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Referat II/3 Wirtschaft und Finanzen
Dr. Claudia Schlembach
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Die Zukunft der deutschen Bankenlandschaft
Die auf drei Säulen beruhende Bankenlandschaft in Deutschland erörterten namhafte Vertreter der Bankenbranche am 30. Juni 2010 in München und zogen Schlüsse für die Zukunft.
Der Präsident des Deutschen Sparkassenverbandes Heinrich Haasis brachte auf den Punkt, was auch Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken in seinem Statement abbildete: „Die Krise hat deutlich gezeigt, dass es gut und richtig ist, dass wir in Deutschland dieses Bankensystem haben“. Die Regionalstruktur sei Garant für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Kunden und sichere gleichzeitig die Finanzierung des Mittelstandes.
Uwe Fröhlich wies darauf hin, dass die Zukunft dieser Struktur davon abhängt, ob es der Politik gelingt, die dreigliedrige Bankenlandschaft in den europäischen Institutionen zu verteidigen. Im Brennpunkt steht unter anderem die Harmonisierung des Einlagesicherungssystems, dem auf Seiten der Genossenschaftsbanken das institutionelle Sicherungssystem gegenüber steht. „Unser oberster Souverän sind die 1146 Genossenschaftsbanken, die deren Kunden gehören.“ Das Kernkapital der Volks- und Raiffeisenbanken sind Genossenschaftsanteile, die neuen Regularien, darunter Basel III fokussieren aber auf Aktienkapital. Eine Vereinheitlichung der Regeln ist daher für die Genossenschaften nicht abbildbar. Fröhlich fordert an diese Stelle auch ganz klar politische Unterstützung: „Politik muss zwischen den Bankenmodellen differenzieren.“
Diese Thematik fokussierte Burkhard Breiing mit seiner Aussage, dass der Export-Vizeweltmeister Deutschland auch auf parallel laufende und gut funktionierende Finanzströme angewiesen sei. Auf der Ebene der „Global Player“ sieht Breiing die deutschen Banken unterrepräsentiert und forderte vehement die Erhöhung des Eigenkapitals. Nur so könne Vertrauen und Funktionalität für das System zurückkommen. Stabilisierend wirke auch, so Breiing, die Handelsbücher von den Kreditbüchern zu trennen. Nur so ließe sich vermeiden, dass das Spargeld des Einzelnen zum Haftungskapital des Handels wird.
Heinrich Haasis warf an dieser Stelle die Frage ein, wozu wir „Global Player“ – auf Deutsch: „weltumspannende Spieler“ – eigentlich brauchen. Er moniert die Intransparenz dieser Institutionen und stellt auch die Frage an die Politik: Wie kann man 18 Mrd. Euro an eine Bank geben, ohne gleichzeitig einen Besserungsschein zu fordern? Es sei daher kein Wunder, dass viele Menschen nicht mehr verstünden, was im Bankengeschäft gehe. Das Vertrauen ist erschüttert und dabei, so Haasis, gehe es schon längst nicht mehr um die Frage der Banken. Banken wird es immer geben, so Haasis weiter, die Frage ist, ob das Vertrauen in die Demokratie hält.
Kapitalmarktexperte Bernd Rudolph (LMU München) war sehr lösungsorientiert angetreten und präsentierte ein Modell, um die Doppelfunktion des Eigenkapitals aufzubrechen. „Die Tagung hat gezeigt, dass sich auch die deutschen Banken auf neue Herausforderungen und geänderte Rahmenbedingungen einstellen müssen. "Die Hanns-Seidel-Stiftung wird deshalb das Thema Bankenlandschaft im Blick behalten.“ Mit diesen Worten schloss Hauptgeschäftsführer Peter Witterauf die Podiumsdiskussion.

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