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Referat II/4 Bildung und Erziehung
Paula Bodensteiner
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"Spiel ohne Grenzen?" Frauenhandel bekämpfen - eine europäische Herausforderung

- Prof. Ursula Männle (Foto: Renovabis)
Die Kooperationstagung mit dem "Aktionsbündnis gegen Frauenhandel" und dem katholischen Osteuropa-Hilfswerk Renovabis am 8. März 2007 war bereits die vierte in Folge, die auf das Schicksal von Frauen, die dem Menschenhandel zum Opfer fielen, aufmerksam machte. Zu Beginn der Tagung betonte Prof. Ursula Männle, stellvertretende Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung und Landtagsabgeordnete, wie wichtig es sei, die Missstände des Frauenhandels immer wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rufen und in Zusammenarbeit von Polizei, Justiz, verschiedenen sozialen, caritativen und kirchlichen Hilfsorganisationen und der Politik ein Netzwerk gegen die Gewalt zu schaffen. Gegen dieses Unrecht müsse verstärkt vorgegangen werden. Der Einsatz lohne sich.
Auch Renovabis-Geschäftsführer Burkhard Haneke zeigte den Erfolg dieser Kooperation auf, die dieses Thema in der Öffentlichkeit präsent halte. Er verwies u.a. darauf, dass das Problem des Menschenhandels tiefere Ursachen habe, die auch in der Armut der jeweiligen Länder liegen. Nach Schätzungen der vereinten Nationen werden jährlich circa 500.000 Frauen und Mädchen aus Osteuropa Opfer von Menschenhandel und Ausbeutung. In Deutschland geht man von jährlich 200.000 Zwangsprostituierten aus.

- Heike Rudat (Foto: Renovabis)
Heike Rudat, Kriminaldirektorin und frauenpolitische Sprecherin des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, sprach sich für einen besseren Opferschutz und für ein längeres Aufenthaltsrecht der Opfer, unabhängig von der Aussagebereitschaft aus. Denn nach wie vor stehe oder falle ein Strafverfahren mit der Aussage des Opfers, welches nur bei Sicherheit gegen seine Peiniger aussagen würde. Des Weiteren wies Rudat darauf hin, dass zunehmend Prostituierte aus Osteuropa mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt würden. Ihnen werde der Pass abgenommen, sie werden erheblich in ihrer Freiheit eingeschränkt und statt der großen Einnahmen bleibe ihnen nur das Nötigste.

- Emilia Müller (Foto: Renovabis)
Vorrangig gehe es beim Kampf gegen den Frauenhandel um Prävention, Opferschutz, Strafverfolgung und regionale sowie internationale Kooperation. Dies machte Emilia Müller, Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, deutlich. In Bayern setze man auf einen komplexen Maßnahmenkatalog. Stellvertretend für die vielen Einrichtungen, die sich für Opfer des Frauenhandels einsetzen, nannte die Ministerin die von der bayerischen Staatsregierung geförderten Opfer-Fachberatungsstellen "JADWIGA" und "SOLWODI". Ausdrücklich dankte sie den Tagungsteilnehmern für ihr persönliches Engagement; sie seien ein außerordentlich wichtiges Sprachrohr für die Frauen, die ihrer Würde und Rechte beraubt würden.

- Dr. Johann Fröhlich (Foto: Renovabis)
Dr. Johann Fröhlich, Vertreter des österreichischen Außenministeriums, favorisierte das so genannte italienische Modell. In Anlehnung an eine Regelung in Italien werden Opfer des Frauenhandels in Österreich nicht sofort abgeschoben. Sie erhalten eine sechsmonatige Aufenthaltserlaubnis, unabhängig von einer Aussage vor Gericht.
Eine aufrüttelnde Situationsbeschreibung seiner Heimat gab Anton Cosa, Bischof von Chisinau in der Republik Moldova (Moldawien). Dieses südosteuropäische Land gilt als eines der bevorzugten Länder für Menschenhändler. Hauptursache sei die Armut. Moldawien habe 4,3 Millionen Einwohner, davon lebten 29 Prozent unter dem Armutsniveau. Man gehe von 25 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, die wegen der Suche nach Arbeit abgewandert seien. Leidtragende dieser Entwicklung seien die Familien, insbesondere die Frauen. Diese würden in jeglicher Hinsicht ausgebeutet.

- Bischof Anton Cosa (Foto: Renovabis)
Die katholische Kirche vertrete in der Republik Moldova zwar nur eine Minderheit der Bevölkerung, sie kämpfe in der Öffentlichkeit aber unermüdlich für die Würde der Frau und helfe Opfern von Frauenhandel nach Rückkehr in die Heimat bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft.
Die Teilnehmer der Tagung waren einhelliger Meinung, dass beim Thema Frauenhandel Aufklärung, Information und Kampagnearbeit nicht nachlassen dürfe. Die filmischen Einspielungen der Journalistin Inge Bell steigerten die Betroffenheit und verdeutlichten zusätzlich, dass gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution vorgegangen werden muss.
Die Beiträge dieser Veranstaltung werden demnächst als Schwerpunktthema in den Politischen Studien veröffentlicht.

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