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Referat II/6 Umwelt, Klima, Ländlicher Raum, Ernährung und Verbraucherschutz
Silke Franke
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Der demographische Wandel als Herausforderung für ländliche Räume

Alois Glück, Peter Ramsauer, Holger Magel und Franz Fischler

Wir werden weniger und wir werden älter. Wie müssen Kommunen und Verwaltungen aufgestellt sein, um die Zukunfts- und Handlungsfähigkeit der ländlichen Räume zu gewährleisten? Genau dieser Frage widmeten sich die 13. Münchner Tage der Bodenordnung und Landentwicklung.

Über 300 Teilnehmer aus Politik, Verwaltung, Planung und Wissenschaft kamen  vom 14. bis 15. März 2011 ins Konferenzzentrum München und diskutierten, welche Entwicklungen zu erwarten und welche Konsequenzen zu ziehen sind. Eingeladen wurden sie vom Förderkreis Bodenordnung und Landentwicklung München, der die Veranstaltung in Kooperation mit der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft nachhaltiger Landentwicklung und der Hanns-Seidel-Stiftung durchführte.

Angesichts der gravierenden Veränderungen reichen die Bekenntnisse für den ländlichen Raum nicht aus. Es braucht grundlegende konzeptionelle Überlegungen. Genau die kommen nach Meinung von Alois Glück bislang zu kurz. Die Nachkriegsgesellschaft erlebte eine Phase des Aufbaus und des Wachstums. „Das war eine enorme Leistung, aber dieser Erfolg ist nicht wiederholbar“, mahnte der stv. Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung. Alle seien nun gefragt, auch seine Generation, die weitere Entwicklung aktiv mitzugestalten.

Prof. Holger Magel, Ordinarius des Lehrstuhls für Bodenordnung und Landentwicklung an der Technischen Universität München: „Die große Schrumpfungswelle kommt erst noch. In Brandenburg wird mancherorts der Abriss notgedrungen als Ereignis gefeiert, mit dem Bürgermeister selbst am Bagger. Ist das die Zukunft? Die Regionen entwickeln sich unterschiedlich. Für mich stellt sich die Frage der Gerechtigkeit und der Chancengleichheit mehr denn je“.  

Wir müssen städtische und ländliche Räume gleichermaßen und bestmöglich entwickeln“, betonte Bundesminister Dr. Peter Ramsauer. Keine Region dürfe abgehängt werden. Die Menschen würden gerne auf dem Land leben, dennoch müssten immer mehr Schulen, Ämter oder kulturelle Einrichtungen mangels Auslastung schließen. Für die Bevölkerung sei das ein Verlust an Lebensqualität. Die Gefahr zusätzlicher Abwanderung steige, eine Negativspirale werde in Gang gesetzt. „Genau hier müssen wir gegensteuern“, so Ramsauer. Eine Schlüsselrolle nimmt für ihn die Infrastruktur ein: „Hierfür habe ich Anfang 2010 eine entsprechende Initiative gestartet, die insbesondere auf diejenigen ländlichen Räume gerichtet ist, die vor besonders großen Herausforderungen stehen.“ Dabei sollen die Gemeinden allerdings auch in größeren Zusammenhängen denken und durch Zusammenarbeit gewinnen. Zu den bestehenden Modellvorhaben gibt es neu auch den Wettbewerb „Menschen und Erfolge“, der vorbildliche Ideen sammelt und zur Nachahmung anregen will. „Wir setzen auf die regionalen Stärken des ländlichen Raumes und auf die Ideen und Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger. Wir wollen ihnen Perspektiven aufzeigen“, so Ramsauer in seinen Schlussworten.

Gerlind Weber, Jürgen Busse, Jakob Kreidl und Rainer Danielzyk

Franz Fischler erläuterte in seinem Vortrag die künftige Architektur der EU-Strukturförderung mit der neuen Förderprogrammperiode, also nach 2013. Die in der Wirtschaft angestrebte Standortoptimierung bringe es mit sich, dass tendenziell urbane Zonen gefördert und das Land deindustrialisiert werde. Nicht nur global gesehen, auch in Europa sei eine Abnahme der ländlichen Bevölkerung auf der einen und eine Urbanisierung auf der anderen Seite zu beobachten. Dem entspreche, dass die Pro-Kopf-Verteilung der Steuermittel zu Lasten der ländlichen Regionen geht. Und je mehr die Effizienz des Mitteleinsatzes zum entscheidenden Kriterium für die Programmplanung wird, umso weniger fließt in die Problemregionen, schätzt Fischler. Doch statt zu jammern und auf „Hilfe von oben“ zu warten und am „Subventionstropf“ zu hängen, sollten die ländlichen Regionen lieber selbst die Initiative ergreifen. Chancen sieht Fischler beispielsweise im Bereich der dezentralen Energieversorgung, in innovativen Transporttechnologien, in einer wissensbasierten Bio-Ökonomie und in der der Nähe zum Bürger.

Mit deutlichen Worten zu den bisherigen Entwicklungsstrategien äußerte sich Prof. Dr. Gerlind Weber: „Schrumpfung wird von der Raumplanung wahrgenommen, aber nicht angenommen. Alle glauben, Schrumpfung sei ein Systemversagen und so beharren sie auf der Wachstumslösung“, so ihre Kritik. Der Vergleich der Natur zeige aber, dass man in Kreisläufen denken müsse. Wo Wachstum unkontrolliert wuchert, folge bald der ebenso unkontrollierte Schrumpfungsprozess, nämlich der Kollaps. Die Wiener Professorin appelliert daher an die Raumplanung, beide Prozesse kontrolliert und integrativ zu betrachten und mit weiteren strategisch wichtigen Themen, wie Klimawandel und Finanzkrise, zu verknüpfen. Auch Schrumpfung kostet Geld. Ihr radikaler Vorschlag: Statt Erweiterungsprojekte zu unterstützen, lieber die Außenentwicklung stoppen, den Baulandüberhang abbauen, Umnutzungs- und Rückbauprojekte sowie Altlastensanierung finanzieren, Geld für die notwendigen Aushandlungsprozesse und in die Weiterbildung investieren.

Zahlreiche weitere Referenten führten bemerkenswerte innovative Beispiele und Modellvorhaben aus der Praxis der Gemeinden, Verwaltung und Planung auf. Es zeigte sich, dass sich bereits viele Akteure und Instrumente mit Schrumpfung auseinandersetzen und dabei Bürger als „Paten des Dorfumbaus“ einbeziehen. „Schrumpfungsstrategien“ will dies aber niemand nennen: „Es geht um neue Qualitäten für die, die davon betroffen sind“, „... und das können ganze Regionen sein, aber auch einzelne Ortsteile und Weiler in Wachstumsregionen“, so die beteiligten Bürgermeister und Planer. Ihr Wunsch und Appell ist auch, dass die Ressorts noch stärker zusammenarbeiten bzw. ihre Programme verknüpfen, um die notwendige Gesamtbetrachtung zu gewährleisten. Jede Gemeinde müsse die für sie angepasste Lösung finden, brauche dabei aber die Begleitung der Verwaltung als Fachperson und Förderlotse.

Ausgesprochen großes Lob fanden die Teilnehmer, die aus den verschiedenen Bundesländern kamen, dass ausgerechnet Bayern, jenes Land, das noch vergleichsweise gut dasteht, sich so intensiv mit dem Thema demographischer Wandel auseinandersetzt.

Weitere Informationen und Unterlagen unter www.landentwicklung-muenchen.de

Tagungsprogramm "Schrumpfung als Herausforderung für ländliche Räume. Lösungswege, Strategien und Instrumente"