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Referat II/6 Umwelt, Klima, Ländlicher Raum, Ernährung und Verbraucherschutz
Silke Franke
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Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 82: Homo Oecologicus, Menschenbilder im 21. Jahrhundert
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Stiftungspost Ausgabe 03 / 12
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Energiewende – Vom Konfliktthema zum gemeinsamen Zukunftsprojekt

Noch ist die Energiewende eine Vision, aber sie steht als Ziel klar vor Augen. Die Energieversorgung ist zu einem Thema geworden, das jeden betrifft und die Gemüter bewegt. „Wir müssen uns jetzt um Besonnenheit bemühen“, mahnt Hans Zehetmair, Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung. Er zeigte sich sehr erfreut, mit Alois Glück einen Referenten gewonnen zu haben, der wie kaum ein anderer geeignet ist, die Wesenszüge der komplexen Herausforderungen zu erkennen und zu vermitteln.

„Die Energiewende ist das größte politische Projekt seit der Wiedervereinigung" so Alois Glück
Hans Zehetmair: "Die Energieversorgung ist zu einem Thema geworden, das jeden betrifft und die Gemüter bewegt."

Dies bestätigte die große Zahl der Zuhörer, die am 25. Juli 2011 in das Konferenzzentrum gekommen waren. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, stv. Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung und ehemalige Landtagspräsident gilt als Umweltpolitiker der ersten Stunde. Er war Mitglied der Ethikkommission "Sichere Energieversorgung“, die die Bundeskanzlerin Angela Merkel im März 2011 mit dem Auftrag einberufen hatte, die Kernenergie zu prüfen und Vorschläge für den Übergang hin zu erneuerbaren Energien zu erarbeiten. „Für mich kam die Berufung völlig überraschend“, so Glück in seinem Vortrag, „aber es war ein gewinnbringender Lernprozess“. Die Ethik-Kommission habe unter enormem Zeitdruck gearbeitet, das vorhandene Wissen aufgenommen, gebündelt und unter unterschiedlichen Blickwinkeln sachlich bewertet.

Eines sei Glück dabei deutlich geworden: Die Aufgabe der Energieversorgung ist nicht nur technischer Natur, sie hat vielmehr Facetten, die tief in die gesellschaftliche Entwicklung hineinwirken. So erinnerte Glück daran, dass erst vor wenigen Jahrzehnten der unrentable Kohleabbau in Bayern eingestellt wurde. Stattdessen entschied man sich für Öl (Raffinerie in Ingolstadt) und Kernkraft. Die gesicherte, günstige Energieversorgung war mit ein Grund für die stürmische wirtschaftliche und auch soziale Entwicklung der Folgezeit.

Angesichts der hohen Investitionen und der langen Kapitalbindung müssen energiepolitische Konzeptionen auf einen längeren Zeithorizont ausgerichtet sein. Das hat Glück lange vermisst. „Wo wollen wir in 40 Jahren sein?“, diese Frage muss beantwortet werden. Erst, wenn hier Einigung besteht, gelingt es, einen zuverlässigen Rahmen zu schaffen, ist Glück überzeugt. Dieses gemeinsame Leitbild aber bestand nicht, als die Bundesregierung im Herbst vergangenen Jahres die Entscheidung über eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke fällte.

Die Kernenergie spaltet seit ihrer Einführung die Bevölkerung. Für die einen wurde die friedliche Nutzung der Kernenergie zu einem Zeichen für Fortschritt, ein Versprechen für Wohlstand und eine nahezu unbegrenzte Energie bei beherrschbaren Risiken. Für andere aber stellt sie ein ständiges Bedrohungspotenzial dar, ein Risiko, das sie unter keinen Umständen hinnehmen wollen. Welchen Fortschritt also wollen wir?

Das Unglück von Fukushima, die Reaktorhavarie in einem Hochtechnologieland wie Japan, hatte eine Schockwirkung. Es zeigte sich, so Glück: „Nicht das Vorstellbare ist das Problem, sondern das Unvorstellbare. In der Ethik-Kommission kamen wir zum Schluss, dass wir verpflichtet sind, Risiken zu minimieren, wo immer wir es können. Und wir können es - Wir haben jetzt und perspektivisch risikoärmere Alternativen zur Kernenergie!“

Glück räumte ein, dass die Kernenergie damit nicht aus der Welt ist. „Aber im internationalen Vergleich gelten wir als Vorreiter im Umweltbereich. Mit unserer Sensibilität für Entwicklungen und Gefahren haben wir eine besondere Chance, wenn wir damit rational umgehen. Wenn uns die Energiewende gelingt, wird das Signalwirkung haben“, ist Glück überzeugt. Und weiter: „Unsere heutige Art zu leben ist nicht zukunftsfähig. Wir müssen das Prinzip der Nachhaltigkeit weiter verankern. Seien wir mutig, realistisch und verantwortungsbewusst!“

Er forderte eine seriöse Diskussion und zwar für jegliche Energieform, ob Kernkraft, Photovoltaik oder Biomasse. Der gesamte Prozess, von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung, muss dabei betrachtet werden. Dies erfordere ganzheitliches Denken. Ökologische und gesundheitliche Folgen müssten ebenso berücksichtigt werden wie die sozialen, wirtschaftlichen oder individuellen Implikationen. Dabei werden Zielkonflikte auftreten. Sie sollen offen angesprochen und transparent verhandelt werden. „Wir müssen korrekturfähig sein“, so Glück. Die Energiewende erfordert einen hohen Aufwand an Steuerung, Koordination und Vernetzung. Die Kommission hat daher ein Monitoring vorgesehen und empfiehlt, einen Parlamentarischen Beauftragten einzurichten, der dafür sorgt, dass die Energiewende nicht in einem „Blindflug“ veranstaltet wird. Ein „Nationales Forum Energiewende“ soll außerdem für Transparenz und Akzeptanz sorgen. Bürgerbeteiligung von Anfang an ist für Glück außerordentlich wichtig. Denn die Motivation der Bürger muss auch dann noch wirken, wenn die Erinnerungen an den Unfall in Fukushima verblassen und stattdessen Netzleitungen gebaut werden.

Die Energiewende ist das größte politische Projekt seit der Wiedervereinigung. Mit dem Ziel, den Ausstieg innerhalb von 10 Jahren zu erreichen, haben wir uns unter Druck gesetzt. Dieser Druck ist aber auch gut, denn er eröffnet die Chance für einen qualitativen Sprung“, machte Glück zum Schluss seines Vortrags dem Publikum Mut.

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Windrad

Die Ethik-Kommission “Sichere Energieversorgung” empfiehlt den Ausstieg aus der Kernenergie. Die Energiewende ist eine Herausforderung, die nur in einer gemeinsamen Anstrengung zu bewältigen ist. Sie bietet aber auch Chancen. Wie sehen Sie das? Diskutieren Sie mit uns! zum Blog ...