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Der Einfluss der globalen Wirtschaftskrise auf den deutschen Arbeitsmarkt
Unter dem Titel „Der Einfluss der globalen Wirtschaftskrise auf den deutschen Arbeitsmarkt“ hatte das Hauptstadtbüro der Hanns-Seidel-Stiftung am 14. Mai 2009 Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zum arbeitsmarktpolitischen Expertengespräch in den Europasaal der Deutschen Gesellschaft in Berlin-Mitte geladen.
Referent Timo Baas, Wissenschaftler am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg, erläuterte in seinem Vortrag die Ursachen der Finanzmarktkrise wie auch die Transmissionsmechanismen, die die Finanzmarktkrise zur globalen Realwirtschaftskrise werden ließen. Abschließend ging Baas auf die Konsequenzen für den deutschen Arbeitsmarkt ein und die Unbekannten, die eine Prognose momentan kaum erlauben.
Ihren unheilvollen Ausgang nahm die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise in der amerikanischen Immobilienblase, mitverursacht durch fehlende Regulierung und Transparenz auf den Finanzmärkten und verstärkt durch die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank. Die Finanzkrise ausgelöst hatte dann die „Subprime-Mortgage“-Krise. Die umfassenden Kreditausfälle auf dem US-Immobilienmarkt in ungeahnter Höhe hatten weitreichenden Konsequenzen für die involvierten Banken. Insbesondere der Total-Ausfall der Immobilien-Finanzmarktprodukte der Jahre 2006 und 2007 entzog den Banken die Grundlage für ihre eigene Wertermittlung, was einen tiefgreifenden Vertrauensverlust im Interbankenverhältnis zur Folge hatte. Um in dieser Situation einen „bank run“ zu vermeiden, war die amerikanische Regierung gezwungen, staatliche Garantien für Spareinlagen auszusprechen und die Banken zu rekapitalisieren.
Dass sich die amerikanische Finanzkrise nicht auf die USA beschränkte, sondern sich zu einer globalen Wirtschaftskrise ausweitete, lag an den Transmissionsmechanismen der modernen, globalisierten Weltwirtschaft. Als wirkmächtig erwiesen sich hierbei: der Einkommenskanal, der Kanal der vertikalen Spezialisierung, der Kanal der Handelskredite sowie der Kanal der Investitionsgüternachfrage.
Die amerikanische Bankenkrise übertrug sich auf die deutsche Volkswirtschaft vor allem über zwei Kanäle: das Finanzmarkt-Engagement deutscher Banken sowie die enormen Einbrüche im internationalen Handelsaufkommen, die keinen Sektor unberührt ließen und den Exportweltmeister Deutschland entsprechend hart traf.
Besonders fatal wirke sich für die Unternehmen aus, dass es neben dem in- und ausländischen Nachfrageeinbruch bei hochwertigen Investitions- und Konsumgüter auch zu einem anhaltenden Credit Crunch aufgrund des Misstrauens unter den Banken gekommen sei, so Timo Baas. Bisher konnten auch die staatlichen Garantien wegen der anhaltenden Vertrauenskrise auf Interbankenmarkt ihre Wirkung nicht voll entfalten.
Dass die Krise noch zu keinem dramatischen Stellenabbau in Deutschland geführt habe, so der Arbeitsmarktexperte weiter, liege vor allem an der Ausweitung der Kurzarbeit. Beschäftigung lasse sich mit dieser Maßnahme jedoch nur bei einem kurzen Krisenverlauf sichern. Für den Fall einer längeren Krise erwartet der Experte eine Entlassungswelle am Ende der Kurzarbeitphase. In diesem Fall seien auch die Möglichkeiten einer aktiven Arbeitsmarktpolitik äußerst begrenzt, räumte der Experte ein. Angesichts der großen finanziellen Anstrengungen in Form des Konjunkturpaketes I und II bei gleichzeitig wegbrechenden Steuereinnahmen gebe es für arbeitsmarktpolitische Maßnahme keine solide Finanzierung mehr.
Hinzu kommt noch, dass man keinerlei Anhaltspunkte habe, wie sich die umfassenden Arbeitsmarktreformen der letzten Jahre (Hartz-Reformen) in der Krise auswirken. Da Immobilienmärkte besonders lange für die Konsolidierung benötigen, sei zu befürchten, dass für den deutschen Arbeitsmarkt das Schlimmste noch bevorstehe.
Auch die anschließende Diskussion war gekennzeichnet von zurückhaltenden Einschätzungen hinsichtlich des weiteren Krisenverlaufs und möglichen staatlichen Interventionsmöglichkeiten.
Der Vortrag von Timo Baas kann auf seiner Website
www.timo-baas.de unter dem Navigationspunkt Vorträge 2009 nachgelesen werden.

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