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Nanotechnologie: Schlüsseltechnologie im 21. Jahrhundert

Nanoschaum (Bild: Pressefoto BASF)

„Nano ist wirklich klein! Der Nanokosmos funktioniert anders! Die Nanotechnologie ist interdisziplinär und in ihr steckt noch viel Potenzial!“ Das waren die wesentlichen Botschaften von Dr. Lorenz Kampschulte, dem Kurator für Nano- und Biowissenschaften und Leiter des „Zentrums Neue Technologien“ am Deutschen Museum. Mit seinem Vortrag „Nano im Alltag: große Chancen – große Risiken?“ am 28. September 2010 im Konferenzzentrum München sensibilisierte er die Zuhörer für eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts.

Kampschulte bestätigte, dass die Nanotechnologie zur Zeit in der öffentlichen Wahrnehmung an Bedeutung gewonnen hat. „Nano ist sicherlich auch ein Modewort! Dabei ist nicht immer Nano drin, wo Nano drauf steht!“ so der Referent.

Aber was ist Nanotechnologie überhaupt?

Nanotechnologie beschäftigt sich mit der Forschung und Konstruktion in sehr kleinen Strukturen: ein Nanometer (nm) entspricht einem Millionstel Millimeter. Nano (griech: Zwerg) umfasst Forschungsgebiete aus der belebten und unbelebten Natur. Damit ist Nano eine „Technologie im Größenbereich“ und eine Querschnittstechnologie, die verschiedene Naturwissenschaften einbezieht: Chemie, Physik, Biologie.

Politische und wirtschaftliche Dimension

Karl Heinz Keil und Lorenz Kampschulte

Die politische Dimension werde sehr schnell klar, wenn man sich die umfangreichen Förderprogramme und den Kampf um die Fördergelder ansehe, so der Referent. Deutschland und hier speziell Bayern seien aber in der Nanotechnologie gut aufgestellt. Die „Nanoinitiative Bayern GmbH“ beispielsweise verzahnt Schlüsselbranchen wie Automobilindustrie, Elektronik, Maschinenbau oder Medizintechnik mit der nanotechnologischen Forschungskompetenz. Der weltweite Umsatz der Nanotechnologie sei nach vorsichtigen Schätzung von 2001 bis 2010 von 54 Millionen Euro auf 220 Millionen Euro gestiegen. Einige Experten erwarten bis zum Jahr 2015 eine Steigerung auf 1,8 Billionen Euro Umsatz.

Geschichte der Nanotechnik

Die Geschichte der Nanotechnik ist alt. So sei der Lotusblüteneffekt, der auf den Prinzipien der Nanotechnologie beruht, schon lange bekannt. Auch das in der Antike übliche Haarefärben mit Bleisulfit oder das mittelalterliche Goldrubinglas seien Vorläufer der Nanotechnologie gewesen. Als Pionier der theoretischen Grundlagen der modernen Nanotechnologie kann der amerikanische Physik-Nobelpreisträger Richard P. Feynman genannt werden - er beschrieb während eines Vortrages im Jahre 1959 als Erster seine Visionen der Manipulation von Materie auf atomarer Ebene. Der Begriff der Nanotechnik wurde dann erstmals 1974 von dem Japaner Norio Taniguchi geprägt, der die revolutionären Anwendungsmöglichkeiten von Materialien in ultrakleinen Dimensionen beschrieb. Der technische Durchbruch kam dann 1981 mit der Erfindung des Rastertunnelmikroskops, das erstmals „nicht nur Atome sehen ließ, sondern auch Atome bewegen!“, so Kampschulte.

Anwendungsfelder - Nano im Alltag

Nano im Alltag (Bild: Deutsches Museum)

Die Anwendungsfelder sind vielfältig: Medizin, Optik, Energietechnik, Umwelttechnik, Information- und Kommunikationstechnologie und Verbraucherprodukte. Exemplarisch ging Kampschulte dann zunächst auf neue Materialien ein. So haben Kohlenstoff-Nanoröhrchen die dreißigfache Zugfähigkeit von Stahl. Weitere Anwendungsgebiete sind antibakterielle Oberflächen mit Nanosilber und Sonnencremes mit Nanopartikeln. Auch in der Medizin habe die Nanotechnologie Einzug gefunden: die Thermotherapie mit magnetischen Nanopartikeln, in der magnetisch anregbare Nanopartikel in den Tumor eingebracht werden, könne in der Krebstherapie neue Wege aufzeigen.

Risikodiskussion

Aber auch die Risikodiskussion kam nicht zu kurz. Künstliche Nanoteilchen, die fest in andere Stoffe eingebunden sind, dürften als harmlos gelten. Wie aber sieht es aus mit freien unlöslichen Nanopartikeln, die der Mensch etwa über die Atmung, die Haut oder den Magen-Darm-Trakt aufnimmt? Die größten Risiken sehen Wissenschaftler im Einatmen von Nanopartikeln. Studien zum schon länger bekannten Problem des Feinstaubs geben Hinweise. Untersuchungen belegen, dass Partikel je nach Größe die natürlichen Schutzschilde des Menschen – die Schleimhäute in Nasen, Rachen und Bronchien – passieren und sich in der Lunge ablagern können. Kampschulte verwies hier auch auf  die Diskussion um Asbest, die gewisse Ähnlichkeiten aufweist.

Fazit

Wie jede Technologie birgt die Nanotechnologie Chancen und Risiken. Kampschulte plädiert für eine Einzelfallbetrachtung. Wichtig sei hierzu die Information des Bürgers, zu der diese Vortragsveranstaltung beitrage.