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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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"Was bewegt uns?" - Antriebstechnologien der Zukunft

8. Münchner Verkehrspodium

Kommt der Treibstoff bald aus der Steckdose? (Quelle: Siemens-Pressebild)

Der weltweite Bedarf an Energie wird in den kommenden Jahrzehnten sehr stark ansteigen. CO2-Emissionen und andere Umweltbelastungen werden zunehmen, fossile Energieträger werden knapper. Die Ausgangslage scheint klar: die Suche nach geeigneten Energieversorgungsalternativen ist unumgänglich. Dabei ist insbesondere auch der Zusammenhang von Energieversorgung und Mobilität für den Wirtschaftsstandort Deutschland von grundlegender Bedeutung. Wettbewerbsfähige alternative Kraftstoffe müssen entwickelt werden und die Einführung neuer, innovativer Antriebssysteme scheint unumgänglich. Im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) in diesem Zusammenhang ein Strategiekonzept für den Zeithorizont bis 2020 vorgestellt, das die Markteinführung solcher alternativer Kraftstoffe sowie innovativer Antriebstechnologien in Deutschland unterstützt. "Was bewegt uns? - Antriebstechnologien der Zukunft" unter diesem Motto diskutierten am 13. Juli 2010 Experten auf dem 8. Münchner Verkehrspodium.

Sandra Krommes, BMW
Michael Weltin, E.ON

Dr. Sandra Krommes, Leiterin Verkehr und Umwelt bei der BMWGroup, bestätigte die Umweltproblematik als einen zentralen Ausgangspunkt für die Suche nach alternativen Antriebstechnologien. Sie verdeutlichte aber, dass es daneben noch weitere Technologietreiber gebe: Urbanisierung, Politik, Wirtschaft, Kultur und natürlich die Kundenwünsche. BMW setze dabei strategisch auf ein breites Technologiespektrum: Efficient Dynamics, also das unternehmenseigenen Maßnahmenpaket zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs, Hybrid, Wasserstoff und natürlich auch das Elektrofahrzeug.

Auf dem Thema „Elektromobilität“ lag dann auch der Fokus der abendlichen Podiumsdiskussion. Hierzu schilderte Dr. Sandra Krommes das Modellprojekt aus dem Hause BMW. So seien zur Zeit 65 „E-Minis“ im Einsatz. Dies sei zunächst primär ein Lernprojekt für das sogenannte „Megacity Vehicle“. Die BMWGroup arbeitet in diesem Kontext eng mit E.ON Energie AG zusammen.

Michael Weltin leitet bei dem Stromunternehmen E.ON das Projekt „E-Mobility“. Er verdeutlichte in einem Szenario, dass insbesondere die Steuerung des Strommehrbedarfs und das Lastmanagement zu Spitzenzeiten, die zentrale Herausforderung für die „E-Infrastruktur“ sei. Kommunizierfähige und intelligente Stromnetze seien Voraussetzung für eine funktionierende Elektromobilität. Es werden kostenpflichtige und kostenfreie Ladestationen entstehen. Ansonsten setzt Weltin bei der Ladeinfrastruktur auch auf integrierte innovative Geschäftsideen. Dann gebe es eben nicht nur „Park and Ride“, sondern auch „Park and Charge“, so Weltin.

Alexander Kreipl, ADAC
Andreas Pastowski, Wuppertal-Institut

Alexander Kreipl, verkehrs- und umweltpolitischer Sprecher des ADAC Südbayern, befürwortete Initiativen und Anstrengungen für mehr „Elektromobilität“, warnte aber vor allzu großer Euphorie. Keiner solle denken, dass er morgen bereits ohne Weiteres das serienreife Elektroauto in der Garage stehen hat. Kreipl plädierte für eine Parallelstrategie, insbesondere plädierte er auch für die weitere Verbesserung der herkömmlichen Verbrennungsmotoren. Wichtig sei, dass der Verbraucher bei dieser Frage nicht vergessen werde. „Es dürfe keine Rückschritte im Platzangebot, bei der Reichweite und insbesondere bei der Sicherheit“ geben, so Kreipl.

Andreas Pastowski
vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie leitet das Projekt "Zukünftige Energie- und  Mobilitätsstrukturen". Er rief in Erinnerung, dass bis zum Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge in Deutschland unterwegs sein sollen. So stehe es zumindest im „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität der Bundesregierung“  vom August 2009. Dass diese Planung angesichts der derzeit etwa 1500 zugelassenen batterieelektrischen Fahrzeuge in Deutschland realistisch ist, bezweifelte Pastowski, insbesondere vor dem weiteren Hintergrund, dass zur Zeit ein Fahrzeug  in Deutschland durchschnittlich 14 Jahre laufe.  „Ich gehe eher von 2040/2050 aus“, so Pastowski. Trotzdem: „Wir können nicht mit den fossilen Brennstoffen weiter machen, aber die Umstellung wird leider viel mehr Zeit brauchen, als wir uns das wünschen!“, so der Wuppertaler Wissenschaftler. In der konkreten Umsetzung der Elektromobilität sei dann noch nicht entschieden, welche Technologie sich durchsetzen werde: der Elektromotor mit am Netz aufladbarer Batterie (BEV: Battery Electric Vehicle) oder der Elektromotor mit Brennstoffzelle zur Energieversorgung (FCHEV: Fuel Cell Hybrid Electric Vehicle).

Hans Aigner, ZIEL21
Hans Aigner, Alexander Kreipl, Michael Weltin, Sandra Krommes, Karl Heinz Keil, Andreas Pastowski

Hans Aigner, 2. Vorstand vom Zentrum Innovative Energien e.V. (ZIEL21), argumentierte aus der Sicht einer  Landkreis-Initiative. So hat sich der Landkreis Fürstenfeldbruck zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 eine Selbstversorgung seiner Bevölkerung und seiner Unternehmen durch erneuerbare Energien zu erreichen. Fürstenfeldbruck will Deutschlands erster Landkreis sein, der sich komplett aus regenerativen Energiequellen versorgt. Dabei seien auch mit Blick auf die Mobilität nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische  Aspekte zu berücksichtigen. Entscheidend sei die regionale Wertschöpfung, so Aigner. 

Aigner sprach in seinem Statement eine der zentralen Herausforderungen an, die dann auch in der nachfolgenden kontroversen Diskussion thematisiert wurde: die Frage nach der dringend notwendigen Verbesserung der Energiespeicher. Die Batteriekosten müssen in der Zukunft verringert werden, und vor allen Dingen müssen Energiedichte und Lebensdauer für eine  „elektromobile“ Gesellschaft verbessert werden.