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Referat II/3 Wirtschaft und Finanzen
Dr. Claudia Schlembach
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Sind Unternehmer die besseren Manager?
Manager galt jahrelang als einer der meistbegehrtesten Berufe, trotz vieler kritischer Anmerkungen zu den „Nieten in Nadelstreifen“. Das Unternehmer-Sein lag und liegt dagegen in der Attraktivitätsskala weit abgeschlagen.
Die aktuelle Krise hat eine Wertedebatte nach oben gebracht, die aus dem positiven Bild des Managers fast ein Feindbild entstehen lässt. Der wirtschaftlichen Entwicklung ist damit nicht geholfen, denn sie braucht Manager. Aber offenbar wünschen sich die Menschen ein stärker unternehmerisches Denken dieser Berufsgruppe, eine stärkere Einbindung in die Konsequenzen ihrer Entscheidung. Wie lässt sich der Spagat zwischen den kurzfristigen Anforderungen der Shareholder und den nachhaltigen Konsequenzen schließen? Wie lässt sich die scheinbare Kluft zwischen Gewinn und Moral überbrücken? Welche Bedeutung kommt dabei dem Unternehmer zu, wie positioniert er sich in diesem Spannungsfeld? Und: Können Unternehmer und Manager voneinander lernen? Sind Unternehmer die besseren Manager? Diesen und anderen Frage ging die Hanns-Seidel-Stiftung am 19. April 2010 nach.
Karl-Ludwig Schweisfurth, Gründer und Ehrenvorsitzender des Kuratoriums der Schweisfurth-Stiftung, berichtete plastisch und eindringlich von seinem Weg zum ökologischen Unternehmer. Immer wieder brach er in seinen Ausführungen eine Lanze für das Unternehmersein: „Es gibt keinen schöneren Beruf“, so seine Überzeugung. Mit ihm stand plötzlich auch der Begriff „Lidlisierung“ des Lebens im Raum, Synonym für eine Kultur, die in erster Linie Druck aufbaut: auf Mitarbeiter, Lieferanten, Preise, Bauern, Tiere. Der Unternehmer kann sich aus solchen Korsetts befreien, kann gestalten, darf Denken und Handeln in Einklang bringen und sich einen Radius an Lebens- und Arbeitswelt spannen, der für ihn und seine Mitarbeiter überschaubar bleibt.
Diese Bescheidenheit ist auch Wolfgang Graf zu Castell-Castell, angestellter Direktor der Fürstlich Castell`schen Bank, ein Anliegen. Er gab Einblicke in die Unternehmens- und Führungskultur dieser kleinen Privatbank und präsentierte seine Überzeugung, dass die Wertekultur die das Unternehmen vorgibt, die Leitplanken für anständiges Verhalten im Management sind. Wer seine Wertvorstellungen nicht formuliert, kann auch keine Folgsamkeit erwarten. Dieses Wertegerüst fehlt in den Unternehmen und in der Gesellschaft gleichermaßen.
Während Karl-Ludwig Schweisfurth von der Individualität und der Gestaltungsfreiheit der Unternehmer schwärmte, beklagte der Journalist und Autor Günter Ogger einen Mangel bei den Managern: "Manager sind auf Mitlaufen gepolt". Konformismus und Herdentrieb herrschen vor, Reflexion findet nicht statt, der Mut für unpopuläre Entscheidungen fehlt. Das heißt aber nicht, so Ogger weiter, dass Unternehmer automatisch die besseren Manager sind. In vielen plastischen Beispielen konnte er aufzeigen, dass Unternehmer scheitern, weil es ihnen an Managementkompetenz fehlt. Im schlimmsten Fall sind sie nicht in der Lage, die Manager zu kontrollieren. Ist das der Fall "sollten sie ihren Betrieb schnellstmöglich weitergeben."
Bleibt festzuhalten, dass die beiden nicht ohne einander können, dass es Zeit wird, das Spannungsfeld zu thematisieren und Wege zu finden, die Unterschiede in den Lebens-, Denk- und Arbeitswelten herauszuarbeiten, und zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit zu finden.
Zu dieser Veranstaltung haben wir für Sie einen Meinungstreff eingerichtet. In unserem
Blog "Sind Unternehmer die besseren Manager?" können Sie uns und allen Interessierten Ihre Sicht der Dinge mitteilen. Besuchen Sie uns, wir freuen uns auf Ihre Meinung!

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