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Referat III/4 Politische Grundlagen und Grundwerte, Schule und Bildung, Regionalbeauftragte
Stefanie v. Winning
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Die Zukunft der Energieversorgung in den Kommunen
Der gerade innerhalb der letzten 12 Monate außerordentlich starke Anstieg der Energiepreise und die damit verbundenen Kostenbelastungen im privaten wie kommunalen Bereich sind sicherlich ein Auslöser für das inzwischen enorm gestiegene Interesse an den erneuerbaren Energien. Aus diesem Anlass trafen sich 30 Kommunalpolitiker aus ganz Bayern vom 18. bis zum 20. Juli 2008 zu einem Seminar in Wildbad Kreuth.
Das Seminar begann mit einer Einführung zum aktuellen Stand der Nutzung alternativer Energien, wobei die Fördermöglichkeiten, insbesondere im kommunalen Bereich den inhaltlichen Schwerpunkt darstellten. Zentraler Gegenstand waren jedoch die Exkursionsobjekte am zweiten Seminartag: Tiefengeothermie Unterhaching und Kraft- Wärme-Kopplung, d. h. gleichzeitige Strom- und Wärmeerzeugung mit Holzhackschnitzel, der Gemeinde Sauerlach. Abschließend wurde in einem Referat das Thema "Klimaschutz heute und morgen" behandelt.

- Wärmetauscher-Anlage zur Übertragung der Energie im Thermalwasser an das Kreislaufwasser zur Wärmeversorgung und Stromerzeugung
Tiefengeothermie Unterhaching
Der Begriff Tiefengeothermie wird ab Bohrtiefen von 400 m verwendet. In Bayern besteht die Möglichkeit Aquifere, d. h. Heißwasserreservoire, im sog. Molassebecken zu nutzen, welches sich südlich der Donau bis zum Alpenrand erstreckt. Die Bohrtiefen zum Erschließen dieser Potentiale liegen zwischen ca. 2.000 m und mehr als 4.000 m am Alpenrand, die entsprechenden Wassertemperaturen belaufen sich auf 550 C bis 1500 C. Einen groben Überblick über Wassertemperaturen und Tiefen liefert der Bayerische Geothermie-Atlas, für eine exakte Ortung empfiehlt sich jedoch die Erkundung mittel Reflexionsseismik. Die geologische Schichtung wird dabei mit kleinen Sprengungen untersucht. Zur Vermeidung von Fehlinvestitionen ist diese Vorgehensweise zu empfehlen, da die Kosten für Doppelbohrungen zur Thermalwasser-Entnahme und Wasser-Reinjektion bei einer Tiefe von 3.500 Metern durchaus zweistellige Millionenbeträge erreichen können.
Geothermische Projekte zur Wärme- und Stromgewinnung sind in Deutschland noch ein Novum. Neben der Anlage in Unterhaching befindet sich eine weitere in Landau in der Pfalz und eine dritte Anlage mit einer elektrischen Leistung von nur 500 kW in Neustadt-Glewe in Mecklenburg-Vorpommern.
- ORC-Anlage, Biomasseheizkraftwerk Sauerlach
Biomasseheizkraftwerk Sauerlach
Für die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien werden seitens des Freistaates Bayern umfangreiche Fördermittel bereitgestellt: Seit 1990 insgesamt mehr als 520 Mio. € Zuschüsse und 450 Mio € zinsverbilligte Darlehen, dabei flossen allein in die Förderung von Biomasse-Projekten rund 225 Mio. € . Damit erklärt sich auch die enorme Dynamik bei der Verwertung von Biomasse, deren energetische Nutzung seit 1990 um 50 % gesteigert werden konnte. Biomasse insgesamt deckt heute gut 5 % des Primärenergieverbrauchs in Bayern. Holz stellt den weitaus größten Anteil beim Biomasse-Einsatz. So werden pro Jahr rund 4 Mio. Tonnen (atro = absolut trocken) zur Energiegewinnung eingesetzt, der größte Anteil kommt aus der Waldwirtschaft.
Aktuell sind in Bayern über 2.000 Biomasse-Anlagen mit mehr als 150 kW Wärmeleistung installiert. Auch bei der Biomasse-Nutzung stellt die Kraft- Wärme-Kopplung, also die gleichzeitige Wärme- und Strom-Erzeugung den Königsweg dar.
Dr. Erich Ortmaier, Akad. Dir. a.D.,TU-München, Verfasser ökonomischer Expertisen für erneuerbare Energien - Mitglied im Energiebeirat des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie

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