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Das "Grüne Band" - das Naturschutzprojekt Deutsche Einheit

Der ehemalige Schutzstreifen mit Kolonnenweg in Ahlstadt im Lkr. Coburg

Das "Grüne Band" ist das größte und eines der bekanntesten Naturschutzprojekte Deutschlands. Der ehemalige Grenzstreifen hat sich durch die jahrzehntelange Absperrung zu einem einzigartigen Biotopverbundsystem von europäischer Bedeutung entwickeln können. Als Lebenslinie der Artenvielfalt zieht es sich heute mit einer Länge von 1393 km von der Ostsee bis zur tschechischen Grenze quer durch Deutschland. Auf einer Fläche von ca. 17000 ha haben rund 600 gefährdete Tier- und Pflanzenarten in über 100 verschiedenen Biotoptypen eine Herberge gefunden. Gleichzeitig ist es aber ein Denkmal der besonderen Art, erinnert es doch an die deutsch-deutsche Teilung, die spätestens seit 1952 mit der Sicherung der Interzonengrenze seitens der DDR festgeschrieben wurde. Sie sollte fast 40 Jahre lang Bestand haben. Den inhaltlichen Spannungsbogen des Grünes Bandes darzustellen und zu diskutieren, war Gegenstand eines Seminars vom 16. bis 18. Mai 2010.

Görsdorf als Exkursionsstation an der Straße der Deutschen Einheit. Der erhaltene Mauerabschnitt diente als Sichtblende.

Der Denkmalhistoriker Andreas Erhard wusste in seinem Vortrag sehr anschaulich von der baulichen Ausformulierung des Eisernen Vorhangs zu berichten. Der bis zu 500 m breite Schutzstreifen war u.a. mit Grenzsäulen, Kfz-Sperrgraben, Streckmetallzäunen, Selbstschussanlagen, Kolonnenweg und Signalzaun durchsetzt. Hieran schloss sich DDR-einwärts eine bis zu 5 km breite Sperrgebietszone an, die nur unter strengen Auflagen betreten werden durfte. Als Gründer des Deutschen Kuratoriums zur Förderung von Wissenschaft, Bildung und Kultur e.V. setzt sich Erhard gemeinsam mit seiner Familie seit vielen Jahren für den Erhalt der noch verbliebenen Relikte des Eisernen Vorhangs ein, denn als Grenzdenkmale wirken diese als Mahn- und Erinnerungsorte für die nachfolgenden Generationen. Ein mahnendes Gedenken aufrecht zu erhalten ist umso wichtiger, je mehr die einstige Grenzziehung in der Landschaft verschwimmt und in Vergessenheit zu geraten droht.

Im Rahmen des Exkursionstages, dem noch eine inhaltliche Einführung durch Dr. Thomas Büttner vorausging, stand zunächst der ehemalige Grenzstreifen bei Ahlstadt nahe Rodach bei Coburg auf dem Programm. Mit Frank Reißenweber vom Landratsamt Coburg, zugleich Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz der Sektion Coburg, und Landwirt Walter Thamm aus Fürth a. Berg, u.a. Stadtrat und Kreisrat sowie Vorsitzender des Ortsverbandes der CSU Neustadt Coburg, berichteten zwei engagierte Bürger der Region über das Leben an und mit der einstigen Grenze und insbesondere aus der Nachwendezeit im Umgang mit dem Grünen Band.

Grenz-Info-Stelle Heinersdorf (Lkr. Sonneberg)

Im weiteren Verlauf der Exkursion wurden zwei Stationen der Erlebnisstraße der Deutschen Einheit besucht, die vom Deutschen Kuratorium zur Förderung von Wissenschaft, Bildung und Kultur e.V. initiiert wurde. Als ideeller und symbolischer Beitrag am Vollzug der deutschen Einheit verbindet die Route Natur und Geschichte des einstigen Todesstreifens mit einer behutsamen, politischen Inwertsetzung.

