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Referat II/6 Umwelt, Klima, Ländlicher Raum, Ernährung und Verbraucherschutz
Silke Franke
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Agrarpolitik und Nachhaltigkeit
Herausforderungen und Lösungsansätze für den ländlichen Raum
Agrarpolitik beinhaltet nicht nur die Landwirtschaft und die Vergabe von Fördermitteln, die derzeit mit der Neugestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) verhandelt werden. Weiter gedacht, geht es vielmehr um elementare Bedürfnisse und die Sicherung unserer Zukunft, denn es geht um Nahrungsmittel und Bioenergie, um den Schutz des Bodens und des Wasserhaushaltes und um den Beitrag zur Verminderung des Klimawandels. Es geht aber auch um Lebensqualität und Ethik und die Frage: Wie gehen wir mit der Umwelt, den Tieren und den Arbeitskräften um? Wie wollen wir leben? Ist die Erhaltung der Kulturlandschaft und der Biodiversität, aber auch der besonderen Qualität der ländlichen Räume nur Romantik oder Notwendigkeit?

- Theodor Weber freute sich über die Impulse und Diskussionsbeiträge der Experten.
Zur Diskussion dieser komplexen Themen kamen am 6. Oktober 2011 30 Experten nach Wildbad Kreuth, darunter auch Teilnehmer aus Österreich, Rumänien und den Niederlanden. Sie berieten sich zwei Tage lang zu „Agrarpolitik und Nachhaltigkeit“. In verschiedenen Workshops gingen sie einzelnen Aspekten nach, die das weite Feld der ökologischen wie auch ökonomischen und sozialen Dimensionen abdeckten. Denn „Nachhaltigkeit ist mehr als das bloße Bild bäuerlicher Landwirtschaft“, wie eine Arbeitsgruppe feststellte. So wurden denn auch Stichworte wie Hofübergabe, Existenzgründung, Gendergerechtigkeit, Flächenfußabdruck, Bodenerosion, alternative Energiepflanzen, Biodiversität, Tierschutz und viele weitere erörtert.
Die Veranstaltung, an der neben Wissenschaftlern und Experten verschiedener Disziplinen auch Ministerialbeamte des Landwirtschaftsministeriums und nachgelagerter Behörden teilnahmen, sollte auch konkrete Impulse liefern. Denn, so Dr. Theodor Weber, Leiter der Abteilung Agrarpolitik im Bayerischen Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten, in seinen einführenden Worten: Mit dem Leitbild "Nachhaltige Landwirtschaft in Bayern" und der Zukunftskommission Landwirtschaft ist das Ministerium in einen Prozess des Dialogs über die Zukunft der Landwirtschaft und ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Natur getreten, der fortgesetzt werden soll.

- Arie Veldhuize verwies auf das Portal für unternehmerische Gesellschaftsverantwortung (Corporate Social Responsibility), das gute Beispiele im Umgang mit z. B. Klima, Energie, Tierschutz, Biodiversität und grundlegende Arbeitsnormen zeigt und zur Erfahrungsaustausch einlädt.

- Alois Heißenhuber: "Nachhaltigkeit ist ein schwieriger Begriff und als absoluter Zustand nicht erfüllbar, nur als Annäherung und Kompromiss".
Auch in den benachbarten Niederlanden macht man sich über die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft Gedanken. „Die Zeiten billiger Lebensmittel im Überfluss sind vorbei und die Akzeptanz der Gesellschaft ist heute nicht mehr ohne weiteres gegeben“, stellte Arie Veldhuizen, Attaché des Niederländischen Botschaft in Berlin, fest. Ziel ist daher die „Vernachhaltigung“ der gesamten Produktionskette. Der Attaché zeigte in einem Video verschiedene Beispiele aus seinem Land, in denen der Anspruch vorbildlich umgesetzt wird. „Aber, “so Veldhuizen, „wir schauen gerne nach Bayern. Sie sind uns nicht nur für ihr kritisches Interesse an unseren Produkten, sondern auch für den Ansatz ‚Laptop und Lederhose‘ bekannt“.
Der Wissenstransfer, so die Meinung der Teilnehmer, und die enge Zusammenarbeit von Praxis, Wissenschaft und Verwaltung, werden angesichts der anstehenden Herausforderungen immer wichtiger. Forschungen zu systemischen Zusammenhängen und regionale Pilotprojekte liefern notwendige Erkenntnisse für Best Practice-Ansätze, die über Bildung, Imagekampagnen und Kompetenzzentren in die ländliche Räume gebracht und koordiniert werden sollten. Nachhaltigkeit lässt sich nur schwer definieren, aber über Mindeststandards, Leitlinien und Labels sowie gemeinsame Ziele auf regionaler Ebene sollte eine Annäherung ermöglicht werden, so das Resümee. Wunsch ist, dass die Land- und Forstwirtschaft in der Öffentlichkeit auf Verständnis und Akzeptanz stoßen und dass die Primärproduktion enger an die gesamte Wertschöpfungskette gebunden wird.
Tagungsbericht "Herausforderungen im ländlichen Raum. Agrarpolitik und Nachhaltigkeit"
Vera Bitsch "Agrarpolitik und Nachhaltigkeit. Herausforderungen im ländlichen Raum"
Michael Holzer "Agrarpolitik und Nachhaltigkeit. Arbeitsbedingungen, Gesundheit"
Michael Suda "Agrarpolitik und Kulturlandschaft"
Wolfgang Zehlius-Eckert "Agrarpolitik und Nachhaltigkeit: Biodiversität"

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