Publikationen

Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
Schutzgebühr: Keine
Download der Publikation
Diese Publikation bestellen

Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
Schutzgebühr: Keine
Download der Publikation
Diese Publikation bestellen

Aktuelle Veranstaltungen

Dienstag, 22. Januar 2013

Krumbach

Profi mit Handy, Internet und Medienrecht

Dienstag, 22. Januar 2013

München

Eurokrise / Währungskrise

Dienstag, 22. Januar 2013

München, Konferenzzentrum

US Pivot towards Asia? Will Obama´s Second Term Bring New Developments?

Hanns-Seidel-Stiftung im Web 2.0

Meine HSS

Seite hinzufügen
löschen
 

Western - der amerikanische Heimatfilm?

Die Teilnehmer des Filmseminars in Wildbad Kreuth; Professor Bruchner in der ersten Reihe (5. v. li.)
Die Teilnehmer des Filmseminars in Wildbad Kreuth; Professor Bruchner in der ersten Reihe (5. v. li.)

"Go west, young man, and grow up with the country!" lautete der historische Aufruf von John Babson Lane Soule im Jahre 1850, um das Unbekannte zu erobern. Prof. Eckart Bruchner, Lehrer am Gymnasium Gauting und Direktor der Interfilm-Akademie München/Antwerpen, stellte vom 20. bis 22. Juli 2007 verschiedene Western vor, die unterschiedlichen Entstehungs- und Entwicklungsphasen des Genres zuzuordnen sind.

Als Beispiel für jene Filme, die am Vorabend des 2. Weltkriegs entstanden sind, stand "Stagecoach" aus dem Jahre 1939. In ihren Protagonisten wurde das Eintreten für Recht und Gerechtigkeit deutlich erkennbar und herausgearbeitet. Dabei wird auch die ungebrochene positive Einstellung der Vereinigten Staaten zu ihrer eigenen Geschichte und den überkommenen Wertvorstellungen deutlich. Diese gilt es stets zu verteidigen und auch genügend Energie dafür aufzubringen, damit auch andere Länder wieder in die Rechtsstaatlichkeit zurückgeführt werden können. Das Engagement der Vereinigten Staaten ist wohl weltweit unter diesem Aspekt neu zu bewerten.

Im Film "El Dorado" von Howard Hawks aus dem Jahre 1966 sind die Männer, die für Recht und Gerechtigkeit eintreten, offenbar in der entscheidenden Schlussszene unterlegen. Doch ihr Heldentum, ihr Mut und ihr unverbrüchliches Vertrauen in die Gerechtigkeit verleiht ihnen List und Kraft genug, das Böse zu überwinden. Und für den sich dem "Rentenalter" nähernden Gesetzeshüter Cole bleibt die sinnstiftende Perspektive, in Molly dennoch Frau und Heim auch für sich zu erleben. Der Referent demonstrierte den Seminarteilnehmern aber auch bei verschiedenen weiteren Filmen die Anfänge, deren Choreographie und vor allem die Unterschiede von der englischsprachigen Originalfassung zu den in Deutsch veröffentlichten Ausgaben.

In "Unforgiven" ("Erbarmungslos") aus dem Jahre 1992 von und mit Clint Eastwood übertrifft dieser sich zunächst selbst und legt einen Western auf, in dem er nicht mehr wie zuvor als "Machoheld" vorgestellt wird. Er schlägt sich auf die Seite der Schwächeren, der Huren. Man kann Eastwoods Film durchaus als "Anti-Western" oder "feministischen Western" bezeichnen, so Professor Bruchner. Darüber hinaus wird auch mit gängigen Klischees gebrochen. "Wenn jemand zusammengeschlagen wird, dann steht er auch nicht gleich wieder auf", so Bruchner. "Leid, Elend und Tod haben ihren Preis und sind jeweils schrecklich. Auch das Sterben bekommt ein Gesicht, es dauert und ist schmerzlich."

Zu dem Film "Der Mann, der Liberty Valance erschoss!", im Jahre 1962 von John Ford gedreht, lässt sich abschließend festhalten, dass die Reflexion über den Western und seine voller Paradoxien steckenden Mythen ein Schlüssel zum besseren und differenzierteren Verständnis der Vereinigten Staaten sein kann. Den amerikanischen Western unter dem Aspekt des Heimatbegriffs zu betrachten, drängt sich bei näherem Hinsehen von selbst auf. Schließlich geht es auch um die Siedlungs- und Besiedlungsgeschichte Nordamerikas.

Der abschließende Baustein am dritten Seminartag war mit "Kino-Kirche-Mediation" überschrieben. Dabei wurde anhand von Genesis 4.1-16 die Kain- und Abelgeschichte vorgetragen, exegetisch gedeutet und mit dem Aspekt von "Sesshaftigkeit - und Nomadentum!" thematisiert. Der sesshaft gewordene Kain beneidet den unabhängigen und herumziehenden Abel, der als Hirte für das Nichtsesshafte steht, während Kain als Ackerbauer mit festen Grenzen zu leben hat. Sesshaftigkeit und Freiheit, zwei Wirklichkeiten, die den in den Westen aufbrechenden Siedlern vertraut sein dürften. Sie erleben sich auf der Suche nach Siedlungsland (noch als Nomaden) als Weggemeinschaft, die sich gegenseitig schützt. Mit dem Erwerb von Land und Boden beginnt eine neue Existenz: Zukunft ein Lebenssinn, für den man eintritt, den man verteidigt. Aber das schafft auch eine gewisse Konkurrenzsituation! Wer hat das größte Stück Land, die besten Rinder, die ertragreicheren Felder? usw. "Neidgeschichten" wie die in der Genesis sind es auch, die die neuen Siedler zu Konkurrenten, zu Gegnern machen können.

"Den Western selbst kann man durchaus als amerikanischen Heimatfilm bezeichnen", so Professor Bruchner. "Er ist auch die Filmgattung, deren Anfänge annähernd mit denen des Films an sich zusammenfallen".