Kontakt
Referat III/1 Politisches Management und Kommunikation, Medien und Innovation
Karl Heinz Keil
Tel.: 089 1258-311 | Fax: -338
E-Mail: keil@hss.de
Publikationen
Aktuelle Veranstaltungen
Grüne Gentechnik – Chancen und Risiken

- Die Zuhörer des Vortrags im Konferenzzentrum München
"Würden Sie gentechnisch veränderte Lebensmittel essen?" - mit dieser an sich selbst gestellten Frage begann Dr. Klaus-D. Fascher vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, seinen Vortrag "Grüne Gentechnik - Chancen und Risiken" am 24. April 2008 im Konferenzzentrum München. Der Referent lieferte auch gleich seine persönlich motivierte Antwort dazu: "Ja, das würde ich. Aber ich brauche sie nicht!"
Diese Haltung versuchte Dr. Fascher im Verlauf seiner Ausführungen zu begründen. Zunächst begann er aber mit einigen grundsätzlichen Definitionen und der Erläuterung von Rahmenbedingungen. So sei der Begriff Gentechnik im Gentechnikgesetz (GenTG)definiert und bedeute die "Übertragung von Erbmaterial, insbesondere über Artgrenzen hinweg". Der Vollzug des genannten Gentechnikgesetzes liegt in Bayern in Händen des Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Die Gentechnik-Sicherheitsverordnung als untergesetzliches Regelwerk zum GenTG regelt Sicherheitsanforderungen an gentechnische Arbeiten in gentechnischen Anlagen. So gebe es Anlagen mit vier Sicherheitsstufen: S1 bis S4.
Im globalen Markt sei Gentechnik in der Landwirtschaft inzwischen zu einer relevanten Größe geworden: Es gibt 23 Anbauländer, darunter USA, Argentinien, Brasilien, Indien, China oder auch Südafrika. Gentechnisch veränderte Pflanzen werden schon auf acht Prozent der global verfügbaren landwirtschaftlichen Fläche angebaut. Dabei geht es vor allem um Soja, Mais, Baumwolle und Raps. In Europa ist derzeit nur der sogenannte Bt-Mais (MON 810) für den Anbau genehmigt. Der Bt-Mais ist eine Variante, in die ein Gen des weltweit verbreiteten Bodenbakteriums "Bacillus thuringiensis" eingeschleust wurde. Die Pflanze produziert dadurch ein bakterielles Eiweiß (Bt-Toxin), an dem die Larven bestimmter Schadinsekten wie z. B. des Maiszünslers zugrunde gehen. Die Larven dieses Nachtfalters sind weltweit für Ernteverluste verantwortlich. Das Gen wurde auch in eine Reihe weiterer Pflanzen eingebaut, um so eine Resistenz gegen Schädlinge wie den Maiszünsler zu erreichen. Dr. Fascher sprach sich für eine Koexistenz in der Landwirtschaft aus: Konventionelle Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik sowie biologische Landwirtschaft stehen aktuell auch rechtlich gleichberechtigt nebeneinander.

- Dr. Klaus-D. Fascher referierte über "Grüne Gentechnik - Chancen und Risiken"
Einzelfallbetrachtung notwendig - Grüne Gentechnik besitzt Chancen und Risiken
Die aktuelle Situation auf dem Lebensmittelmarkt ist in der EU von den strengsten gesetzlichen Bestimmungen und Kennzeichnungsregelungen weltweit charakterisiert. Derzeit seien praktisch keinerlei kennzeichnungspflichtige Produkte auf dem Markt der Europäischen Union. Ausgenommen von der Kennzeichnungspflicht seien mit Hilfe genetisch veränderter Bakterien hergestellte Enzyme, Vitamine, und Aromen, die bei der Herstellung von Lebensmitteln verwendet oder diesen zugesetzt werden. Schätzungen gehen davon aus, dass über die Hälfte aller Lebensmittel auf diese Weise mit Gentechnik in Berührung gekommen ist.
Das Fazit der Vortrags lautete: Grüne Gentechnik besitze Chancen und Risiken, wobei die Risiken, wie zum Beispiel Allergien, nicht grundsätzlich neuartig seien. Notwendig sei eine Einzelfallbetrachtung. Eine pauschale Befürwortung oder Ablehnung der grünen Gentechnik sei nicht sinnvoll. Fest stehe aber, dass es sich dabei global betrachtet um eine Zukunftstechnologie mit wirtschaftlicher Bedeutung handle, so Dr. Fascher.

Themen
