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Luftfahrt in der Krise?

8. Luftfahrtpodium im Konferenzzentrum München

Die Experten des 8. Luftfahrtpodiums: Ralf Schmid, Herbert Euler, Hans-Joachim Bues, Karl Heinz Keil (Moderator), Prof. Dr. Dr. Dieter Schmitt, Peter Hinze

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise stößt die Luftfahrtindustrie wohl noch tiefer in die roten Zahlen als befürchtet. Der Luftfahrt-Weltverband IATA hat seine Verlustprognose drastisch revidiert: Er erwartet ein Minus von neun Milliarden Dollar (rund 6,4 Milliarden Euro) für 2009. Die Situation der Luftverkehrswirtschaft, einer verkehrs-, technologie- und wirtschaftspolitisch wichtigen Branche, die sich über Jahrzehnte hinweg zu einem verlässlichen Wachstumsmotor für Deutschland und insbesondere auch Bayern entwickelt hat, scheint also bedrohlich.

Wie tief ist die Luftfahrt in der Krise? Über diese und ähnliche Fragen diskutierten am 11. November 2009 im Konferenzzentrum München Experten auf dem 8. Luftfahrt-Podium der Hanns-Seidel-Stiftung. Die Fachleute und Branchenkenner analysierten auch, ob es sich um „hausgemachte“ Probleme der Branche handelt oder lediglich um eine Kopplung mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung. Insbesondere wurde diskutiert, ob der Höhepunkt der Krise bereits erreicht ist.

Hans-Joachim Bues, Kommunikationschef des Münchner Flughafens, plädiert auch in Krisenzeiten für den Ausbau der Luftverkehrsinfrastruktur

Professor Dr. Dr. Dieter Schmitt, Vorstand von Bauhaus Luftfahrt e.V., begann sein Statement mit einer These, die er bereits als Lehrstuhlinhaber für Luftfahrttechnik an der TU München seinen Studenten vermittelte: „Der Luftverkehr ist immer an das Wirtschaftswachstum gekoppelt". Steige das Bruttoinlandsprodukt um zwei Prozent, so wachse die Luftverkehrswirtschaft um das Doppelte. Nur leider gelte dieser Effekt auch umgekehrt, so Prof. Schmitt. Allerdings räumte er, selbst jahrelang für AIRBUS tätig, ein, dass auch strukturelle Probleme der Industrie festzustellen seien. Er nannte als sichtbare Negativbeispiele die Einführung des A380 von Airbus und die der Modellreihe 787 von Boeing.

„Es handelt sich aktuell nicht um die Mutter aller Krisen.“, schwächte Hans-Joachim Bues, Leiter der Unternehmenskommunikation der Flughafen München GmbH, das zum Teil übertrieben dargestellte Ausmaß der Krise ab.  Bues sieht bereits jetzt wieder erste Anzeichen der Erholung. Insbesondere vertraue er auf das menschliche Grundbedürfnisses nach Mobilität. So dürfe auch in schwereren Zeiten der Infrastrukturausbau nicht gebremst werden. Bues plädierte in diesem Zusammenhang explizit für den Ausbau des Münchner Flughafens. Ein großes Problem sei dagegen das Image der Luftfahrt. Der Luftverkehr werde zu häufig als Umweltverschmutzer „Nummer eins“ dargestellt. Daran müsse gearbeitet werden.

Herbert Euler, Unternehmenssprecher von TUIfly, sieht Sättigungstendenzen im Billigflugsegment

Dass Wachstum auch in Krisenzeiten möglich ist, zeigte Ralf Schmid, Geschäftsführer der Allgäu Airport GmbH, und damit Chef des kleinsten und höchstgelegenen Verkehrsflughafens in Bayern, am eigenen Beispiel. Als Erfolgsfaktor nannte er unter anderem die gute landseitige Erschließung seines Flughafens, der im Übrigen von der Billigfluglinie Ryanair auch als Flughafen „München West“ vermarktet wird.

Auch Herbert Euler, Leiter der Unternehmenskommunikation von TUIfly, der aktuell drittgrößten deutschen Fluggesellschaft, bekannte sich zu einer Krise. Insbesondere die Überkapazitäten im Billigflugsegment seien mittlerweile ein Problem. Dieser Markt sei gesättigt, so Euler, das „Geschäftsmodell an seinen Grenzen“.

Peter Hinze
, Redakteur des Magazins "Focus" und langjähriger Beobachter der Luftfahrtbranche, legte seinen Finger in diese Wunde und vertrat die These, dass durch die Billigflieger den Reisenden das Bewusstsein für den Wert eines Fluges verloren gegangen sei. Im Bereich der Fluglinien sieht er den Trend zu einer Konzentration auf sogenannte "Rennstrecken", die bevorzugt geflogen werden. Wie seine Vorredner wollte Hinze den Zustand der Krise nicht leugnen, allerdings sieht er den Höhepunkt der Krise in der Luftverkehrswirtschaft noch nicht erreicht.