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"And the winner is ...?" - Expertenrunde zum US-Präsidentschaftswahlkampf

- Michael Allen
"Zu glauben, die Republikaner seien aus dem Rennen, könnte sich noch als Irrtum erweisen", warnte Michael Allen, Chefkorrespondent der politischen Internet-Plattform "politico.com", bei der am 9. April 2008 in München gemeinsam vom German Marshall Fund (GMF) und der Hanns-Seidel-Stiftung Berlin organisierten Expertenrunde mit amerikanischen Politikmanagern zum laufenden Wahlkampf in den USA.
In mehrfacher Hinsicht war diese Podiumsdiskussion über den aktuellen Wahlkampfverlauf in den USA die Fortsetzung einer ersten Diskussionsrunde über die amerikanische Präsidentschaftswahl 2008, die im November 2007 in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin stattgefunden hatte - ebenfalls in Kooperation mit dem German Marshall Fund. Seinerzeit war es der Meinungsforscher Carroll Dogherty (Pew Research Institute Washington) gewesen, der zur Vorsicht gegenüber der vorherrschenden Erwartung mahnte, Hillary Clinton würde den parteiinternen Wahlkampf der Demokraten aufgrund ihres frühzeitigen Vorsprungs leicht für sich entscheiden können. Die letzten Monate haben gezeigt, wie richtig Dogherty damit bereits im November 2007 lag. Denn seither hat sich die politische Lage grundlegend verändert. All jene Experten, die damals ein Rennen zwischen Hillary Clinton und dem New Yorker Ex-Bürgermeister Robert Giuliani prognostizierten, wurden gründlich blamiert. So betonten die Podiumsteilnehmer dieser zweiten Runde in München denn auch ausdrücklich, dass sich der Wahlkampf dieses Mal bis zum Schluss noch als äußerst wechselvoll und spannend erweisen werde.

- Juleanna Glover
Neben Michael Allen, Korrespondent des amerikanischen Internetforums politico, legte dies im Konferenzzentrum München der Hanns-Seidel-Stiftung die republikanische Lobbyistin Juleanna Glover, die u.a. für US-Vizepräsident Dick Cheney, Rudy Giuliani und Senator John McCain arbeitete, sowie der Demokratische Parteistratege und CNN-Kommentator Jamal Simmons unter der Diskussionsleitung von Ursula Soyez (GMF) dar.
"Überraschungen stehen derzeit hoch im Kurs", so Michael Allen. John McCain sei von zu vielen zu lange unterschätzt worden. Man dürfe nicht vergessen, dass die Amerikaner Fragen der nationalen Sicherheit außerordentlich hoch bewerteten und McCain hier einen klaren Kompetenzvorsprung habe. Ob dies wahlentscheidend sein werde, müsse sich freilich erst noch zeigen. Ein zweites Themenfeld, das den restlichen Wahlkampf entscheidend prägen könnte, sei die von Rezession bedrohte amerikanische Wirtschaft, warf Allen ein. Hier habe der republikanische Senator aus Arizona programmatischen Nachholbedarf, wolle er das Rennen um die amerikanische Präsidentschaft machen.
Als weitere Überraschung erwies sich für nahezu alle Beobachter der "Hype" um Barack Obama und der Einbruch "des Hauses Clinton" bei den Vorwahlen. Dass Obama die Massen nicht nur bei den Demokraten in diesem bisher nicht dagewesenen Ausmaß begeistert und darüber hinaus diese Begeisterung auch in finanzielle Unterstützung übersetzen konnte, ist für Michael Allen einer hochmodernen und sehr geschickten Wahlkampfkampagne zu verdanken. So gelang es Obama allein im März, 40 Millionen US-Dollar einzunehmen, mehr als John McCain während seiner ganzen bisherigen Kampagne für die Republikaner sammeln konnte.

- Ursula Soyez
Einen Einblick in diese unkonventionelle und neuartige Kampagnenfähigkeit gab auf dem Münchner Podium der Demokratische Stratege Jamal Simmons. Angesichts der Dominanz Clintons bei den traditionellen Parteiunterstützern, so Simmons, sei Obama gezwungen gewesen, ganz neue Wege zu gehen - vor allem über das Internet. Einer Heerschar von freiwilligen Web-Usern sei es zu verdanken, dass über die direkte Ansprache von Wählern im Netz unzählige Kleinspender geworben werden konnten. Deren Minispenden addierten sich schließlich zu dieser "unglaublichen" Spendensumme. Außerdem habe Barack Obama im Gegensatz zu Hillary Clinton seinen Wahlkampfslogan "Change you can believe in" seit Anfang der Kampagne konsequent und eingängig kommuniziert. Clinton hingegen habe von Woche zu Woche viel zu oft ihre Botschaft gewechselt, kritisierte Simmons.
Auf die Frage, welchen Demokratischen Gegner John McCain wohl bevorzugen würde, antwortete die Republikanische Politik-Beraterin Juleanna Glover, dass er es mit beiden aufnehmen könne. Ihrer Ansicht nach wird der Person des nominierten Vizepräsidenten dieses Mal eine bedeutendere Rolle zu fallen als in früheren Wahlkampf-Auseinandersetzungen. So benötigt für Juleanna Glover ein Präsidentschaftskandidat Barack Obama dringend einen ausgewiesen und erfahrenen Sicherheitspolitiker an seiner Seite, während der bereits 71-jährige John McCain wegen seines Alters einen jungen, fähigen Stellvertreter brauche.

- Jamal Simmons
Einig waren sich die drei amerikanischen Politikexperten, dass der sich ungewöhnlich lange hinziehende Konkurrenzkampf bei den Demokraten dem Republikaner John McCain zum Vorteil gereicht. Allerdings sei nicht zu erwarten, dass diese unentschiedene Konstellation tatsächlich bis zum endgültigen Demokratischen Nominierungs-Konvent im August bestehen bleibt. Vielmehr sei davon auszugehen, dass bei den Demokraten spätestens am 3. Juni, dem letzten Vorwahltermin, eine Entscheidung falle.
Das eigentliche Rennen um das Weiße Haus, so die übereinstimmende Erwartung auf dem Münchner Podium, werde dann betont seriös und von Sachfragen bestimmt werden. Die Republikanerin Glover erwartet allerdings auch, dass bis dahin noch die für US-Wahlkämpfe typischen persönlichen Charakterfragen aus der Umgebung der beiden Kontrahenten ins Spiel gebracht werden.
Alles in Allem, so das Fazit von Juleanna Glover, liege das Positive dieses Wahlkampfes in der Wiederbelebung der vitalen internationalen Beziehungen, wer immer auch am Ende der Sieger sei: "Die Kandidaten repräsentieren insgesamt eine gute Wahl sowohl für das amerikanischen Volk als auch für die restliche Welt."

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