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Büro für Vorstandsangelegenheiten
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Zweite Münchner Ordo-Gespräche
Das Thema Bildung stand im Mittelpunkt der 2. Münchener Ordo-Gespräche vom 28. bis 30. November 2010. Eingeladen zu diesem Austausch junger Führungskräfte hatten wie im Jahr zuvor die Hanns-Seidel-Stiftung, der Bund Katholischer Unternehmer, die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Studentenverbände, der Sozialverband KKV und die Konrad-Adenauer-Stiftung.
Den Auftakt des Seminars gab Prof. Dr. Niels Goldschmidt von der Universität der Bundeswehr in München, der die Bildung als „die soziale Frage der Moderne“ vorstellte. Gleichzeitig wies er auf eine Erkenntnis hin, die in den folgenden Vorträgen immer wieder thematisiert wurde: den engen Zusammenhang zwischen Elternhaus und Schulerfolg. Goldschmidt zitierte Untersuchungen, wonach der Integration schwächerer Schüler am besten durch eine längere gemeinsame Grundschulzeit mit besseren Schülern gedient ist. Dies scheitere aber oft daran, dass sich die Problemfälle in bestimmten Stadtvierteln ballen. Um das aufzubrechen, regte er an, nach amerikanischem Vorbild die Kinder gezielt mit Bussen in die Schulen anderer Gebiete zu bringen und sie so zu mischen.
Mit einem besseren Bildungssystem ließe sich ein großer Teil der Sozialausgaben einsparen, weil mehr Menschen in der Lage wären, sich selbst zu ernähren – glaubt Prof. Dr. Ludger Wößmann vom ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. Die Schaffung gleicher Startchancen durch Bildung sei eine Säule der Sozialen Marktwirtschaft, die sträflich vernachlässigt werde, meinte er. Im derzeitigen System sei das Bildungsniveau des Vaters die zentrale Variable, die Abitur und Hochschulbildung der Kinder bestimme. Je früher im Leben der Staat hier durch Vorschule und Schule investiere, desto höher sei der Ertrag dieser Investitionen. Wie schon Goldschmidt betonte auch Wößmann, dass eine frühe Aufteilung der Kinder nach Leistung die Chancengleichheit verschlechtert.
Aufschlussreiche Statistiken rund um die Familie zitierte der Vorsitzende des CSU-Arbeitskreises Bildung, Jugend und Sport, Georg Eisenreich, MdL: In Deutschland leben demnach rund 11,6 Millionen Familien. Davon seien rund 8,5 Millionen Ehepaare, 2,6 Millionen Alleinerziehende und 800.000 Lebensgemeinschaften. In diesen Haushalten leben 6,1 Millionen Einzelkinder. In vier Millionen Familien leben zwei Kinder, in einer Million drei und nur 300.000 Familien haben vier oder mehr Kinder. 5,6 Millionen der in Deutschland lebenden Kinder haben einen Migrationshintergrund. Da es bei den unter 5-Jährigen sogar ein Drittel ist, werde die Heterogenität im Lande noch weiter zunehmen. Eisenreich betonte, dass die Mehrzahl der Eltern eine „ordentliche Erziehungsarbeit“ leiste. Dennoch gebe es weitere Daten, die Anlass zur Sorge geben: In 40 Prozent der deutschen Kinderzimmer stehe ein Fernseher, in 15 Prozent ein Computer. Fast in jedem zweiten Kinderzimmer gebe es eine Spiel-Konsole. Diese Geräte führen zu einem elektronischen Medienkonsum von durchschnittlich fünf Stunden pro Tag und Kind. „Danach ist alles im Unterricht Gelernte wieder weg“, kommentierte der Politiker diese „Medienverwahrlosung“. Eisenreich glaubt den Studien, wonach nur 30 Prozent des Bildungserfolges von den Schulen abhängt und der Rest von anderen Faktoren. Die zentrale Rolle dabei spielten die Eltern, denn: „Bildung wird vererbt“. Der beste Beitrag zur Chancengerechtigkeit sei daher, wenn die besten Schulen im Lande die öffentlichen Schulen seien – und nicht die (schulgeldpflichtigen) privaten Schulen.

- Abt Johannes Eckert

- Georg Fahrenschon
Gastgeber des zweiten Abends war traditionell Abt Johannes Eckert von der Abtei Sankt Bonifaz, der mit der Gruppe die Heilige Messe feierte. Abt Johannes berichtete über die Geschichte der Abtei und die Arbeit seiner 23 Mönche, bevor der Bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon zur Gruppe stieß. Der Staatsminister wies selbstbewusst auf die Leistungen der Politik in den vergangenen zwei Jahren hin: „Wir haben die Bevölkerung vor der Finanzkrise bewahrt“, sagte er. Umso kritischer sieht er die weit verbreitete Einstellung, die Politik habe eigentlich nichts damit zu tun, dass die Krise für Deutschland keine dramatischen Folgen hatte. Immerhin sei dabei aber der Boden bereitet worden, für eine willkommene Renaissance der Debatten über Werte, freute sich Fahrenschon.
BKU-Mitglied und Familienunternehmer Prof. Dr. Claus Hipp erinnerte in einem persönlichen Statement an seine eigene Bildungszeit und beschrieb mit einem Bild die Rolle von Unternehmern und Vorgesetzten: „Der Dirigent muss nicht besser Geige spielen können als die Musiker, aber er muss wissen, dass er von Spezialisten umgeben ist.
Ein wahres Feuerwerk an Ideen brannte Dr. Christof Prechtl ab. Der Leiter der Abteilung Bildung bei der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) koordiniert zahlreiche Projekte, um die Bildungssituation im Lande zu verbessern. Schon im Jahr 2003 hat die vbw mit der Publikation „Bildung neu denken“ Visionen für das Jahr 2020 formuliert. Der Verband schickt Lehrer in die Wirtschaft und führt eine Praktikumsbörse mit 10.000 Stellen. Ein Studienkompass soll Oberstufenschülern aus Nicht-Akademiker-Haushalten den Weg ins Studium erleichtern, den sie erfahrungsgemäß nur selten finden.

- Markus Vogt
Als Advocatus Diaboli meldete sich der Sozialethiker Prof. Dr. Markus Vogt am letzten Tag der Tagung zu Wort. „Wohlstand für alle ist künftig nur noch zu erreichen durch einen veränderten Wohlstandsbegriff. Durch Zuwächse im Wohlstand ist das nicht mehr zu erreichen“, betonte der Professor für Christliche Sozialethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Folglich vermisst er eine Diskussion darüber, welche Grenzen des Wohlstandes die Gesellschaft akzeptieren wolle: Richtig verstandener Wohlstand für ihn bedeute „gut Leben statt viel haben“. Vogt warnte davor, aus rein ökonomischen Erwägungen alles in die Kinder „hinein zu schaufeln“. Für ihn ist Bildung das, „was übrig bleibt, wenn man alles andere vergessen hat“. Dem Bildungssystem werde heute zugemutet, einen neuen Menschen zu schaffen. Man könne aber nicht von den Schulen erwarten, dass sie alles auffangen, was anderenorts wegbreche. Zudem bilden die Jugendlichen seiner Erfahrung nach einen „Relevanz-Korridor“ für Dinge, die sie aufnehmen. „Alles andere außerhalb dieses Korridors findet nicht statt“. Angesichts des hohen Fernsehkonsums wissen die Jugendlichen heute sehr viel – aber leider nicht das Richtige. Mit Blick auf die sozial Benachteiligten warnte Vogt zudem: „Gleichheitlicher Unterricht für alle führt zu neuen Ungleichheiten“.

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