Kontakt

Büro Berlin
Leiter: Ernst Hebeker
Tel.: 030 722 40-13 | Fax: 030 723 200-22
E-Mail: berlin@hss.de

Publikationen

Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
Schutzgebühr: Keine
Download der Publikation
Diese Publikation bestellen

Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
Schutzgebühr: Keine
Download der Publikation
Diese Publikation bestellen

Aktuelle Veranstaltungen

Montag, 21. Januar 2013 bis Freitag, 25. Januar 2013

Wildbad Kreuth

Grundseminar Rhetorik

Montag, 21. Januar 2013

Parsberg

Kurzveranstaltung zur Vereinspraxis (Steuer)

Montag, 21. Januar 2013

Wonfurt

Pflegeversicherung

Hanns-Seidel-Stiftung im Web 2.0

Meine HSS

Seite hinzufügen
löschen
 

Löst Zuwanderung den Fachkräftemangel?

Die Expertenrunde: Gunnar Heinsohn, Werner Schnappauf, Ernst Hebeker, Joachim Herrmann, Herbert Brücker, Max Straubinger

Deutschland ist dabei, sich von der größten Wirtschafts- und Finanzkrise der letzten Jahrzehnte zu erholen. Mit diesem Trend, dem neuen „German Wunder“, hält die alte Diskussion über Zuwanderung und Fachkräftemangel aufs Neue Einzug in die öffentliche Debatte.

„Zuwanderung: Chance zur Lösung des Fachkräftemangels?“ unter diesem Titel erörterte auf Einladung der Hanns-Seidel-Stiftung am 23. November 2010 eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde in der Bayerischen Vertretung in Berlin, Ausmaß und Ausweg aus dem drohenden Fachkräftemangel.

Nach einem Impulsvortrag des Bayerischen Innenministers, Joachim Herrmann, diskutierten der Arbeitsmarktexperte Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarktforschung in Nürnberg (IAB), der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Industrie, Werner Schnappauf, der Bundestagsabgeordnete und CSU-Sozialpolitiker, Max Straubinger, sowie der  Sozialwissenschaftler Gunnar Heinsohn.
 
Bei seiner Eröffnungsrede in der Bayerischen Vertretung appellierte der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Hans Zehetmair, bei der Diskussion um den Ausweg aus dem drohenden Fachkräftemangel sowohl das christlichen Menschenbild als auch die Grundsätze der sozialen Marktwirtschaft im Auge zu behalten und die Arbeitnehmer als Menschen, ausgestattet mit einer unantastbaren Würde, zu sehen - und nicht als beliebig transferierbares „Humankapital“. Es gelte Junge wie Alte, Frauen und Männer, gleichermaßen wertzuschätzen, zu fördern und zu fordern. Mit diesem Hinweis auf die Notwendigkeit alle Menschen hierzulande einzubinden, nahm Zehetmair bereits eine gemeinsame Grundlinie der Diskutanten vorweg.

Insbesondere Innenminister Herrmann betont mit Blick auf eine Arbeitslosenquote von sieben Prozent, dass es hier noch Handlungsbedarf gebe. Gerade älter Arbeitssuchende, die oftmals von den Branchen freigesetzt worden sind, die jetzt am lautesten nach ausländischen Fachkräften rufen, sind vielfach hochqualifiziert. Ebenso gelte es Frauen, die gerne arbeiten würden, Bedingungen zu schaffen, die es ihnen erlauben, Familie und Beruf angemessen zu vereinbaren. Drittens ist es ein Gebot junge Menschen zu fördern, gerade auch Jugendliche mit Migrationshintergrund.

In der Pflicht stehe auch die Wirtschaft, das benötigte Fachpersonal selbst heranzubilden.  Auch müsse sie sich die Frage gefallen lassen, so der Minister, warum trotz der bestehenden und weitreichender Möglichkeiten zur Anwerbung ausländischer Fachkräfte, die Herrmann auch ausführlich darstellte, nur vergleichsweise wenige Hochqualifizierte nach Deutschland kommen. Mehr noch: Deutschland leidet im Bereich der Hochqualifizierten sogar unter einem „Brain Drain“, d.h. es wandern mehr deutsche Hochqualifizierte aus als ausländische ein.

Auch der CSU-Abgeordnete und Sozialpolitiker Max Straubinger nahm die Wirtschaft in dieser Hinsicht in die Pflicht. Zudem sprach er von „gefühlten Bedarfen“ der Wirtschaft, denn die offiziellen Antrags- und Vermittlungszahlen, die Straubinger zitierte, zeichnen ein anderes Bild. Straubinger wies auch daraufhin, dass die Agentur für Arbeit nach geltendem Recht bereits jetzt die Möglichkeit hätte, bei akutem Arbeitskräftemangel in einer Branche, die Vorrangprüfung auszusetzen.

Mit ihrer Forderung nach Verbesserung und Erleichterung von Zuwanderung von Fachkräften zielt die Industrie darauf ab, so der Hauptgeschäftsführer der Deutsche Industrie, Werner Schnappauf, die überaus positive, im OECD-Vergleich fast singuläre Situation der deutschen Wirtschaft zu stabilisieren und das qualifizierte Wachstum zu verstetigen. Dazu plane die Industrie in den nächsten Jahren wieder verstärkt in den Standort Deutschland zu investieren. Eine Voraussetzung hierfür sei ein ausreichendes Fachkräftepotenzial. Deshalb fordert auch der BDI ein in sich schlüssiges Gesamtkonzept, das alle Ressourcen aktiviere.

Immer wieder wurde im Verlauf der Diskussion die Frage aufgeworfen, ob es nun tatsächlich einen Fachkräftemangel gibt und welches Ausmaß er vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung in den nächsten Jahren annehmen werde. Anschaulich legte der Arbeitsmarktexpert Herbert Brücker die Schwierigkeit dar, von der allgemeinen demographischen Entwicklung, die eindeutig ein schrumpfendes Erwerbspersonenpotenzial zur Folge haben wird, auf den konkreten Fachkräftemangel für Berufsgruppen und Branchen zu schließen. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass aufgrund von Innovationsschüben und technologischem Fortschritt sich weder Marktwirtschaft noch der Arbeitsmarkt verlässlich prognostizieren lässt.

Eine Erkenntnis sei jedoch gesichert und diese müsse bei aller politischen Diskussion um arbeitsmarktgerechte Zuwanderung bedacht werden: Für den Arbeitsmarkt gelte – umgekehrt zu allen anderen volkswirtschaftlichen Märkten – die Nachfrage passt sich dem Angebot an, d.h. wenn das Potential an Arbeitskräften gut ist, dann wachsen die entsprechenden Jobs nach. Aus diesem Grund plädiert Brücker für einen „Premiumzugang“ für junge ausländische Fachkräfte und Hochqualifizierte, die am Beginn ihres Erwerbslebens stehen und hochgradig mobil sind. Dies ist auch als Signal nach außen zu sehen im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte.
 
Auf den Zusammenhang zwischen dem „Pool an Talenten“ und der Entstehung von neuen Arbeitsplätzen in (neuen) Branchen ging auch der Sozialwissenschaftler, Gunnar Heinsohn, ein und verglich hierzu kritisch die Zukunftsfähigkeit Deutschlands mit anderer OECD-Staaten, die untereinander in einem harten Wettbewerb um die klügsten Köpfe stehen. Im Binnenwettbewerb attestierte Heinsohn mit einem Seitenblick auf Bayern und seine Nachbarn, diesem hohe Attraktivität und ein hohes Innovationspotenzial.