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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
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Ariane, Columbus, Galileo & Co.: Perspektiven Europäischer Raumfahrtpolitik

Thomas Reiter; Karl Heinz Keil (HSS); Prof. Dr. Hans Kappler; Hans Steininger; Gerold Reichle; Markus Ferber, MdEP; Dr. Wolfgang Piller; Johann Colsmann und Erwin Huber, MdL
Thomas Reiter; Karl Heinz Keil (HSS); Prof. Dr. Hans Kappler; Hans Steininger; Gerold Reichle; Markus Ferber, MdEP; Dr. Wolfgang Piller; Johann Colsmann und Erwin Huber, MdL

Wenn Indien und China den Weltraum erobern, Europa aber zurückfällt, droht Zweitklassigkeit.  Die Bündelung der europäischen Fähigkeiten und finanziellen Ressourcen in der Raumfahrt ist deshalb zwingend erforderlich. Die extremen Technologieanforderungen dieser Hochtechnologie sind dabei als Innovationskatalysator ein wichtiger Hebel, aber auch ein Aushängeschild technischer Kompetenz. Welche Modelle und Strukturen kommen hierfür in Frage? Welche Beiträge zur Integration und zum Ansehen von Europa kann die Raumfahrt in der Zukunft leisten? Was sind die Visionen von heute? Diese und andere Fragen wurden auf einem hochkarätig besetzten Podium diskutiert.

„Die Raumfahrt braucht Europa und Europa braucht die Raumfahrt“ mit dieser zentralen Botschaft eröffnete Dr. Wolfgang Piller, Vorstandsmitglied der Hanns-Seidel-Stiftung die Podiumsdiskussion „Ariane, Columbus, Galileo & Co.: Perspektiven Europäischer Raumfahrtpolitik“. Die Veranstaltung fand am 18. Mai 2009 im Konferenzzentrum München statt und wurde in Zusammenarbeit mit dem in Augsburg ansässigen Raumfahrtkomponentenhersteller MT Aerospace AG vorbereitet. Deren Vorstandsvorsitzender Hans Steininger verwies in seinem einleitenden Grußwort auf die notwendige Kooperation von Raumfahrt und Industrie: „Raumfahrt ist in wesentlichen Teilen realisierte Politik“, so Steininger. So waren im Publikum Industrievertreter, Politiker und politisch interessierte Bürger. Besonders begrüßt wurde der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie im bayerischen Landtag, Staatsminister a.D. Erwin Huber.

“Neben den nationalen Aktivitäten ist eine originäre Zuständigkeit der Europäischen Union für Raumfahrt vorgesehen.” (Vertrag von Lissabon 2007)

Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber: "Europa ist sich seiner Verantwortung in der Raumfahrt bewusst!"
Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber: "Europa ist sich seiner Verantwortung in der Raumfahrt bewusst!"

„Europa ist sich seiner Verantwortung in der Raumfahrt bewusst geworden!“ Der Europaabgeordnete Markus Ferber verdeutlichte in seinem Eingangsstatement, dass die Schaffung von Zukunftstechnologien eine bedeutende Aufgabe für Europa ist. Ein Beispiel hierfür sei der Bereich Satellitennavigation mit dem System „Galileo“ . Mit Galileo – für das die EU Triebfeder war, auch wenn heute noch manche Fragen ungeklärt seien – könne Europa ein gemeinsames Projekt realisieren und damit Handlungsfähigkeit beweisen, so Ferber. Der Europaabgeordnete verwies aber gleichzeitig auf die großen Herausforderungen der Branche: Rußland investiere in die Raumfahrt und auch Indien und China erobern den Weltraum. Europa stehe hier in einem immensen Wettbewerb mit anderen Nationen.

Johann F. Colsmann, in der EU-Kommission im Kabinett Tajani mit dem Thema Raumfahrt befasst, unterstrich die Aussagen Ferbers und stellte fest, dass Europa dringend eine effektive Raumfahrtpolitik benötige. Daher sei nun auch im Vertrag von Lissabon die Raumfahrt als Aufgabe der EU festgeschrieben worden. Europa müsse den Anspruch haben, in der Raumfahrt Vorreiter zu sein, so Colsmann.

