Kontakt
Referat II/6 Umwelt, Klima, Ländlicher Raum, Ernährung und Verbraucherschutz
Silke Franke
Tel.: 089 1258-226 | Fax: -469
E-Mail: franke@hss.de
Publikationen
Aktuelle Veranstaltungen
Wirtschaftliche Entwicklungsimpulse für den ländlichen Raum
Fachexkursion nach Oberösterreich am 6. Oktober 2010
Die Verflechtungen großen Zentren und Unternehmen reichen weit und setzen sich auch über Grenzen hinweg fort. So sprechen unsere Nachbarn in Oberösterreich etwa von einem „gemeinsamen Wirtschaftsraum München-Salzburg-Linz“ und erinnern daran, dass der Münchner Autohersteller BMW drei Viertel seiner Motoren in Österreich bauen lässt. Doch auch der ländliche Raum ist nicht „nur die Lücke“ zwischen den Verdichtungsräumen, sondern ein attraktiver Standort, von dem Innovationskraft und Wirtschaftsstärke ausgehen. Das zumindest ist die Vision der Oberösterreichischen Landesregierung. Um diese zu verwirklichen, hat sie ein dichtes Netz an Impulszentren geknüpft und für einen Breitbandanschluss in allen Gemeinden gesorgt. Im Rahmen der Fachexkursion konnten sich Experten aus Bayern vor Ort mit den Verantwortlichen austauschen und einige Beispiele besichtigen.
Dabei fiel der Besuchsgruppe auf, mit welcher Konsequenz die Vision „Innovatives Oberösterreich“ umgesetzt wird. Das konzeptionelle Dach bildet das gleichnamige Strategische Wirtschafts- und Forschungsprogramm, das die Schwerpunkte auf die Struktur- und Kooperationsförderung sowie die Standortentwicklung setzt. Hochgestecktes Ziel ist es, Oberösterreich als führende innovative Region in Europa zu positionieren. Bei der Programmerstellung wirken 250 Experten mit. Zusätzlich ist der Rat für Forschung und Technologie eng eingebunden. Zu den von ihm formulierten allgemeinen Grundsätzen gehören:
- Stärken stärken und Neues wagen
- Maßnahmen forcieren, mit denen möglichst hohe Hebelwirkungen von öffentlichen und privaten Mitteln erzielt werden können
- Hauptaugenmerk auf Maßnahmen legen, die die Unternehmen bei der Umsetzung von Ideen in Markterfolge unterstützen.
Verantwortlich für das Programmmanagement bei der Umsetzung ist die OÖ. Technologie- und Marketinggesellschaft mbH (TMG). Sie unterstützt als landesweite Kontakt- und Koordinationsstelle auch die vielen kleinen Technologie- und Innovationszentren, die als kleine regionale Knoten in dem gesamten Innovationsnetzwerk fungieren. In vielerlei Hinsicht entsprechen sie unseren Existenzgründerzentren, jedoch müssen die Aspiranten das Kriterium „innovativ“ erfüllen. Dann stehen ihnen auch die Gemeinden, Banken und Unternehmen vor Ort zur Seite. Dabei es geht nicht nur um Betriebsansiedlungen, sondern auch um Wissenstransfer, Kooperation und Einbettung in übergeordnete Prozesse der Wirtschafts- und Regionalentwicklung.
Ähnlich konsequent geht man auch bei der Unterstützung interkommunaler Betriebsbaugebiete (etwa vergleichbar mit unseren Gewerbegebieten) vor. Viele kleine Gemeinden bekommen die Ausweisung von Gewerbeflächen oft nur dann genehmigt, wenn sie sich mit Nachbargemeinden zusammenschließen, dafür erhalten sie Hilfe bei der Gründung ihres gemeinsamen „Industrie- und Gewerbeparks“. Die TMG begleitet die Gemeinden, wenn sie die geeignete Kooperationsform oder den Aufteilungsschlüssel für die Ausgaben und Einnahmen suchen. Im Sinne eines gesteuerten Flächenmanagements hat die TMG alle potenziellen Gewerbestandorte in Oberösterreich analysiert und weiß, wo das Potenzial für regional und teilregional oder sogar landesweit bedeutsame Standorte vorhanden ist. So werden die Kräfte auf der jeweiligen Ebene gebündelt und die TMG kann auf Nachfrage den Unternehmen sofort die benötigte Standortqualität bieten. Auf der anderen Seite hofft man auch, unnötigen Flächenverbrauch vermeiden zu können. 2009 gab es bereits 20 solche Zusammenschlüsse mit 172 Gemeinden.
Ein „kooperierender Systempartner“ ist das „Regionalmanagement Oberösterreich“. Auch diese Struktur fördert als Dienstleister die Koordination und Umsetzung relevanter Initiativen, seien dies nun Regionalentwicklungsvereine, Lokale Agenda 21-Gruppen oder Dorf- und Stadtentwicklungsvereine. Sie erhalten Unterstützung etwa bei der Teilnahme an Förderprogrammen oder bei der Initiierung und Abwicklung von Projekten. Eindrucksvoll für die bayerischen Gäste war dabei nicht zuletzt der Personaleinsatz, der hierfür aufgewendet wird: hochgerechnet auf die Einwohnerzahl Bayerns müssten hierzulande mehrere hundert Beschäftigte eingesetzt werden, um eine vergleichbare Angebotsdichte zu erreichen.
Eine pfiffige Idee, die die Exkursionsteilnehmer am Schluss begutachten durften, ist das Konzept „Land lebt auf“. In geeigneten Orten, in denen es keinen Nahversorger gibt, springt die GDL Handels- und Dienstleistungs GmbH ein. Jeweils in Verbindung einer Tankstelle finden vielfältige Angebote ihren Platz: Ein Lebensmittelmarkt mit Vollsortiment zu normalen Preisen, Post, Tabakwaren und Lotto. Die gesamte Anlage ist im Leasingverfahren finanziert. Eigentümer ist stets ein örtlicher Betreiber. Ein besonderes Anliegen sind frische Angebote aus dem Ort, etwa vom Bäcker, und ein kleines Bistro als Treffpunkt. Denn die Erkennungsfarben von „Land lebt auf“ stehen für Kommunikation und Bevölkerung (orange) bzw. für Hoffnung und Perspektive (grün).
Die Hanns Seidel Stiftung bietet zur Vertiefung der Thematik am 8. November 2010 eine Tagung an, die der Frage nachgeht, ob Regionalökonomie als Antwort auf Globalisierung verstanden werden kann.
Vortrag Wilhelm Patri
Vortrag Dietmar Aigenberger
Vortrag Werner Auer
Vortrag Anke Merkl

Themen




