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Referat III/3 Kommunalpolitik, politische Rhetorik und Öffentlichkeitsarbeit, Film und Ethik
Artur Kolbe
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Mit Literaturverfilmungen zum Erfolg – Caroline Link
Am 17. Juli 2010 ging für das Bildungswerk ein langgehegter Wunsch in Erfüllung: Die Regisseurin und Oscar-Preisträgerin Caroline Link kam zum Filmseminar, bei dem zwei Ihrer Kino-Erfolge im Mittelpunkt standen: Im Winter ein Jahr (2008) und der Oscar-prämierte Film Nirgendwo in Afrika (2001), für den sie im Jahr 2002 den dritten „deutschen Oscar“ – nach Volker Schlöndorff (1980) und Florian H. von Donnersmarck (2007) – erhielt.
Caroline Link, 1964 in Bad Nauheim geboren, lebt seit 1978 in München und hat zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem Regisseur Dominic Graf, eine kleine Tochter. Nach dem Abitur 1983 und einjährigem USA-Aufenthalt absolvierte sie ein Praktikum bei der Bavaria-Film mit einem anschließenden Dokumentarfilm-Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen (1986 bis 1992). Nach Studienabschluss erhielt sie zahlreiche Drehbuch- und Regieaufträge, war erfolgreich für das Fernsehen tätig (Drehbücher für die TV-Serie „Der Fahnder“), drehte unter anderem Kinderfilme und -serien, bis zu ihrem erfolgreichen Kino-Debüt "Jenseits der Stille" im Jahr 1996, bei dem sie ihre erste Oscar-Nominierung für den besten ausländischen Film erhielt. Ihr filmisches Interesse gilt auch hier dem Besonderen im täglichen Alltag unspektakulärer Personen.
In Jenseits der Stille schildert Caroline Link mit witzigen Dialogen, aber auch poetischen Bildern, das Heranwachsen eines Mädchens gehörloser Eltern, das gegen deren Willen Musikerin werden möchte. Diesem Film schloss sich ein weiterer großer Kinder- bzw. Familienfilm an, der 1,6 Mio. Zuschauer in die Kinos lockte: die aktualisierte Verfilmung von Erich Kästners Kinderbuchklassiker Pünktchen und Anton – eine „hochsympathische Familienkinounterhaltung“ urteilte der "film-dienst" am 2. März 1999.
Um nicht immer als „Kinderfilm-Regisseurin“ wahrgenommen zu werden, stellte sie bei der Verfilmung des autobiographischen Romans Nirgendwo in Afrika von Stefanie Zweig eine problematische Paarbeziehung innerhalb einer nach Kenia geflüchteten deutsch-jüdischen Familie in den Mittelpunkt. Unter schwierigen Bedingungen (kein Wasser, kein Strom, keine Straßen …) drehte Link den Film nach Dokumenten „wie es damals (1938) aussah“ mit Stammesmitgliedern der Bokot in Nordkenia. Als Entlohnung wollten die Kenianer kein Geld, sondern „eine befestigte Straße zum nächsten Ort“, so Link. Dies führte wiederum zu Diskussionen im Drehteam, ob nicht das „Recht auf Unabhängigkeit in einem mehr oder weniger intakten System“ höher einzustufen sei.
Der Kinostart für Nirgendwo in Afrika verlief etwas unglücklich, da zugleich (Ende 2001) in Deutschland "Harry Potter" und "Herr der Ringe" anliefen. Dennoch erreichte der Film 1,7 Mio Zuschauer und erhielt neben dem Bayerischen und dem Deutschen Filmpreis auch eine Nominierung für den Golden Globe und schließlich den Oscar für den besten ausländischen Film. Diese Auszeichnung hatte zuletzt der Regisseur Volker Schlöndorff – der vor wenigen Jahren auch als Referent im Rahmen eines Filmseminars beim Bildungswerk zu Gast war – im Jahr 1980 erhalten.
Der zweite Film des Seminars Im Winter ein Jahr, eine Verfilmung des Romans Aftermath von Scott Campbell, war ursprünglich als US-Produktion vorgesehen, wurde aber dann mit Karoline Herfurth, Corinna Harfouch und Josef Bierbichler in Deutschland gedreht. Auch in diesem Film beweist Caroline Link, dass Familiendramen ihre große Stärke sind: er erzählt von einer Familie, die nach dem Selbstmord eines Sohnes zu zerbrechen droht.
Eine außergewöhnlich intensive Diskussion schloss an beide Filme an. Caroline Link beantwortete die zahlreichen Fragen der 80 Seminarteilnehmer sehr ausführlich und erwies sich auch darin als „Fachfrau für große Emotionen im deutschen Kino“ (bild.de).

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