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Referat II/4 Bildung und Erziehung
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Sex sells ...?! - Menschenhandel und die Medien
Zu der Fachtagung "Sex sells ...?! Menschenhandel und die Medien" hatten die Hanns-Seidel-Stiftung mit den Kooperationspartnern Renovabis, dem Aktionsbündnis gegen Frauenhandel und dem Institut für Kommunikationswissenschaft und Erwachsenenpädagogik der Hochschule für Philosophie München am 5. März 2009 ins Konferenzzentrum München geladen.
Die Fachtagung war bereits die sechste in Folge, die sich dem Thema des Frauenhandels widmet und auf dieses Unrecht aufmerksam macht. Inhaltlich richtete sich der Fokus der Veranstaltung sowohl auf die Herangehensweise von Journalisten an die Thematik des Frauenhandels als auch an die Darstellung des Themas in den Medien. Unter den knapp 200 geladenen Gästen - Journalisten, Publizisten, Fachleute aus Opferschutzeinrichtungen, Vertreter von Polizei, Politik und Kirche - war man sich einig, dass die Medien das öffentliche Bewusstsein für die Problematik des Menschenhandels weiter schärfen, gleichzeitig aber die Würde der Opfer wahren müssen.

- Professor Ursula Männle
Professor Ursula Männle, stellvertretende Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung und Landtagsabgeordnete, betonte bei der Eröffnung der Fachtagung, dass es die Aufgabe der Politik sei, das Thema Frauen- und Menschenhandel bewusst zu machen und dabei die Medien ihren Part einer opferverträglichen Berichterstattung zu leisten hätten. Ähnlich äußerte sich Burkhard Haneke, Geschäftsführer von Renovabis, indem auch er für "sensiblen Journalismus" warb.
In seinem Einführungsvortrag, "Fakten und Forderungen - Medienethische Aspekte bei der Berichterstattung", erläuterte der Jesuit Prof. Dr. Rüdiger Funiok von der Hochschule für Philosophie München neben einer Auflistung medienethischer Forderungen, dass Medienschaffende vor allem den Aspekt der Menschenrechtsverletzung durch Menschenhandel herausstellen sollten.
An eben diese medienethischen Gesichtspunkte knüpfte Schwester Dr. Lea Ackermann, Gründerin der Opferschutzeinrichtung Solwodi und Guardini-Preisträgerin, an, indem sie die Gratwanderung zwischen Berichterstattung, Aufklärung über den verbrecherischen Menschenhandel und Werbung für die Hilfsorganisationen und den damit verbundenen Schwierigkeiten aufgrund der unseriösen Abhandlung des Themas sehr deutlich zum Ausdruck brachte. Sie betonte: "Opfer des Menschenhandels dürfen keine Quotenbringer sein."

- Heiner Minzel
Wie sich diese Forderung in die Praxis umsetzen lässt, berichtete Heiner Minzel, Erster Kriminalhauptkommissar am Polizeipräsidium Dortmund. Er stellte das "Dortmunder Modell", eine seit 1995 bestehende enge Zusammenarbeit zwischen Polizei, Behörden, Beratungsstellen und den örtlichen Medien, als eine praktikable Möglichkeit gegen den Kampf der Kriminalität im "Rotlichtbereich" vor. Diese Zusammenarbeit hat sich im Sinne einer objektiven Berichterstattung positiv ausgewirkt.
Über Quotendruck und die Schwierigkeiten einer seriösen Berichterstattung informierte die Journalisten Inge Bell. "Es geht um einen Spagat zwischen Sensibilität und Sensation", so Bell. Sie beendete ihren Vortrag mit dem Appell, nie den Schutz der Opfer aus den Augen zu verlieren.

- Christine Haderthauer
Von einer Schlüsselrolle der Medien beim Thema Menschenhandel sprach die Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Christine Haderthauer. Diese hätten Menschenrechtsverletzungen öffentlich zu machen. Noch viel stärker müssten sie dabei herausstellen, worin der Zwang für die verschleppten und sich prostituierenden Frauen bestehe, "damit sich kein Freier mehr herausreden kann". Sie plädierte für mehr Druck auf die Freier von Zwangsprostituierten.
Der Sozialwissenschaftler und TV-Journalist, Thomas Hestermann vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen erläuterte die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung, wonach das Thema Menschenhandel ein schwergängiges Fernsehthema sei, zumal die Opfer nicht als idealtypisch gelten. Er richtete einen Appell an die Teilnehmer der Tagung, diesem Thema Bedeutung zu verleihen, indem man auf die Medien Druck ausübe. Auch solle man als Konsument auf Beiträge reagieren, "denn Ethik muss eingefordert werden", so Hestermann.
In ihrem Schlusswort betonte Wiltrud Huml vom Aktionsbündnis gegen Frauenhandel, dass bei den Institutionen der Veranstalter das christliche Menschenbild verankert sei und schon allein deshalb die Beachtung und das Eintreten für die Würde des Menschen eine besondere Verpflichtung darstelle.

- Burkhard Haneke

- Schwester Dr. Lea Ackermann

- Prof. Dr. Rüdiger Funiok

- Der vollbesetzte Saal

- Thomas Hestermann

- Inge Bell

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