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Referat II/3 Wirtschaft und Finanzen
Dr. Claudia Schlembach
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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
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Arbeiten bis 67?

Potenzial älterer Arbeitnehmer erkennen und nutzen

Die Lebenserwartung steigt, die Geburtenrate sinkt, und der Fachkräftemangel ist aktuell wie lange nicht mehr. Da scheint die Verlängerung der Arbeitszeit nur eine logische Konsequenz. Die Frage nach der Umsetzbarkeit diskutierten Arbeitsministerin Christine Haderthauer und weitere Experten am 27. Juni 2011 in München.

Rente mit 67? Gleich, ob diese Grenze dem einen zu hoch oder dem anderen zu niedrig erscheint: In beiden Fällen ist es eine starre Festlegung, die die Potenziale der Arbeitnehmer ungenutzt lässt. In diesem Punkt waren sich alle Redner auf der gemeinsam von der Hanns-Seidel-Stiftung und dem Wirtschaftsbeirat Bayern initiierten Veranstaltung einig: Ein flexibler Renteneintritt sowohl nach oben als auch nach unten kann der Diskussion die menschliche Härte nehmen und den Unternehmen ein nutzbringendes Konzept bieten.

Heinz Laber
Christine Haderthauer

Gastgeber war die HypoVereinsbank-Group, deren Vorstandsmitglied Heinz Laber in seiner Begrüßungsrede einen Einblick in die Welt der demographischen Entwicklung und ihrer Konsequenzen auf den Arbeitsmarkt gab. „Die Deutschen sind die Methusalems Europas“ – eine Erkenntnis, der Staatministerin Christine Haderthauer noch weitere eher unangenehme Fakten folgen ließ. Aber wie zu erwarten, blieb sie dabei nicht stehen, sondern bot Lösungsmöglichkeiten und Wege, um die Menschen für diese Konsequenz der Demographie zu sensibilisieren und gleichzeitig ein positives Bild geänderter Lebensarbeiten zu skizzieren. Denn, so Haderthauer: „Die Köpfe und Herzen der Mitarbeiter sind das Erfolgsmodell in unserer modernen Arbeitswelt.

Umdenken sei dabei von allen Seiten gefordert: Arbeit müsse, so die Ministerin, als angestrebte Tätigkeit definiert werden. Der Strukturwandel fordere eine qualitative Anpassung, die Schrumpfung der Arbeitskräfte dagegen eine quantitative. Und sie hob hervor, dass der Leidensdruck, der derzeit aufgrund dieser beiden Komponenten auf den Unternehmen laste, nicht durch das Ventil Zuwanderung entschärft werden soll, sondern dazu führen soll, das Frauenpotenzial, das Potenzial der Senioren und das der Behinderten zu aktivieren und umzupolen – anstatt weiterhin die Verschwendung dieser Ressourcen klaglos hinzunehmen.

Christine Sasse, Otto Wiesheu und Harald Krüger

Dr. Christine Sasse von der Sasse AG, einem Familienbetrieb im Bereich des Facility Managements, bot sehr plastisch Beispiele nutzbringender Integration von älteren Arbeitnehmern für beide Seiten. Sie hob drei wesentliche Herausforderungen an die Unternehmen hervor: Die Attraktivität des Arbeitsplatzes, der Umgang mit den Konsequenzen des Altersunterschiedes und die Handhabung der Altersunterschiede im Arbeitsalltag. Die Personalleiterin ermunterte die Zuhörer, sich auf die individuellen Kompetenzen und nicht auf die Geburtsdaten zu fokussieren.

Harald Krüger, BMW-Vorstandsmitglied, erhob das Demographie-Management sogar zum kommenden Exportschlager Deutschlands. In eindringlichen Beispielen zeigte er auf, dass BMW sehr konkret am Einzelplatz Maßnahmen trifft, die den Einsatz der leistungsstarken Gruppe älterer Mitarbeiter unterstützen. Mit dem Programm „Arbeitssystem 2017“ demonstriert BMW hier größtmögliche Beweglichkeit.

Hans Zehetmair

Dr. Otto Wiesheu, Präsident des Wirtschaftsbeirats Bayern, der die Veranstaltung moderierte, zeigte sich erfreut über die vielfältigen Aktionen, die in den Unternehmen bereits stattfinden, wies aber auch darauf hin, dass noch zahlreiche weitere Schritte zu gehen sind. „Deshalb“ so Stiftungsvorsitzender Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair, „wird die Hanns-Seidel-Stiftung, gerne auch wieder in Kooperation mit dem Wirtschaftsbeirat Bayern, an diesem Thema dran bleiben. Wir haben hier ein zukunftsweisendes und gesellschaftspolitisch wichtiges Thema, das am besten dann zu lösen sein wird, wenn alle Beteiligten, nämlich Wirtschaft und Gesellschaft aufeinander zugehen."