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Referat III/1 Politisches Management und Kommunikation, Medien und Innovation
Karl Heinz Keil
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Sicher unterwegs - wie sicher sind Bayerns Straßen?
7. Münchner Verkehrspodium
Dr. Bernd Weiß, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern und Altstipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung, wie er in seiner Begrüßung betonte, verwies auf die erfreuliche Tendenz, wonach, trotz steigender Fahrzeugzulassungen, die Zahl der Verkehrsunfälle, der Verkehrstoten und -verletzten in Bayern in den letzten Jahrzehnten rückläufig war. So gab es beispielsweise im Jahr 1970 3.900 Verkehrstote in Bayern, 20 Jahre später 1.900 und im Jahr 2008 waren es 788 Verkehrstote. Gründe hierfür seien eine verbesserte Aufklärung, die Verkehrsüberwachung, straßenbauliche Maßnahmen, sowie eine verbesserte Fahrzeugtechnik und Fahrausbildung.
Verkehrssicherheit, so Staatssekretär Dr. Weiß, trage ganz entscheidend dazu bei, dass sich die Bürgerinnen und Bürger sicher fühlen. Unfallverhütung und Verkehrssicherheitsarbeit sind wichtige Faktoren für die Innere Sicherheit. Im Mittelpunkt der Betrachtung des Staatssekretärs standen dann besonders schwache und gefährdete Verkehrsteilnehmer: Kinder, junge Fahranfänger und ältere Menschen. So werde das Projekt „Begleitetes Fahren mit 17“ (BF 17) beibehalten und auch die strenge Linie Bayerns gegenüber Drogen und Alkohol im Straßenverkehr solle konsequent fortgeführt werden. Hinsichtlich einer Altersbegrenzung für das Führen eine Kraftfahrzeugs, lehne die Staatsregierung weiterhin ab, so Dr. Weiß.
Auch Horst Schneider, Präsident der bayerischen Landesverkehrswacht, legte seinen Fokus auf die besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmer: Kinder, junge Fahranfänger und ältere Verkehrsteilnehmer. Hinsichtlich der Verkehrssicherheit von Kindern stehe Bayern zwar gut da, sei aber nicht europäische Spitze. Es gelte also sich weiterhin anzustrengen und konsequent ganzheitliche Ansätze in der Verkehrserziehung zu forcieren. Der Straßenverkehr müsse sich soweit möglich den Bedürfnissen von Kindern anpassen und nicht umgekehrt. Besondere Bedeutung komme dabei der Vorbildfunktion der Eltern zu. Schneider warb dafür sich ehrenamtlich als Schulweghelfer zu engagieren.
In der Personengruppe der jungen Fahranfänger führe eine spezifische Risikomischung aus dem besonderem Verhalten junger Erwachsener und mangelnder Erfahrung zu einer größeren Gefährdung. Aber auch der Umgang mit älteren Verkehrsteilnehmer sei angesichts der demographischen Entwicklung eine Herausforderung. Allerdings lehnte auch Schneider obligatorische altersgebundene Fahrtauglichkeitstests ab.
Dr. Walter Weißmann, Erster Vorsitzender im bayerischen Fahrlehrerverband, beleuchtete in seinem Statement insbesondere die Situation der Fahrausbildung und dabei den bisher weniger bekannten 2. Abschnitt der Fahrausbildung. 2003 wurden die Rahmenbedingungen dafür geschaffen, dass junge Fahrer ab Januar 2004 freiwillig an einem "Fortbildungsseminar für Fahranfänger (FSF)" teilnehmen können, um Erfahrungen auszutauschen, den Horizont zu erweitern, Fahrerlebnisse zu hinterfragen und neue Handlungsmöglichkeiten zu erproben. Die Teilnahme führt zu einer Probezeitverkürzung um max. 1 Jahr. Leider haben in Bayern im Zeitraum 2004 bis 2008 weniger als 3 Prozent an dieser Maßnahme teil genommen. Allerdings forderte Dr. Weißmann für die Zukunft ein neues Konzept der Fahrausbildung und warb hier für den Dialog mit der Politik. Das Konzept BF 17 befürwortet Dr. Weißmann prinzipiell. Er forderte dennoch eine sorgfältige und genau Analyse des Modellprojekts.
Matthias Marquardt, Leiter „Integration Fahrzeugsicherheit“ bei der BMW Group verdeutlichte die Anstrengungen der Automobilindustrie, das Fahren noch sicherer zu machen. Es gehe darum, aktive und passive Sicherheit zu verknüpfen. Dies bedeute eine ganzheitliche Betrachtung und die Vernetzung von Technologien. Dabei sei auf den Aspekt Unfallvermeidung stärkeres Gewicht zu legen als auf die Unfallfolgenverminderung. Ganz besonderes Augenmerk werde in der Zukunft daher auf die Fahrerassistenz bzw. die Umfelderfassung durch Sensorik gelegt, so Marquardt.
Das abschließende Statement von Prof. Dr. Dr. Benedikt von Hebenstreit, Verkehrswissenschaftler an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft und ehemaliger Geschäftsführer der TÜV Akademie, begann mit einem positiven Resumee: „Wir haben in Bayern schon viel erreicht!“, so von Hebenstreit. So sei München hinsichtlich der Schulwegunfälle die sicherste Großstadt Deutschlands und Nürnberg belege den zweiten Platz. Professor von Hebenstreit plädierte weiterhin für eine Stärkung der kompetenzorientierten Verkehrserziehung. Er unterstrich seine Forderung nach einer Verbesserung der Sozialkompetenz mit dem Bonmot: „Was nutzt der Tiger im Tank, wenn der Esel am Steuer sitzt!“
Hinweise zur Verkehrsstatistik mit genaueren Vergleichszahlen in einer Übersicht sind im Internet abrufbar unter
www.stmi.bayern.de/imperia/md/content/stmi/sicherheit/verkehrssicherheit/sicher_auf_bayerns_strassen2/unfallstatistik_07_08.pdf

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