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Das „C“ als Programm

Ein Vortrags- und Diskussionsabend mit Volker Kauder

Hans Zehetmair überreichte seinem Gast vor der Veranstaltung die Publikation "Zukunft braucht Konservative"
Volker Kauder bei seinem Vortrag

„Auch im 21. Jahrhundert gilt für die Union: Das ,C' ist Programm!“ Es war Hans Zehetmair, der diesen Leitsatz am 12. April 2010 an den Beginn einer Begegnung mit Volker Kauder stellte. Zuvor hatte der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung bereits eindrucksvoll aus den Gründungsdokumenten der CSU zitiert. Darin ist von dem Streben dieser Partei nach einem „Staatsaufbau auf christlicher Grundlage“ und einer „Ordnung,  die von christlichem Geist beseelt ist“ die Rede. Heute, nach zahlreichen Säkularisierungswellen, die ihre tiefen Spuren in der Gesellschaft hinterlassen haben, stelle sich die Situation auch in der CSU etwas anders dar. Die ursprünglich sehr klare Orientierung der Unionsparteien am „C“ in ihrem Namen sei heute an manchen Stellen leider etwas blasser geworden.  „Und doch“, so Hans Zehetmair wörtlich, „gilt damals wie heute: Das ‚C‘ im Parteinamen verpflichtet!“

Aufgabe des Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU im Deutschen Bundestag war es dann, dieses Bekenntnis im Detail auszuführen. Er tat es rhetorisch und inhaltlich mit Bravour. Und bereits nach wenigen Minuten war zumindest im Konferenzzentrum München von einem blasser gewordenen „C“ nur mehr wenig zu spüren. Eine Partei, die das „C“ des Christentums in ihrem Namen führe, so Kauder, müsse sich und der Umwelt immer wieder Rechenschaft darüber ablegen, worin sich eine christlich fundierte Politik im Konkreten ausdrücke, worin sie sich von anderen Politikansätzen im Konkreten unterscheide. Zwar verstünden sich die Unionsparteien weder als Parteien der Kirchen noch als Parteien ausschließlich für Christen. Aber sie seien nun einmal die einzigen nennenswerten Parteien in Deutschland, die ihre Politik ausdrücklich auf der Grundlage eines „christlichen Menschenbildes“ gestalteten. Damit hatte der frühere Generalsekretär der CDU Deutschlands seine „Leitvokabel“ benannt, an der er sich klar und überzeugend durch verschiedene Felder der Innen- und Außenpolitik bewegen konnte.

Geprägt sei dieses „christliche Menschenbild“ – und man meinte mitunter nicht einen studierten Rechtswissenschaftler, sondern einen Theologen reden zu hören – vom  Spannungsverhältnis zwischen Kreativität und Kreatürlichkeit. Der Mensch sei nach dem „Bilde Gottes“ geschaffen worden. Dank dieser Gottesähnlichkeit sei er, so Kauder, mit menschlicher Würde begabt und Teilhaber an der göttlichen Kreativität. Und er sei nach Galater 5 „zur Freiheit berufen“. Zunächst und vor allem, um aus freier Entscheidung in eine Gemeinschaft mit Gott treten zu können. Die Voraussetzung für diese Entscheidung für Gott sei die sittliche Begabung des Menschen, seine Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Dennoch bleibe  der Mensch fehlbar und anfällig für Verführungen. Eine Politik auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes wehre sich deshalb gegen paternalistische Bevormundung des Menschen, ohne die menschliche Freiheit absolut zu setzen. Vielmehr sei sie auf eine in Ordnung gesicherte Freiheit gerichtet.

Diese eher theoretischen Gedanken buchstabierte Volker Kauder im Verlauf seines Vortrags dann mit zunehmender Verve hinein in konkrete Fragen der Familien-, Finanz-, Integrations- und Sozialpolitik. Er wandte sich deutlich gegen ein nivellierendes Gottesbild, das den Dialog mit Vertretern des Islam nur vordergründig erleichtere. Stattdessen bekannte er sich zur Aussage Jesu: „niemand kommt zum Vater denn durch mich“ – für Kauder einer der zentralen Verse des Neuen Testaments. Zugleich forderte er explizit auf, auch im jüdischen und muslimischen Mitmenschen immer das Ebenbild Gottes zu sehen. Dies würde zu einer signifikant anderen Tonlage in so manch aufgeregter Diskussion unserer Tage führen. Im Blick auf die Außenpolitik mahnte der Fraktionsvorsitzende deutlich an, das Thema „Menschenrechte“ stärker in den Mittelpunkt zu rücken und nicht zugunsten von besseren Handelsbedingungen zu verschweigen. Auch in der anschließenden Diskussion überzeugte der mit einer Katholikin verheiratete Protestant durch durchdachte Positionen. Einzig in der Einschätzung des Begriffs „konservativ“ tat sich eine nennenswerte inhaltliche Differenz zum Moderator der Plenumsdiskussion, Hans Zehetmair, auf. Der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung und Herausgeber des Bandes „Zukunft braucht Konservative“ wollte diese politische Kampfvokabel doch deutlich offener und positiver verstanden wissen als sein Gast aus Baden-Württemberg.

Am Ende des Abends war es Volker Kauder gelungen, das „C“ als Kompass für politische Entscheidungen der CDU/CSU in der Innen- und Außenpolitik sichtbar zu machen. Verbunden mit dem ehrlichen Zusatz, dass Politik fehlbarer Menschen nie unfehlbar sein könne, was Vergangenheit und Gegenwart immer wieder zeigten. Verbunden aber auch mit der deutlichen Aufforderung in die Unionsparteien hinein, das „C“ künftig wieder deutlich ernster zu nehmen.

Audiodatei

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Volker Kauder "Das 'C' als Programm" (52:50 Min.)