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Referat II/7 Arbeit und Soziales, Demographischer Wandel, Familie, Frauen und Senioren
Dr. Susanne Schmid
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Glaube und Vernunft
In seiner Regensburger Rede "Glaube, Vernunft und Universität" thematisierte Papst Benedikt XVI. am 12. September 2006 den Status von Ethik und Moral. Massiv befördert durch die Reformation und die Liberale Theologie des 19. und 20. Jahrhunderts, so seine These, sei es zu einer "Enthellenisierung" des Christentums gekommen. Diese habe Logos und Glauben aus ihrer produktiven inneren Einheit herausgelöst, so dass die positivistische Vernunft, die jeden Glauben zurückweise und "dem Göttlichen gegenüber taub" sei, nun Triumphe feiere - ein für die Menschheit gefährlicher Zustand, wie heute - an den uns bedrohenden Pathologien der Religion und der Vernunft, die notwendig ausbrechen müssen, wo die Vernunft so verengt wird, dass ihr die Fragen der Religion und des Ethos nicht mehr zugehören", wahrgenommen werden könne.
Die Akademie für Politik und Zeitgeschehen nahm diese Regensburger Rede, deren scharfe Kritik an den vermeintlich Bindungslosigkeit und Moralverlust befördernden Individualisierungstendenzen des Protestantismus neben den weltweit aufsehenerregenden Passagen zum Islam in der Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen wurde, am 31. Januar/1. Februar 2008 zum Anlass, im Rahmen einer Expertentagung multiperspektivisch nach dem grundsätzlichen Verhältnis von Glaube und Vernunft sowie dessen Auswirkung auf Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zu fragen.
Eröffnet wurde die Tagung mit einem Vortrag von Prof. Dr. Armin Kreiner, der sich in seinem Referat vor allem auf den kritisch rationalen Vernunftbegriff und dessen Verhältnis zum Glauben konzentrierte. Im zweiten von sechs Panels regte unter anderem Prof. Dr. Walter Schweidler mit seinem Referat über die Weite der Vernunft den interdisziplinären Austausch an. Dem dritten, der Sphäre der Politik gewidmeten Panel folgte ein Kamingespräch, in dem Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Robert Spaemann, Alois Glück, MdL, und Dr. Christoph Böhr, MdL, unter der Moderation von Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair das Verhältnis von Glaube, Vernunft und Werten aus einer europäischen Perspektive analysierten.
Den zweiten Tag eröffnete PD Dr. Alf Christophersen mit seiner Sicht auf die Protestantismuskritik Benedikts XVI. Prof. Dr. Dr. Wolfgang Ockenfels OP argumentierte im fünften Panel aus der Perspektive der katholischen Soziallehre. Im letzten Vortrag des sechsten Panels stellte Prof. Dr. Dr. Reinhold Esterbauer abschließend die Frage, ob die Aufklärung wirklich Religion geworden sei.
Auch wenn eine finale Verhältnisbestimmung von Glaube, Vernunft und Politik aufgrund des breiten Spektrums der gehaltenen Referate letztlich offen bleiben musste, konnte die Expertentagung doch die Konturen der jeweiligen Begriffe klar herausarbeiten. Die Herausgabe eines ausführlichen Tagungsbandes wurde von Dr. Philipp W. Hildmann noch für das Jahr 2008 in Aussicht gestellt.

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