanns-Seidel-Stiftung zusammen?

Ich hielt bereits früher Seminare zur bayerischen Landesgeschichte und war durch diese stets konstruktive Zusammenarbeit mit der Hanns-Seidel-Stiftung verbunden. In meinen Augen ist außerdem die Hanns-Seidel-Stiftung für die Geschichte Bayerns zuständig.

Wie lief die erste Kontaktaufnahme ab? Kamen die Gastwirte zuerst auf Sie zu?

Nein, in meiner Heimatgemeinde gab es eine Art Musterwirt. Als ich ihm gegenüber die Idee einer Veranstaltung zu "Kirche und Wirtshaus" äußerte, stimmte er sofort begeistert zu. Wir gewannen dann noch den bayerischen Verein für Heimatpflege, den Bezirk Oberpfalz, den Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband und den Verband mittelständischer Privatbrauereien Bayern hinzu und schließlich eben die Hanns-Seidel-Stiftung, die uns die große Chance bot, Multiplikatorfunktion auf Landesebene zu übernehmen.

Welche Zielgruppe wollen Sie mit dem Seminar ansprechen?

Grundsätzlich versuchen wir alle anzusprechen, jedoch bemühen wir uns besonders, die Zielgruppe Heimatpfleger und Gastwirte zu gewinnen und ihnen ein Instrumentarium mitzugeben, um selbst aktiv werden zu können. Man muss sich ja überlegen, wie das abläuft: Die Kirchenführung dauert je nach Größe der Kirche 45-90 Minuten, anschließend geht es in die Wirtsstube, wo der Wirt selbst gefordert ist, die Geschichte seines Hauses und seiner Familie zu erzählen und Bezüge zur Kirche heute darzustellen. Das Teilnehmerspektrum reicht vom 12-jährigen, den die Eltern mitnehmen, bis zum Pensionär. Ich veranstalte beispielsweise auch "Kirche und Wirtshaus"-Führungen für Kindergartenkinder, wobei die Kinder quasi als Belohnung nach der Führung ein Eis oder eine Limo spendiert erhalten. So bekommt man die Jugend weg vom Computer und sie lernen auch etwas anderes kennen, als die virtuelle Spielewelt.

Und welche Berechtigung besitzt ihrer Meinung nach die Aktion "Kirche und Wirtshaus"?

Man muss darauf hinweisen, dass das Wegbrechen von Bräuchen und Traditionen eine Verarmung der Sozialkontakte darstellt. In Bayern pflegte man ja früher zu sagen: "Der Pfarrer versorgt die Seele und der Wirt den Leib." Dies war lange Zeit unangefochten und wurde nicht hinterfragt. Aus meiner Sicht sind Kirche und Wirtshaus Institutionen, die es wert sind, erhalten zu werden. Die Kirche als Wertevermittler und das Wirtshaus als Einrichtung, die der sozialen Isolation entgegen wirkt. Die Hanns-Seidel-Stiftung liefert uns hier in einer ausgezeichneten Art und Weise Hilfestellung.

2008 werden zwei Seminare zu "Kirche und Wirtshaus" stattfinden: Eines speziell für Gastronomen (7. - 8. März 2008 in Wildbad Kreuth) und erstmals auch ein frei zugängliches Seminar (15. - 16. Februar 2008 in Kloster Banz) für ein breites Publikum. Wo besteht der Unterschied?

Eine absolute Trennlinie wird es sicherlich nicht geben. Jeder kann auch, wenn noch Plätze frei sind, ins Seminar für Gastronomen kommen.