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Referat III/5 Recht, Geschichte und Kultur
Dr. Birgit Strobl
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Der Bauernkrieg in Franken

- Dipl.-Archivar (FH) Horst Gehringer, Leiter des Staatsarchivs Coburg
Der Bauernkrieg gehört zu den Gründungsmythen der DDR. Damit bot sich ein Anlass, dieses Thema im Jubiläumsjahr „20 Jahre Deutsche Einheit“ einmal aufzugreifen. Anhand ausgewählter Gebiete Frankens ging vom 21. bis 23. Mai 2010 ein Seminar den Voraussetzungen, dem Verlauf und den Ergebnissen des Bauernkrieges in Franken nach.
Franken ist am Beginn der Neuzeit den Strukturen des mittelalterlichen Staates verhaftet, was wir heute nur sehr schwer nachvollziehen können. Als territoriale Einheit ist Franken zu dieser Zeit nicht greifbar. Wir haben es nicht mit einer starren Region zu tun. Es ist Transitland und immer offen. Die Herrschaften sind höchst unterschiedlich. So ist es möglich, dass ein Dorf zum Teil sogar von Haus zu Haus in unterschiedlicher Zugehörigkeit und Abhängigkeit steht.

- Prof. Dr. Reinhard Heydenreuter, Kath. Universität Eichstätt
Vor diesem Hintergrund muss berücksichtigen werden, dass die demographische Entwicklung in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts äußerst ungünstig war. Es kam zu einem massiven Bevölkerungsanstieg auf dem Land. Durch das in Franken herrschende Realteilungsgebot wurden die Parzellen der Bauern immer kleiner und unwirtschaftlicher. Darunter litten insbesondere die klein- und unterbäuerlichen Schichten. Doch auch in Gegenden mit günstigerem Erbrecht verschärfte sich die Situation. Es gab viele Tagelöhner und Häusler, die den sozialen Abstieg fürchteten. Verursacht wurde dies durch die zunehmende Zahl an Landlosen. Dadurch gab es ein Überangebot an Arbeitskräften. Die Löhne wurden gedrückt. Dies führte zu einem Verelendungs- und Verarmungsprozess großer Teile der Bevölkerung. Auf dem Lande entstanden Spannungen.

- Seminarleiterin Elena Streipert im Gespräch mit einer Teilnehmerin
Der Bauernkrieg in Franken, den wir in den Zeitraum zwischen 1524 und 1526 ansiedeln können, erreichte seinen Höhepunkt im Jahre 1525. Es sind nicht Bauern, sondern charismatische Führerfiguren wie Florian Geyer, die sich die Situation zu nutze machen. Die Obrigkeit schreckte zunächst vor Ausschreitungen zurück. Sie bevorzugt eine Verhandlungslösung. Als diese scheitern, werden professionelle Truppen – vielfach Söldner aus Oberitalien – gegen das Bauernheer geschickt. Dies ist auch der Grund für die vielen Todesopfer: Während des Bauernkrieges starben 75.000 Menschen.

- Marktplatz von Seßlach in Oberfranken
Als die Aufstände niedergeschlagen waren, machte man mit den Rädelsführern kurzen Prozess, sie wurden sofort hingerichtet. So zum Beispiel am Marktplatz von Seßlach in Oberfranken: Hier ließ der Würzburger Bischof Konrad fünf Rädelsführer des Bauernkrieges enthaupten, nachdem er bereits am selben Tag elf Mann im nahen Ebern gerichtet hatte. Die Masse aber wird geschont. Sie wird jedoch mit Steuerbelastungen überzogen, da eine Entschädigung für die Kriegsergebnisse gefordert wird. Die wirtschaftliche Lage der Bauern wird sich dadurch nochmals verschlechtern. Im Ergebnis ist die landesherrschaftliche Position durch den Bauernkrieg gestärkt worden. Die Bauern schieden aus der deutschen Politik aus und das bis ins 19. Jahrhundert.
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