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Die Arbeitswelt der Zukunft: Raum – Zeit – Kultur

- Gunter Henn, Klaus Peter Fröhlich, Daniela Albrecht, Robert Mokosch, Monika Beltinger und Udo-Ernst Haner
Wo, wann und wie werden wir künftig arbeiten? Diesen Fragen geht die neue Veranstaltungsreihe „Arbeitswelt der Zukunft“ der Hanns-Seidel-Stiftung auf den Grund. Zur Auftaktveranstaltung am 15. April 2011 waren Experten aus den Bereichen Architektur und Arbeitsorganisation eingeladen, um über die Zukunft der Arbeitsplätze und -räume zu informieren und diskutieren.
In seiner Begrüßung wies der Leiter der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung, Reinhard Meier-Walser, darauf hin, dass Veränderungen zumeist von Hoffnungen, aber auch von Befürchtungen begleitet sind und dass so auch der Wandel der Arbeitswelt sowohl Erwartungen, aber auch Ängste hervorruft.
Von architektonischer Seite näherte sich Gunter Henn der Thematik und wies zunächst darauf hin, wie die Architektur die Veränderungsprozesse positiv begleiten kann, wohlwissend, dass der Wert von Gebäuden weit über deren ästhetische Wirkung hinaus geht. Demnach müssen Räume so gestaltet sein, dass sie den Wissensfluss und die vernetzten Arbeitsprozesse fördern, „denn Innovation entsteht nie allein, sondern nur durch die Koppelung verschiedener Bereiche“. Henn will mit seiner Architektur dazu beitragen, dass „die Räume, die wir gestalten, selbst zum Netzwerk werden. Mit unserer Architektur schaffen wir also ideale Interaktionsräume für die moderne Wissensgesellschaft.“
Der wissenschaftlichen Einführung folgten drei Beispiele aus der Praxis. Daniela Albrecht von Siemens Real Estate stellte zunächst das neue Konzept „Siemens Office“ vor. Um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, will der Konzern mit der Qualität des Arbeitsumfeldes seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich bei ihren Aufgaben unterstützen. Das Konzept sieht vor, individuelle Freiräume der Mitarbeiter so zu gestalten, dass mithilfe modernster IT-Technologien die Arbeitsaufgaben, wo immer möglich, zunehmend unabhängig vom herkömmlichen Arbeitsplatz erfüllt werden können. Um den Wandel erfolgreich zu gestalten und Vorbehalte abzubauen, bezieht Siemens seine Mitarbeiter eng in den Prozess ein und bietet ihnen die Möglichkeit, sich dabei selbst einzubringen.
Dass die individuelle Leistung deutlich messbar von der Qualität des Arbeitsraumes abhängt, bestätigte auch Robert Mokosch von der Firma Steelcase, Marktführer in der Büroausstattung. Jahrzehntelange Studien haben bestätigt, dass nur in einem perfekt abgestimmten Arbeitsumfeld jeder einzelne Mitarbeiter nachweislich motivierter und effizienter arbeiten kann und so das Büro zur strategischen Ressource wird, die das Unternehmensergebnis entscheidend beeinflusst.
Beim dritten Praxisbeispiel, der Bosch Siemens Hausgeräte GmbH (BSH), erläuterte Klaus Peter Fröhlich die unternehmenseigene Zertifizierung der Arbeitsplätze an den Produktionsstandorten. Das Unternehmen vergibt Prüfplaketten, um den Gesundheitsschutz der Mitarbeiter zu verbessern. Eine grüne Plakette bedeutet, dass der Monteur keine Bewegungen ausführen muss, die ihn auf Dauer gesundheitlich belasten. Gelb schreibt zur Entlastung des einzelnen ein Abwechseln bei den Schichten vor. Rot signalisiert bei langfristiger Ausübung der Tätigkeit eine gesundheitliche Beeinträchtigung. In solchen Fällen muss schnell Abhilfe geschaffen werden. Beim Einbau von Umluftventilatoren in der Backröhre mussten sich die Arbeiter viele Male pro Schicht nach vorne und unten bücken. Daraufhin wurde ein Kippmechanismus montiert, der es dem Monteur nun erlaubt, in gerader Körperhaltung seine Arbeit auszuführen.
Udo-Ernst Haner vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation referierte über den Arbeitsplatz der Zukunft für nachhaltige Wissensarbeit. Haner erläuterte, welche Ziele und Anforderungen die Arbeitsplätze von morgen erfüllen müssen. Neben den Zielen Produktivitätserhöhung, Wohlbefinden, Innovation und Kostenreduktion stehen die Anforderungen Qualität. Flexibilität, Nutzbarkeit und Verfügbarkeit. Studienergebnisse des Fraunhofer-Instituts zeigen, dass mit zunehmender Gestaltungsqualität auch die Leistung der Mitarbeiter ansteigt.
Trotz der Fülle an Informationen und der großen Bandbreite der Thematik blieb eine Kernbotschaft nach über zweieinhalb stündigen Gesprächen: Die Arbeitswelt der Zukunft wird eine andere sein. Einerseits werden die Unternehmen zeigen müssen, wie sie Wertschöpfung und Wertschätzung ihrer Mitarbeiter besser und effektiver in Einklang bringen können. Andererseits müssen die Mitarbeiter in der Lage sein, mit der Freiheit, die sie hinzugewinnen verantwortlich umzugehen – gegenüber ihrem Arbeitgeber, aber auch gegenüber sich selbst. Denn Freiheit zu haben ist ein Privileg, das Vertrauen in der Führungs- und Unternehmenskultur erfordert.
"Der Wandel der Arbeitswelt ruft Erwartungen, aber auch Ängste hervor", so Reinhard Meier-Walser in seiner Eröffnungsrede.
Gunter Henn: "Innovation entsteht nie allein, sondern nur durch die Koppelung verschiedener Bereiche".

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