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Referat III/6 Familie, Frauen, Senioren, Religion und Gesellschaft, Integration
Dr. Bok-Suk Ziegler
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Der biblische Schöpfungsglaube versus Naturwissenschaft?
Die Frage nach dem Ursprung der Welt ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit. Diesbezüglich gab es in diesem Jahr zwei bedeutsame wissenschaftliche Ereignisse: Im März brachte das Europäische Kernforschungszentrum (CERN) in Genf hochbeschleunigte Protonen zur Kollision, die den Urknall simulieren sollten. Im Mai stellt der amerikanische Biochemiker Craig Venter, der bereits das menschliche Genom entschlüsselt hat, ein künstlich im Labor geschaffenes Lebewesen vor. Aus diesem aktuellen Anlass veranstaltete das Bildungswerk vom 18. bis zum 20. Juni 2010 in Wildbad Kreuth ein Seminar zum Thema „Der biblische Schöpfungsglaube versus Naturwissenschaft?“.

- Franz Sedlmeier
Prof. Dr. Franz Sedlmeier, der alttestamentliche Wissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg lehrt, referierte über die Schöpfungsgeschichte aus bibel-theologischer Perspektive. Dem Thema „Schöpfung“ kommt, wie Prof. Sedlmeier aufzeigte, innerhalb der Bibel eine zentrale Stellung zu. Der Bedeutung dieses Themas in der Schrift entspreche auch eine neue Sensibilität für die Schöpfung und den verantwortlichen Umgang mit ihr in der Gegenwart.
Vor dem Hintergrund altorientalischer Schöpfungsvorstellungen, die die Schöpfung als ein vom Chaos umgebenes, gefährdetes Lebenshaus wahrnehmen, erschließen sich auch die biblischen Schöpfungstexte. Die Mythen des alten Orients und die biblischen Urgeschichten fragen zwar wie die Naturwissenschaften nach der Entstehung der Welt. Doch machen sie ihre Aussagen nicht auf naturwissenschaftlicher Ebene. Es geht ihnen vielmehr um Sinn und Ziel menschlicher Existenz und um die existentielle Verortung des Menschen.
Schöpfung ist in der Bibel nicht auf ein Geschehen am Anfang („creatio prima“) beschränkt, Schöpfung geschieht nach biblischem Verständnis fortwährend („creatio continua“). Der erste Text der Bibel Gen 1,1-2,4a mit seinen zentralen Aussagen über das schöpferische Handeln Gottes und über die Stellung und Aufgabe des Menschen in der Welt hat auch heute seine Aussagekraft nicht verloren. Eingebunden in die Schöpfung und in Solidarität mit ihr kommt dem Menschen als „Abbild“ der Gottheit eine besondere Würde und Verantwortung zu. Der biblische Herrschaftsauftrag ist kein Freibrief für die Ausbeutung von Welt und Mensch, sondern ist Verpflichtung zum verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung, damit das Lebenshaus des Menschen auch künftigen Generationen erhalten bleibt.

- Frank Jenko
Der Plasmaphysiker Prof. Dr. Frank Jenko vom Max-Planck-Institut in Garching erläuterte das Verhältnis zwischen Schöpfungsglaube und Naturwissenschaft. Er resümierte, dass Religion und Naturwissenschaft sich nicht ausschließen, wie manche heutzutage glauben oder fürchten, sondern sich gegenseitig ergänzen und bedingen. Dabei nannte er einige namhafte Naturwissenschaftler wie Max Planck, Werner Heisenberg oder Blaise Pascal, die alle von tiefer Religiosität durchdrungen waren.
Die beiden Referenten waren Sich einig, dass der Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaften nicht zuletzt geboten sei, damit beide in gemeinsamer Verantwortung die anstehenden Herausforderungen angehen (z.B. Ethik der Wissenschaften, Ethik in den Wissenschaften, Wert- und Sinnfragen, Welterkenntnis und Daseinsorientierung) und sich so in den Dienst der Menschheit stellen.

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