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Vukovar: ein „Zeichen der Hoffnung“

Željko Sabo

Die Donau als längster Strom Europas durchfließt von West nach Ost alte und junge Demokratien. Entlang der Donau fließen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Europas in einander. Was das konkret bedeuten kann, manifestiert sich an der ostkroatischen Grenzstadt Vukovar, die 1991 Schauplatz massiver Kriegsverbrechen im zerfallenden Jugoslawien war und in vielerlei Hinsicht symbolträchtig ist.

Auf Einladung des Berliner Büros der Hanns-Seidel-Stiftung und der Europäischen Akademie Berlin war der amtierenden Bürgermeister von Vukovar, Željko Soba, am 26. Oktober 2010 in Berlin zu Gast.

Fast genau 19 Jahre nach dem Fall der ostkroatischen Stadt Vukovar beschreibt Bürgermeister Sabo den Alltag in der „kroatischen Heldenstadt“, die traurige Berühmtheit erlangte. Vor dem Krieg war die bekannte Industriestadt mit ihrem Donauhafen für 42.000 Bürger mit 24 verschiedenen Nationalitäten Heimat gewesen. Davon waren 42 Prozent Kroaten und 38 Prozent Serben. Im Vielvölkerstaat Jugoslawien galt die Stadt an der Donau einstmals als Symbol für Brüderlichkeit und Einheit.

Als am 18. November 1991 die Stadt nach monatelanger Belagerung und schweren Kämpfte zwischen Jugoslawischer Volksarmee und serbischen Milizen einerseits und kroatischen Verteidigern andererseits fiel, war nicht nur die Stadt  vollständig zerstört, sondern auch das gegenseitige Vertrauen und die Selbstverständlichkeit im  Zusammenleben der kroatischen und serbischen Einwohnern.

Nach den Grausamkeiten und Verheerungen des Krieges, die auch zu Verurteilungen in Den Haag führten, steht Vukovar im kollektiven Gedächtnis der jungen Republik Kroatien für Zerstörung, Massenmord und Vertreibung. Die Wunden heilen nur langsam. Noch immer gelten 450 Einwohner als vermisst, 4.000 Menschen verloren ihr Leben.

Eckart D. Stratenschulte (EAB) und Željko Sabo

Schmerzlich sei die Vergangenheit, erklärte der kroatische Botschafter Dr. Miro Kovac bei seinem Grußwort, aber Kroatien schaue „pragmatisch nach vorne“ und nach Europa. Es gelte ein historisches Gedächtnis zu kultivieren und Versöhnung zu propagieren. Man müsse, so betonte der Botschafter, eine Vision von der Zukunft haben. Diesen Anspruch verkörpere im Besonderen der Bürgermeister von Vukovar in seinen Bemühungen um Frieden und Versöhnung.

Für Bürgermeister Sabo ist seine Stadt bereits heute „Zeichen der Hoffnung“, der friedlichen Reintegration in deren Verlauf, die Menschen an diesem traurigen Tatort des Krieges ihren Alltag wiederfinden. Als Vater wünsche er sich, seinen Kindern die Schönheiten jenseits der Donau zeigen zu können. Als Bürgermeister arbeite er am Miteinander und am wirtschaftlichen Aufschwung. Es sei noch nicht gelungen,  die frühere Wirtschaftskraft wie vor dem Krieg zu entwickeln als die Region florierte. Viele Anstrengungen seien nötig jungen Menschen in der Region eine Perspektive zu geben.

Ernst Hebeker, Botschafter Miro Kovac, Sandra Blagec, Gesandte-Botschaftsrätin, Daniel Glunčić, II. Sekretär

Wenn auch die Donau heute mehr denn je Grenze sei, so entwickle sich der persönliche Austausch mit den serbischen Nachbarn über die Donau hinweg. Mit Unterstützung der niederländischen Regierung gibt es neuerdings auch wieder eine Fährverbindung zwischen dem kroatischen und serbischen Donauufer.

Mit dem ersten Besuch eines serbischen Präsidenten am 4. November 2010 in Vukovar wurde auch auf höchster Ebene ein Zeichen der Versöhnung gesetzt. Es wächst die Hoffnung für die Zukunft – an einem Ort an der Donau, der zum Sinnbild für Hass und Zerstörung wurde.