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Referat III/5 Recht, Geschichte und Kultur
Dr. Birgit Strobl
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Seminar zur Landesgeschichte - Post und Politik in Bayern

- Dr. Karin Amtmann erläutert die Bedeutung der Nachrichtenübermittlung bei den Habsburgern (der Habsburger Kaiser Karl V im Hintergrund).
Schon die Ägypter, Babylonier und Perser verfügten über ein relativ gut organisiertes und ausgebautes Nachrichtenwesen. Großreiche wie China und Rom nutzten Wechselstationen zur Beschleunigung der Nachrichtenübermittlung. In festgelegten Stationen (Posten) konnten Boten oder Reisende Zugtiere wechseln. Die Organisation solcher "Posten" (Staffeten) war teuer. Es mussten Straßen gebaut und Stationen mit Personal und Tieren bereitgestellt werden.
Nach dem Ende des römischen Reiches fand die Staffete in Europa zunächst keine Anwendung mehr. Im Mittelalter konnte weder der Adel, die Kirche noch der Handel eine so teuere Nachrichtenübermittlung finanzieren. Die Römer hatten aber den Völkern in Mittel- und Südeuropa ein intaktes Straßennetz hinterlassen. So konnten Fußboten und berittene Kuriere auch weiter über größere Entfernungen Nachrichten übermitteln. Im Mittelalter war das Kommunikationsbedürfnis vor allem anhand von Botenanstalten befriedigt worden. Kirchen, Klöster, Städte, Universitäten und landesherrliche Kanzleien richteten eigene Bodenanstalten ein, die jedoch nicht für die Allgemeinheit zugänglich waren.
Dies änderte sich erst mit den Anfängen der Taxis. Initiator war hier Kaiser Maximilian (1459-1519), der seine aufstrebenden Habsburger Lande mit einem Beförderungssystem ausstatten wollte. Dazu holte er 1490 die Taxis an seinen Innsbrucker Hof. Die Errichtung der Post hatte freilich politische Gründe: Die Habsburger Besitzungen, Italien und die Niederlande sollten als Wirtschaftsmächte verbunden werden. Ohne Postverbindung wäre dieses Großreich nicht mehr regierbar gewesen. Die habsburgischen Posten der ersten Jahre dienten fast ausnahmslos für dynastische und staatliche Belange - die Allgemeinheit blieb zunächst von der organisatorischen Neuerung vollkommen ausgeschlossen. Aus finanziellen Gründen aber machte Taxis seine Posten in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch für die Allgemeinheit zugänglich. Damit öffnete sich dieses System auch für Privatpersonen. Die Beförderung unter Taxis war zwar sehr kostspielig, wäre bei Beauftragung eines Boten jedoch noch teuerer gewesen. Dies machte das Unternehmen Taxis rentabel.

- Kamingespräch mit Dr. Wolfgang Bötsch, Bundesminister für Post und Telekommunikation a.D., über Kontinuität und Wandel bei Post und Telekommunikation.
Nach dem Untergang des Alten Reiches bestand auch für das Land Bayern die Möglichkeit, eine eigene Post zu gründen. 1805 wurden Postbeamte in kurfürstliche Pflicht genommen und der bayerischen Gerichtsbarkeit unterstellt. Bei Poststationen wurde der Reichsadler entfernt und nationalbayerische Symbole angebracht.
Mit der Übernahme der Post hatte sich ein alter Souveränitätsanspruch erfüllt. Bereits seit Kurfürsten Maximilian I. (1597-1651) war Bayern bestrebt, nach norddeutschem reichsständischen Vorbild eigene Landesposten zu errichten, was jedoch am Einspruch des Kaisers gescheitert war. Bei Thronwechsel zu Ludwig I. war das Postwesen soweit gefestigt, dass die Einnahmen aus dem Postwesen im Staatshaushalt eine immer größere Rolle spielten. Ludwig I. verwendete diese jedoch primär zur Verfolgung seiner repräsentativen Ideen, so z.B. durch den Umbau des Törring-Palais in München in ein Postgebäude. Für die praktischen Bedürfnisse der Post war es jedoch leider nicht genügend.
Unter Ludwig I. galt die Post vor allem als Einnahmequelle. Er instrumentalisierte das Postwesen für seine persönlichen politischen und finanziellen Ziele, ohne Rücksicht auf öffentliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Forderungen, wobei die finanziellen Interessen aufgrund der politischen Ereignisse in den Hintergrund traten.

- Prof. Dr. Reinhard Heydenreuter beschreibt das Aussehen der ersten Briefmarke in Bayern, die Allerheiligen 1849 als "schwarzer Einser“ auf den Markt kam.
Unter Max II wandelte sich dies grundlegend. Dieser Regent sah in der Post ein Instrument zur Belebung von Handel, Verkehr und Wirtschaft und förderte sie entsprechend. Nunmehr wurde auch die 1840 eingeleitete Postreform durchgeführt; 1848 ein Ministerium für öffentliche Arbeiten gegründet, bei dem die Post angesiedelt wurde.
Diese immense Zeitspanne wurde von Dr. Karin Amtmann und Prof. Dr. Reinhard Heydenreuter auf dem Seminar zu Post und Politik in Bayern behandelt. Nicht nur Philatelisten kamen dabei auf ihre Kosten, auch der geschichtsinteressierte Teilnehmer konnte sich die Bedeutung der Kommunikation über die Jahrhunderte hinweg vor Augen führen. Sie mündet in unserer Zeit in der modernen Informationsgesellschaft.

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