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Referat III/6 Familie, Frauen, Senioren, Religion und Gesellschaft, Integration
Dr. Bok-Suk Ziegler
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Wie viel Religion verträgt der Religionsunterricht?
Kooperationsseminar mit dem Religionspädagogischen Zentrum Heilsbronn, 16.-18. Juni 2008 in Wildbad Kreuth
In einer sich verändernden Bildungslandschaft steht auch der Religionsunterricht (wieder einmal) in der Diskussion. Was kann und soll er zu einer kompetenzorientierten Allgemeinbildung beitragen? Was überhaupt sind religiöse Kompetenzen und wie verortet sich religiöse Bildung an der öffentlichen Schule zwischen Kirche und Staat? Welche neuen Aufgaben wachsen der Kirche etwa in der Ganztagsschule zu?
Exemplarisch für diese Diskussion ist die Auseinandersetzung um die sogenannte "performative Religionspädagogik". Thomas Klie, einer ihrer wichtigsten Vertreter, Professor für Praktische Theologie an der Universität Rostock, eröffnete die Tagung mit einem Plädoyer für einen Religionsunterricht, in dem nicht nur "über" Religion geredet, sondern Religion inszeniert und in Form gebracht wird. Angesichts immer größerer Distanz der Jugendlichen zu kirchlichen Traditionen kann der Unterricht Raum für "religiöses Probehandeln" geben, ohne damit "Kirche in der Schule" zu werden.

- Dietrich Zilleßen
Godwin Lämmermann, Professor für Religionspädagogik in Augsburg, hielt dagegen: nicht um "Relishow" gehe es im Religionsunterricht, sondern in guter protestantischer Tradition um kritische Rationalität. Am "Denk-Ort" Religionsunterricht sollen Schülerinnen und Schüler reflexionsfähig werden in Sachen Religion und Ethik.
Dietrich Zilleßen, em. Professor für Religionspädagogik und Systematische Theologie in Köln, warnte davor, von einer "Performance" im Unterricht falsche Unmittelbarkeit ("Geborgenheitsreligion") zu erwarten. Performativität versteht er als Dimension des Unverfügbaren im Unterricht; Methoden des "Aufstellens" und "Darstellens" (die die Teilnehmenden praktisch erproben durften) sowie die Arbeit mit Kunst verschaffen ungewohnte Perspektiven, dienen dem Einüben des "fremden Blicks", helfen, den Abstand zum Göttlichen zu wahren und den anderen Menschen nicht zu vereinnahmen

- Landesbischof Dr. Johannes Friedrich
Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion zum Thema: "Inszenierung - Wertevermittlung - Seelsorge - Wohin steuert der Religionsunterricht?" Als Ehrengast konnte Landesbischof Dr. Johannes Friedrich begrüßt werden, der dem Thema Bildung sowie der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Evangelischen Landeskirche höchste Priorität einräumte. Mit ihm diskutierten Dr. Sandra Krump vom Schulreferat des Erzbischöflichen Ordinariats München-Freising, Dr. Hans W. Thum vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung, Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung und Prof. Dr. Dietrich Zilleßen. Einigkeit bestand darin, dass der Religionsunterricht sich nicht vereinnahmen lassen dürfe, auch nicht für gängige Erwartungen wie "Wertevermittlung", sondern dass er sein "Kerngeschäf" - "die Gottfähigkeit des Menschen zu erhalten und entfalten" (Krump) und "dem Menschen Wert und Würde zurückzugeben" (Drobinski) im Auge behalten müsse. Die Tagungsteilnehmer - Schulbeauftragte, Lehrkräfte aller Schularten sowie Aus- und FortbildnerInnen - wurden ermutigt, den Religionsunterricht selbstbewusst im Kanon der Unterrichtsfächer zu vertreten und im Schulleben einzubringen.
StDin Ingrid Grill-Ahollinger, Fachberaterin für Ev. Religionslehre an den Gymnasien in Bayern (Süd)

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