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Referat II/7 Arbeit und Soziales, Demographischer Wandel, Familie, Frauen und Senioren
Dr. Susanne Schmid
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Starke Frauen Starke Worte: Gerda Hasselfeldt
Mit Frauen anstatt über Frauen zu reden ist das Ziel unserer neuen Veranstaltungsreihe "Starke Frauen Starke Worte". Die stellvertretende Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Prof. Ursula Männle, betonte bei ihrer Begrüßung wie wichtig es ist, dass die Hanns-Seidel-Stiftung Frauen und Frauenthemen wieder mehr in den Mittelpunkt ihrer Arbeit rückt.
Unter dem Motto Starke Frauen Starke Worte sollen in Zukunft regelmäßig Frauen aus Politik und Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft, Medien und Kultur ausführlich zu Wort kommen und über Erfahrungen und Einsichten, über große Erfolge und einschneidende Erlebnisse berichten. Die Moderatorin Daniela Arnu vom Bayerischen Rundfunk führt biografische Gespräche mit Frauen, die eine spannende Lebensgeschichte oder einen außergewöhnlichen Beruf haben. Frauen, die etwas bewegen und etwas zu erzählen haben.
Auftaktveranstaltung
Zur Auftaktveranstaltung war die Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt eingeladen, die im Gespräch mit Daniela Arnu Einblicke in ihr Leben als Politikerin gab. Als Abgeordnete, langjährige Bundesministerin und Bundestagsvizepräsidentin gehört Gerda Hasselfeldt zu den erfolgreichsten Politikerinnen Deutschlands. Vor 31 Jahren ist sie in die CSU eingetreten, seit 22 Jahren ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages.
Obwohl sie sich schon als Jugendliche für Politik interessierte, war sie „als Mädchen eigentlich nicht dazu erzogen worden, sich in die Politik einzumischen.“ Dennoch nahmen Hasselfeldt und ihre Geschwister als Kinder im Gasthaus der Eltern ganz selbstverständlich am Geschehen teil, so dass Politik ihnen schon von Kindesbeinen an vertraut war. Ihre Mutter war zunächst nicht begeistert, ihr Vater, selbst aktiver Kommunalpolitiker und Bundestagsabgeordneter, beobachtete ihr Interesse, ohne es jedoch aktiv zu fördern. Mit 16 Jahren gründete Hasselfeldt einen politischen Arbeitskreis an ihrem Mädchengymnasium, weil sie „etwas bewegen“ wollte. Als die Junge Union, die auch in ihrem Gasthaus tagte, eines Tages keinen Vorsitzenden mehr hatte, baten sie Hasselfeldt, dieses Amt zu übernehmen. So wurde die gerade einmal 18-Jährige Vorsitzende einer „Männerriege“. Sechs Jahre engagierte sie sich in diesem Amt, „aus Freude an der Verantwortung und nicht mit dem Ziel, irgendwo ein Mandat zu erringen.“
Das Engagement setzte sich soweit fort, dass sie zur stellvertretenden CSU-Bezirksvorsitzenden in Niederbayern gewählt wurde und zweimal auf der Liste für den Landtag kandidierte, allerdings beide Male auf einem aussichtslosen Platz. Sie hatte trotzdem viel Spaß an den Wahlkämpfen und zeigte vollen Einsatz, da sie der Meinung war, „dass man auch mal gelegentlich sich zur Verfügung stellen muss, um einfach für alle ein gutes Ergebnis zu erreichen.“ Der Gemeinschaft zu dienen, nah an den Menschen zu sein und mitzugestalten – das war für Gerda Hasselfeldt der Antrieb, ihr politisches Engagement immer weiter auszubauen.
Familie, Beruf und Politik
So war sie bereits zu einer Zeit, in der es noch wenig Verständnis für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gab, dreifach aktiv: Als Mutter, als Berufstätige und als Politikerin. Alle drei Säulen waren ihr sehr wichtig und sie wollte nichts davon missen. Erst als sie 1987 als zweite Frau auf der CSU Liste in den Deutschen Bundestag einzog, gab sie ihren Beruf als Abteilungsleiterin im Deggendorfer Arbeitsamt auf und war von nun an „von Beruf Abgeordnete“. Die Trennung von ihrer Familie während der Sitzungswochen in Bonn fiel ihr nicht leicht, doch Dank der großen Unterstützung ihres Mannes und einer Kinder- und Haushaltshilfe, ließen sich auch diese Hürden bewältigen.
Als Berufspolitikerin im Deutschen Bundestag
Als Neuling im Parlament engagierte sich Hasselfeldt gleich in mehreren Ausschüssen und wurde nur zwei Jahre später als erste CSU-Politikerin ins Kabinett von Bundeskanzler Helmut Kohl berufen, als Bundesministerin für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau. So war Hasselfeldt nur zwei Jahre nach der Übernahme ihres ersten politischen Mandats in die höchste Position vorgerückt, die eine CSU-Politikerin bis zu diesem Zeitpunkt inne gehabt hatte. Insgesamt war sie bis dato allerdings schon 20 Jahre aktives Mitglied der CSU. Sie behielt ihren Kabinettsposten auch nach der nächsten Bundestagswahl 1990, allerdings von nun an als Gesundheitsministerin. Der Aufbau eines neu zugeschnittenen Ministeriums und die anstehende Gesundheitsreform führten jedoch dazu, dass sie zwei Jahre später aus gesundheitlichen Gründen selbst ihren Rücktritt als Ministerin erklärte. Sie widmete sich von nun an verstärkt der Wahlkreis- und Parteiarbeit vor Ort und übernahm außerdem den Landesvorsitz der Frauen-Union. Im Bundestag fügte sie sich „ganz normal in die Abgeordneten-Riege“ ein und stellte keine besonderen Ansprüche, sondern übernahm Positionen, die gerade frei waren. Dennoch wurde sie nach kurzer Zeit sozialpolitische Sprecherin der Landesgruppe und wiederum kurz darauf finanzpolitische Sprecherin der CDU/CSU Fraktion im Deutschen Bundestag, eine Position, die sie sieben Jahre lang inne behielt, bis sie 2002 zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt wurde, wieder einmal mit einem ganz neuen Aufgabengebiet, nämlich Landwirtschaft, Kommunalpolitik und Verbraucherschutz. Als sich nach der Bundestagswahl 2005 die Möglichkeit der Bundestagsvizepräsidentschaft auftat, nahm sie wiederum eine neue Herausforderung an.
Tipps für den politischen Nachwuchs
Gerda Hasselfeldt kann zweifellos als Vorzeige-Politikerin und als eine der erfolgreichsten CSU-Politikerinnen aller Zeiten bezeichnet werden. Ihr Tipp für Nachwuchspolitikerinnen lautet: Frauen müssen die politischen Spielregeln erlernen und sie akzeptieren. Dazu gehört vor allem, bei der Vergabe von Positionen nicht darauf zu warten gefragt zu werden, sondern selbst „hier zu schreien“ oder von Verbündeten „hier schreien zu lassen.“ Doch darf man dabei nicht vergessen: „Politische Arbeit sollte nie nur für einen selbst da sein, um ein bestimmtes Amt zu erreichen. Politische Arbeit bedeutet: Der Gemeinschaft zu dienen.“
Als nächste Termine sind geplant:
- 6. Juli 2010: Regine Sixt spricht zum Thema Frauen und Networking – ihr eigenes Netzwerk betrachtet die „Mietwagenkönigin“ als ihr größtes Kapital
- 20. September 2010: Die Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld berichtet von ihren „drei Leben“ in der DDR Diktatur, der Bürgerrechtsbewegung und in der Freiheit

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