Die erste Station an der Route der Deutschen Einheit bildete Görsdorf im Landkreis Sonneberg (Thüringen). Hier konnten u.a. ein 25 m langer Mauerrest, der einst als Sichtblende fungierte, und der Kolonnenweg besichtigt werden. Andreas Erhard erläuterte noch einmal den Aufbau der deutsch-deutschen Grenze. Die „Perfektion“ der Grenzbefestigung, die einst praktizierte Observations- und Kontrollmaschinerie und die damit verbundenen Repressalien der Menschen im Grenzgebiet wie auch der Angehörigen dies- und jenseits der einstigen Grenze, wühlte die Exkursionsteilnehmer sichtlich auf.

Der Angergarten von Steinbach a.d. Haide im Lkr. Kronach

Am Nachmittag wurde die Grenz-Info-Stelle Heinersdorf (Lkr. Sonneberg), die in einem ehemaligen Kontrollhäuschen eingerichtet wurde, besichtigt. Herr Banzer aus Heinersdorf berichtete als Zeitzeuge vom Leben am Eisernen Vorhang und insbesondere auch von der im Jahr 1952 unter dem Kodenamen „Ungeziefer“ durchgeführten Zwangsumsiedlungen im ehemaligen Schutzstreifen. Die Ausführungen stimmten alle sehr nachdenklich - umso mehr, da eine Seminarteilnehmerin ihr persönliches Schicksal einfließen lassen konnte.

Den Abschluss der Exkursion bildete Steinbach a.d. Haide im Landkreis Kronach. Nördlich des Rennsteigs und im einstigen Lauensteiner Ländchen gelegen, eröffnet der Ort eine Grenzerfahrung etwas anderer Art. Denn mit dem Steinbach an der Haide ist eines der am besten erhaltenen Radialwaldhufendörfer Bayerns gegeben. Wohl im 13. Jahrhundert planmäßig angelegt, hat sich historische Flurstruktur in Gestalt der langgezogenen Breitstreifenfluren bis heute erhalten können. Besonders eindrucksvoll ist auch der bereits um die Mitte des 16. Jahrhunderts erwähnte Angergarten, dessen südlicher Teil als Gewürz- und Gemüsegarten von den Einwohnern genutzt und entsprechend kleinteilig parzelliert ist.

Am dritten Seminartag standen zur Nachbereitung und Vertiefung noch zwei Vorträge an. Ulrich Leipold aus Thann bei Neustadt bei Coburg, Studienrat a.D., berichtete als Zeitzeuge vom Leben an der Grenze. Sehr deutlich wurde, wie eng persönliche Schicksale mit der deutsch-deutschen Grenze verbunden waren. Trotz des ernsten Themas und der vielen menschlichen Tragödien ließ Ulrich Leipold auch die positiven Erinnerungen nicht vermissen. Freud und Leid liegen wie immer eng beieinander.

Dr. Thomas Büttner erörterte abschließend das Grüne Band als gesamtdeutsches Naturschutzprojekt in seiner naturschutzfachlichen und politischen Dimension. So wurde im Dezember 1989 die Idee des Grünen Bandes in Hof im Rahmen eines Treffens von über 400 Naturschützern aus Ost und West geboren. Man war sich einig, den ehemaligen Grenzstreifen als einzigartiges Biotopverbund­system sowie als Denkmal deutscher Geschichte zu erhalten. Seit 2002 wird an der Umsetzung der Idee „Grünes Band Europa“ (european greenbelt) gearbeitet; somit der Ansatz des Grünen Bandes europaweit, auf 12500 km Länge vom finnisch-russischen Eismeer bis hinunter zum Schwarzen Meer, verwirklicht.

Das Grüne Band verbindet. Der Todesstreifen ist zu einer Lebenslinie geworden, die sich nicht nur durch Deutschland, sondern durch ganz Europa zieht. Es ist ein „lebendiges ökologisches Denkmal“, wie Kai Frobel, der als Projektleiter Grünes Band beim bayerischen Bund Naturschutz und beim BUND fungiert, dass mit seinen baulichen Grenzrelikten zugleich Mahnstätte und Erinnerungsort ist.