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Referat III/6 Familie, Frauen, Senioren, Religion und Gesellschaft, Integration
Dr. Bok-Suk Ziegler
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Die Zukunft unserer Gesellschaft und die Rolle der Kirchen
Die religiöse Pluralität in unserer Gesellschaft nimmt zu. Sie fordert das Christentum und die von ihm geprägte Gesellschaft aufs Neue heraus. Bei dem Seminar „Die Zukunft unserer Gesellschaft und die Rolle der Kirchen“ versuchten die Teilnehmer mit den Vertretern der Kirchen, vor allem mit dem Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof, vom 29. April bis 1. Mai 2011 in Wildbad Kreuth gemeinsam der Aufforderung nachzukommen.

- Wolfgang Bischof, Weihbischof der Erzdiözese München und Freising
Wolfgang Bischof, Weihbischof der Erzdiözese München und Freising, berichtete zunächst vom Zukunftsforum der Erzdiözese, das die Frage gestellt hatte „Wie kann Seelsorge heute gelingen?“. Die Ergebnisse wurden im Juli 2010 verkündet. Auch aus anderen Studien war hervorgegangen, dass die katholische Kirche heute nicht mehr alle Schichten des Volkes erreicht und dass sich manche Pfarrgemeinden eher als Vereine mit eigenen Interessen verstehen und deshalb das Ziel haben, die bestehenden Strukturen zu bewahren. Dabei gehe es darum, die „Zeichen der Zeit“ (Lk 12, 54-57) zu erkennen und zu deuten, sich dem Dialog zu stellen, Veränderungen wahrzunehmen – was aber nicht heißt, sich gänzlich dem Zeitgeist anzupassen.
„Sozialraumanalyse“ gehe die Kirchen an, denn die Zahl der Alleinerziehenden und Arbeitslosen wirke sich auf die Gemeinde aus. Ein Umdenkungsprozess ist nötig – hin zu einer missionarischen Kirche. Zeugnis geben, Nächstenliebe, Liturgie sind die Grundpfeiler der Kirche. Soziale Projekte sind Teil der Nächstenliebe, aber eben nicht alles. Gesellschaft und Kirche brauchen einander, auch für die Grenzfragen des Lebens, so der Weihbischof.
In einer ausgedehnten Diskussion, in der viele Fragen angesprochen wurden, votierten Teilnehmer und Referent für eine Betonung der Liturgie und ihre Bereicherung mit zur Zeit vernachlässigten Formen aus dem Bereich der Andachten, des Gebetsschatzes, der Kirchenmusik. Vieles müsse wieder entdeckt werden bei unterschiedlichen Riten. Bei vielen Menschen habe sich der Glaube seit der Kindheit, häufig seit der Erstkommunion, nicht weiterentwickelt und halte deshalb den Belastungen der Gegenwart nicht stand. Deshalb die missionarische Tätigkeit auch im eigenen Bereich!

- Hans Tremmel
Das Thema der „Religiösen Toleranz in der pluralistischen Gesellschaft“ war Inhalt des Vortrags von Prof. Dr. Hans Tremmel, der neben seiner Professur für Theologie und Ethik an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München auch Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising ist. Bei Interessenskonflikten – zum Beispiel in der Politik – den Weg zum Kompromiss zu finden, ist leichter als dies in Überzeugungskonflikten zu erreichen, also solchen des Glaubens, des Menschenbildes, der Lebensgestaltung. Hier muss Toleranz einsetzen, dass man am eigenen Standpunkt festhält, aber andere eben aushält, erträgt, duldet (von lat. tolerare).
Intoleranz ist zunächst die natürliche Gegebenheit des Menschen, Toleranz ist eine Kulturleistung und häufig mühsam zu erzielen. Toleranz setzt den Rechtsstaat voraus, der – wie in unserem Falle – die Wahrung der Menschenwürde gebietet. So ist der Verfassungskonsens in unserem Staat die Grundlage der religiösen Toleranz, worüber gesetzliche Vorgaben zu wachen haben. Breiten Raum nahm die Diskussion zum Thema Islam ein, wobei der Vortragende die Bildung als wichtigste Voraussetzung für religiöse Toleranz bezeichnete.

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