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Perspektiven des europäischen Luftverkehrs
Am 26. Mai 2009 hatte die Hanns-Seidel-Stiftung zum Expertengespräch in den Europasaal der Deutschen Gesellschaft in Berlin-Mitte eingeladen. Als Keynote-Speaker begrüßte Ernst Hebeker, Leiter des Berliner Büros, den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH, Dr. Michael Kerkloh, sowie seinen Podiums-Diskussionspartner Dr. Hans-Peter Friedrich, MdB und stellv. Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Das Expertenpanel befasste sich sowohl mit den Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise auf die Luftverkehrsindustrie als auch mit den Mega-Trends der Branche der letzten Jahre. Ausführlich wurde die grundsätzliche Bedeutung von Verkehrsflughäfen als Motoren der Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung erörtert. Unter den Teilnehmer waren u. a der Beauftragte der Bundesregierung für Tourismus, Ernst Hinsken, MdB, sowie die Bundestagsabgeordneten Bartholomäus Kalb, Dr. Maximilian Lehmer und Franz Obermaier.
Mit voller Wucht erfasst die Wirtschaftskrise im Herbst 2008 auch die Luftverkehrsindustrie. Dennoch: Trotz der gegenwärtigen starken Einbrüche beim internationalen Frachtaufkommen als auch beim Passagiertransport mit Rückgängen von bis zu 24 Prozent bzw. 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, zeigte sich Dr. Michael Kerkloh zuversichtlich. Der Münchner Flughafen-Manager sieht bereits die Talsohle der Krise erreicht. „In absehbarer Zeit wird es wieder aufwärts gehen und wir werden an die Wachstumsraten der letzten Jahre anschließen“, so die Einschätzung Kerklohs.
In der Krise liege auch die Chance für eine Konsolidierung der Branche, betont der Verkehrsexperte. In Zuge dessen würden Airlines mit fragwürdigen Low-Cost-Ticket-Modellen wieder vom Markt verschwinden. Außerdem werde sich der Konzentrationsprozess bei den Fluggesellschaften fortsetzen. Dabei werde die Tragfähigkeit der unterschiedlichen Geschäftsmodelle der drei großen Luftverkehrsallianzen (Star Alliance, oneworld, Sky Team) auf eine erste Bewährungsprobe gestellt.
Für die Zeit nach der Krise setzt Kerkloh auf einen neuerlichen Nachholeffekt, denn die Entwicklung der Luftverkehrsindustrie über die letzten vierzig Jahren zeigt nach großen Krisen (Ölkrise, Golfkrieg 1992, 9/11 und SARS-Krise) überproportionale Wachstumsraten von 8 bis 11 Prozent.
Zu den langfristigen Megatrends – gesehen über einen Zeitraum von 30 bis 40 Jahren – , auf den auch der Münchner Flughafen setzt, gehören die neue Wachstumsmärkte. Branchenanalysen weisen Kerkloh zufolge ein enormes Potenzial für die aufstrebenden Wirtschaftsnationen China und Indien (80 Millionen Business-Flug-Tickets) aus. Aber auch die noch jungen EU-Mitgliedsstaaten strebten langfristig in ihrem Mobilitätsverhalten dem „Reiseweltmeister“ Deutschland nach. Während nahezu jeder zweite Deutsche bereits einmal geflogen ist und Deutschland deshalb als „reifer Markt“ gilt, hat zum Beispiel erst jeder 10. Bürger Polens ein Flugzeug bestiegen.
Deshalb dürften Ausbaumaßnahmen wie in Frankfurt und München nicht allein im Kontext des regionalen bzw. nationalen Bedarf bewertet werden. Vielmehr gehe es um die Entwicklung internationaler Verkehrsachsen und -knotenpunkte und die Teilhabe an der Mobilitätsentwicklung wachstumsstärkerer Länder. Bei seinem Plädoyer für die Ausbaumaßnahmen an den beiden größten deutschen Flughäfen ging Kerkloh ausführlich auf die Wohlstandseffekte von Flughäfen mit Langstreckenverbindungen ein. Ein Aspekt, der jedoch – nach Erfahrung der anwesenden Abgeordneten – bei Bewohnern von Flughafen-Anrainer-Gemeinden wegen der erlebten oder gefühlten Lärm-Emissionen nicht ohne Einschränkungen geltend gemacht werden können.
Nachweislich profitieren nicht nur die unmittelbar an Verkehrsflughäfen angrenzende Unternehmen. Um die Effekte auch optimal für den gesamten regionalen Wirtschaftsraum nutzen zu können, bedarf es der Intermodalität aller Verkehrsträger. Hierum bemühe sich die Politik stetig im Rahmen einer integrierten Verkehrspolitik, sagte der Verkehrspolitiker und stellv. Fraktionsvorsitzende Dr. Hans-Peter Friedrich. Bei seinen Ausführungen über die Bedeutung von Flughäfen für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands ging Friedrich besonders auf die Anbindung des ländlichen Raums ein. Die Angebundenheit sei überlebenswichtig für Unternehmen und die dort angebotenen wohnortnahen Arbeitsplätze. Im besonderen Maße gelte dies nach den Worten Friedrichs, für mittelständische Unternehmen mit Weltmarktführung bzw. starker Exportorientierung im ländlichen Raum. Aus diesem Grund dürften auch die Regionalflughäfen in ihrer Funktion als Zubringer nicht vernachlässigt werden.
Bei der anschließenden Diskussion zeigte sich nochmals, welche unterschiedlichen Bedürfnisse und Notwendigkeiten bei Verkehrsprojekten von übergeordnetem Interesse in Einklang gebracht werden müssen. Darüber hinaus waren sich die Teilnehmer einig, dass trotz der Endlichkeit der Rohstoffe und Umweltproblemen die Mobilitätsform Flugverkehr nicht prinzipiell in Frage gestellt ist.

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