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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Politik und Gesellschaft in Computerspielen

Der Wiener Politikwissenschaftler und Computerspielbetreiber Dr. Peter Merschitz (li.) in der Diskussion mit Karl Heinz Keil
Der Wiener Politikwissenschaftler und Computerspielbetreiber Dr. Peter Merschitz (li.) in der Diskussion mit Karl Heinz Keil

Vortragsveranstaltung zum größten Online-Demokratiespiel im deutschsprachigen Raum
Lassen sich womöglich politikferne Zielgruppen, die mit den traditionellen Medien der politischen Bildung kaum mehr ansprechbar sind, durch Computerspiele erreichen? Dieser theoretischen Frage ging Dr. Peter Merschitz, Politikwissenschaftler und Betreiber des in Österreich entwickelten Onlinespiels Power of Politics, am praktischen Beispiel nach. Die Vortragsveranstaltung fand am 9. Oktober 2008 im Konferenzzentrum München statt.

Ausgehend von einer eigenen empirischen Studie analysierte Dr. Peter Merschitz einleitend Kennzeichen und Verhalten von Jungwählern in Österreich. Dr. Merschitz geht davon aus, dass die wesentlichen Ergebnisse auch auf Deutschland übertragbar seien. Es sei festzustellen, so der Referent, dass sich die sozialen Großgruppen zunehmend auflösen und damit auch die milieubedingte Bindung an bestimmte Parteien. Zudem sei die Individualisierung und der Einfluss von Massenmedien bei Jungwählern ein wesentliches Charakteristikum. Das politische Wissen sei dagegen gering und die politische Meinung häufig unreflektiert.

Dr. Merschitz leitet aus diesen Ergebnissen ab, dass junge Menschen in der politischen Bildungsarbeit nicht ausschließlich kognitiv angesprochen werden dürfen. Traditionelle Methoden müssen ergänzt werden und hierzu biete sich der spielerische Ansatz an. Fakt ist: Computerspiele sind heute ein fester Bestandteil der jugendlichen Lebenswelt und sollten daher auch größere Beachtung innerhalb politischer Bildung finden. Pädagogen und Psychologen legen zwar regelmäßig Studien vor, die wahlweise häufig die immensen Gewaltpotenziale von Computerspielen oder aber seltener deren positive Folgen für die Sozialisation Jugendlicher herausstellen. Die Frage nach "Computerspielen und Politik" ist aber ein bisher wenig untersuchter Bereich.

Das von Dr. Peter Merschitz und seinem Kollegen Tim Preuster entwickelte Politiksimulationsspiel Power of Politics (siehe Link unten) ging im November 2005 mit dem Ziel "Verringerung der Politkverdrossenheit" online. Jeder Spieler übernimmt in Power of Politics die Rolle eines virtuellen Politikers. Dabei kann man zur Zeit in Österreich, Deutschland, Liechtenstein oder der Schweiz antreten. Die politischen Bezirke im Spiel entsprechen dabei den realen Bezirken der jeweiligen Länder. Alle Politiker beginnen ihre Karriere auf Bezirksebene und versuchen ihre Popularität zu steigern. Dazu können sie verschiedene Termine absolvieren, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern, ihr Wissen in bestimmten Gebieten vergrößern oder ihr Selbstbewusstsein erhöhen.

Wie erfolgreich die Politiker dabei sind, hängt unter anderem auch von realen Ereignissen ab: Aus über 100 deutschsprachigen elektronischen Zeitungen werden Nachrichten extrahiert und daraus bestimmt, welche Themen im Moment wichtig für die virtuelle Wählerschaft sind und welche nicht. Im Spiel sind die Politiker in Parteien organisiert, die teilweise schon einige hundert Mitglieder haben. Das führt dazu, dass Power of Politics ein Spiel mit extrem hohen Kommunikationsanteil ist, so Merschitz. Viele der Spielziele können nur durch intensive Kommunikation zwischen den Spielern erreicht werden und dies solle auch die demokratische Kommunikationskultur stärken.

In der anschließenden Diskussion manifestierte sich das Hauptproblem dieses aber auch vergleichbarer Spiele: Die Spieler haben durchschnittlich eine formal überdurchschnittliche Bildung und häufig bereits einen Bezug zu politischen Themen. Die Aufgabe bildungsferne Schichten an Politik heranzuführen, kann also auch ein Computerspiel nur bedingt unterstützen.

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