Jürgen Breitkopf
, Geschäftsführer der Kayser-Threde GmbH – einem Systemhaus, dass sich auf Entwicklung und Implementierung von High-Tech-Lösungen für Luft- und Raumfahrt spezialisiert hat –  verwies in seinem Statement auf die strategische Bedeutung der Raumfahrtindustrie. Vor dem Hintergrund neuer sicherheitspolitischer Bedürfnisse werde die Raumfahrttechnologie eher an Gewicht gewinnen, so Breitkopf. Als Bespiel nannte er die SAR-Lupe, ein deutsches Satellitenaufklärungssystem. Die Herstellung des SAR-Lupe Systems unterliegt einem Konsortium europäischer Unternehmen, angeführt von der OHB-System AG, der auch die Gesamtleitung obliegt und zu der auch Kayser-Threde gehört. Hinsichtlich der Strukturen einer europäischen Raumfahrt sei die ESA – als gebündelte nationale Politik auf europäischer Ebene – völlig ausreichend. Eine Verlagerung hin zur EU, sei aus industrieller Sicht nicht unbedingt notwendig, so Breitkopf.

“Dass … erfolgreiche Zusammenarbeit … trotz aller sinnvollen und notwendigen Konkurrenz in Europa möglich ist, hat das Modell ESA demonstriert." (Reimar Lüst, erster Deutscher an der Spitze der European Space Agency, 1985)

Jürgen Breitkopf vertrat die Interessen der deutschen Raumfahrtindustrie auf dem Podium.
Jürgen Breitkopf vertrat die Interessen der deutschen Raumfahrtindustrie auf dem Podium.

Prof. Dr. Hans Kappler, ehemaliger ESA-Direktor, erläuterte die „European Space Policy“ des Europäische Weltraumrates (engl.: European Space Council), eine gemeinsame Tagung der höchsten Gremien der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der Europäischen Union. Er soll Raumfahrtaktivitäten beider Organisationen koordinieren und eine gemeinsame europäische Raumfahrtpolitik entwickeln. Kappler forderte insbesondere eine solide „end-to-end“-Planung von Raumfahrtprojekten, also einer Planung, die vom Konzept bis zum Betrieb reiche. Insbesondere sei bei der Finanzierung der Langfristigkeit von Raumfahrt-Projekten Rechnung zu tragen. Hinsichtlich der Rolle Deutschlands sprach sich Kappler für eine proaktive Mitgestaltung europäischer Raumfahrtpolitik aus.

Die deutsche Rolle in der Raumfahrtpolitik, stellte auch Gerold Reichle heraus. Reichle ist seit Februar Leiter der DLR Raumfahrt-Agentur. Die DLR Raumfahrt-Agentur konzipiert im Auftrag der Bundesregierung das deutsche Raumfahrtprogramm und führt es durch. Das Programm integriert alle deutschen Raumfahrtaktivitäten auf nationaler und europäischer Ebene. Hierzu gehören das Nationale Raumfahrtprogramm, das Forschungs- und Entwicklungsprogramm "Weltraum" des DLR sowie die deutschen Beiträge zur Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Reichle machte klar, dass Deutschland Hauptgeldgeber der ESA sei und nahezu 75 Prozent aller deutschen Raumfahrtausgaben in die ESA fließen. Deutschland müsse daher auch eine gewisse Vorreiterrolle innerhalb dieser Organisation spielen. Allerdings dürften auch die nationalen Projekte nicht vernachlässsigt werden, so Reichle, um technische und wissenschaftliche Kompetenz nach außen zu zeigen. Als Beispiel nannte Reichle den Bereich der Robotik.

DLR als Eckpfeiler deutscher Raumfahrtpolitik - Astronaut Reiter seit 2009 Vorstandsmitglied

Der bekannteste deutsche Astronaut Thomas Reiter ist seit 2009 im DLR verantwortlich für Raumfahrtforschung und -entwicklung.
Der bekannteste deutsche Astronaut Thomas Reiter ist seit 2009 im DLR verantwortlich für Raumfahrtforschung und -entwicklung.

Das letzte Statement stammte vom bekanntesten deutschen Astronauten Thomas Reiter, der inzwischen ebenfalls Vorstandsmitglied der DLR ist und dort verantwortlich für den Bereich Raumfahrtforschung und –entwicklung. Raumfahrt sei eine „enabling technology“, so Reiter, eine Technologie also, die neue Wertschöpfungsketten generiert. Investitionen in Raumfahrt-Technologien machen kommerzielle Märkte im Bereich der Endgeräte und Dienstleistungen erst möglich. Hinsichtlich der Strukturen europäischer Raumfahrt, bestätigte Reiter das "Erfolgsmodell ESA". Aber durch den Vertrag von Lissabon sei die Raumfahrt jetzt politisch adäquat verortet worden und stelle die Raumfahrt auf eine solide rechtliche Basis. Eindrucksvoll rundete Reiter sein Statement mit kurzen persönlichen Eindrücken aus dem All ab.

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